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Kündigungswelle bei Berner Spitälern

Aderlass bei Spital Netz Bern: Im Mai gaben zwei Tiefenau-Chefärzte ihren Wechsel zur privaten Lindenhofgruppe bekannt, nun folgen ihnen drei weitere Chefärzte und sechs Kaderärzte.

Ziegler- und Tiefenauspital müssen den Abgang von neun Ärzten verkraften.
Ziegler- und Tiefenauspital müssen den Abgang von neun Ärzten verkraften.
Susanne Keller

Eine Kündigungswelle im Ärztekader hält das Spital Netz Bern in Atem. Bereits im Mai wechselten zwei Tiefenau-Chefärzte zur Lindenhofgruppe, nun folgen ihnen drei weitere Chefärzte und sechs Kaderärzte. Das gab die Lindenhofgruppe am Mittwoch bekannt.

«Wir können unser Angebot in der Inneren Medizin damit weiter ausbauen», freute sich der Geschäftsleitungsvorsitzende der privaten Lindenhofgruppe Jean-François Andrey . Bewährte Teams aus dem Tiefenau verstärkten inskünftig die Bereiche Kardiologie, Pneumologie, Endokrinologie und Diabetologie.

Der Ärzte-Exodus erfolgt vor dem Hintergrund der «Berner Spitalhochzeit». Dabei geht es um die Zusammenführung der öffentlichen Krankenhäuser von Spital Netz Bern mit dem Inselspital. Offenbar befürchten Spezialisten im Tiefenau und Ziegler, dass alle «interessanten Fälle» künftig in der Insel konzentriert würden und ihnen nur die Routinearbeit bliebe.

Zu solchen Spekulationen mochte sich Andrey auf Anfrage nicht äussern. Sicher sei, dass die Ärzte in der Lindenhofgruppe die «eigenverantwortliche, patientenorierntierte und qualitativ hochstehende Medizin» fortführen könnten, die sie in den letzten Jahrzehnten im Tiefenau betrieben hätten.

«Zum Schaden der Patienten»

Wenig erfreut zeigte sich Joseph Rohrer, Verwaltungsratspräsident der Spital Netz Bern AG und der Inselspital-Stiftung. «Mir fehlt das Verständnis für die Kündigungen der Chefärzte», sagte er auf Anfrage. Denn diese seien im laufenden Prozess voll integriert gewesen, «sie haben mitdiskutiert». Dem Verwaltungsrat sei kein grundlegender Widerstand signalisiert worden. Der Ärzte-Exodus müsse er nun «als Protest und als konzertierte Aktion» wahrnehmen, sagte Rohrer - eine Aktion, die «zum Schaden der Spitäler und der Patienten» erfolge.

In einem Communiqué sah sich der Verwaltungsrat der Spital Netz Bern zudem veranlasst, sich ausdrücklich zum Tiefenau zu bekennen. Dieses sei «ein wichtiger Pfeiler» im laufenden «Projekt zur Stärkung des Medizinalstandorts Bern», wie die Spitalhochzeit offiziell heisst.

Der Verwaltungsrat wolle im Tiefenau weiterhin «eine hochstehende Kardiologie und Pneumologie» betreiben, deshalb sei bereits ein neuer Leiter für die Herz-Abteilung ernannt worden. «In zwei bis drei Wochen» werde auch der neue Chefarzt für den Lungen-Bereich bestimmt sein.

Fünf Chefärzte ziehen um

Bei den drei Chefärzten, die zur Lindenhofgruppe wechseln, handelt es sich um Martin Brack (Kardiologie Tiefenau), Carlo Mordasini (Pneumologie Tiefenau) und Stephan Hans Hottinger (Kardiologie Ziegler). Bereits zuvor hatten die beiden chirurgischen Chefärzte Stefan Birrer und Daniel Giachino ihren Wechsel vom Tiefenau zum Lindenhof bekanntgegeben.

Ein weiterer Chefarzt nimmt den umgekehrten Weg: Michael Billinger, bislang Chefarzt Kardiologie in dem zur Lindenhof-Gruppe gehörenden Sonnenhof, hat denselben Job künftig im Tiefenau inne. Ob auch er nahestehende Kaderärzte mitnehmen wird, war am Mittwoch noch nicht bekannt.

Drei grosse «Player»

Im Grossraum Bern gibt es künftig noch drei grosse Spitalgruppen. Die öffentliche Hand bündelt ihre Kräfte, indem sie die Universitätsklinik Insel mit den Häusern der Spital Netz Bern AG zusammenführt. Dazu gehören die Spitäler Aarberg, Münsingen, Riggisberg, Tiefenau und Ziegler sowie das Spital und Altersheim Belp und das Pflegezentrum Elfenau.

Die vom Spital Netz Verwaltungsrat angeordnete Schliessung der Geburtsabteilung des Spitals Riggisberg per Ende Juli warf hohe Wellen.

Die Lindenhofgruppe ist die grösste Privatspitalgruppe im Kanton. Zu ihr gehören die Berner Spitäler Lindenhof, Sonnenhof und Engeried. Dritter «Player» ist die ebenfalls private Hirslanden-Gruppe, die in Bern das Beau-Site, die Klinik Permanence und das Salem-Spital betreibt.

SDA/tag

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