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Kommentar: Nun gerät der Amtsvorsteher in den Fokus

Was wusste Martin Kraemer bei der Anstellung von Caccivio? Und hat Kraemer seinen politischen Chef Hans-Jürg Käser damals informiert? Nach der externen Untersuchung wird sich zeigen, ob Caccivio als Einziger auf der Strecke bleibt.

Es war keine Frage von Tagen, es war eine von Stunden. Nachdem diese Zeitung gestern publik gemacht hatte, dass Thorberg-Direktor Georges Caccivio Akten eines Insassen frisiert hatte, war er angezählt. Polizeidirektor Hans-Jürg Käser hat Hals über Kopf reagiert und den unmöglich gewordenen Direktor am Montagabend freigestellt – vorläufig erst, doch eine Rückkehr scheint unmöglich.

Man kann nun Käser vorwerfen, die hektische Betriebsamkeit sei Show in eigener Sache. Schliesslich wird Ende März im Kanton Bern gewählt. Da möchte man solche Affären aus der Welt geschafft haben. Der Vorwurf ist nicht von der Hand zu weisen, weiss Käser doch schon seit dem Herbst von den Vorwürfen. Aber natürlich ist der Entscheid, Caccivio zu suspendieren, richtig: Nur so kann auf dem Thorberg wieder Ruhe einkehren.

Die Affäre ist damit aber noch nicht ausgestanden. Die Geschichte wirft auch ein schiefes Licht auf einen von Käsers Chefbeamten: auf Martin Kraemer, den Leiter des Amtes für Freiheitsentzug. Caccivio führte jahrelang dessen Stab, bevor Kraemer ihn zum Thorberg-Direktor machte. Wie viel Kraemer von Caccivios Kontakten ins Milieu wusste, ist noch nicht klar. Zumindest wusste er, dass Caccivio im Yucca, einem Treffpunkt der Bieler Drogenszene, verkehrte. So viel gab Kraemer am Samstag im «Bund» bereits zu, als das wahre Ausmass der Affäre noch nicht klar war.

Hätten die Alarmglocken läuten müssen? Klar ist: Der Posten des Thorberg-Direktors erfordert viel Fingerspitzengefühl – und eine reine Weste. Das müsste Kraemer klar sein. Die viel zu spät angeordnete externe Untersuchung muss nun zwei Fragen beantworten: Was genau wusste Kraemer bei der Anstellung von Caccivio? Und wie weit hat Kraemer seinen politischen Chef Hans-Jürg Käser damals informiert? Danach wird sich zeigen, ob Caccivio als Einziger auf der Strecke bleibt.

Mail: adrian.zurbriggen@bernerzeitung.ch

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