Luchsbestand: Kein Schnellschuss in Bern

Die Mehrheit des Grossen Rates ist der Ansicht, dass die hohe Luchs­population im Berner Oberland problematisch ist. Allein handeln kann der Kanton Bern jedoch nicht, er ist von der Bundespolitik abhängig.

Viele Luchse: Besonders im Berner Oberland ist die Situation angespannt.

Viele Luchse: Besonders im Berner Oberland ist die Situation angespannt.

(Bild: Keystone)

Philippe Müller

Luchse abschiessen oder nicht? So lautete etwas grob zusammengefasst die Hauptfrage, die eine Motion der SVP aufwarf. Wobei die Antwort für die Volkspartei klar war: Sie weibelte dafür, überzählige Luchse abschiessen zu dürfen. Vor allem im Berner Oberland, wo die Luchspopula­tion mit 3,1 Tieren pro 100 Qua­dratkilometer doppelt so hoch ist, wie es das Luchskonzept des Bundes empfiehlt, und die Zahl der Schafrisse hoch sei.

Die Frage im Grossen Rat war, ob die Forderung der SVP mehrheitsfähig sein würde. Das war sie: Am Ende sagten 84 Grossräte Ja zu einer Regulierung des Luchsbestandes im Kanton, 49 stimmten Nein. Allerdings überwies das Kantonsparlament die Forderung nicht als Motion, sondern in der weit weniger ver­bindlichen Form eines Postulats.

Der Entscheid des Grossen Rates bedeutet nun aber nicht, dass der Luchs auch tatsächlich geschossen werden darf. Denn für den Abschuss braucht es eine Bewilligung des Bundes.

Und obwohl die Situation im Berner Oberland angespannt sei, wäre eine Abschussbewilligung derzeit wohl kaum realistisch. Das machte der Berner Volkswirtschaftsdirektor Christoph Ammann (SP) am Donnerstag in seiner Stellungnahme vor dem Parlament deutlich.

Nationalrat ist am Zug

Zwar war der Ständerat diese ­Woche in Abschusslaune und hat den Schutz von Wolf und Luchs gelockert. Allerdings geht das Geschäft noch in den Nationalrat, und die Umwelt- und Tierschutzverbände haben vorsorglich bereits das Referendum gegen die Revision des Jagdgesetzes an­gekündigt.

Erst wenn die Rechtslage auf Bundesebene und die Kompe­tenzen der 26 Kantone abschliessend geklärt sind, kann sich Bern allenfalls aktiv um die Regulierung des Luchsbestandes kümmern.

Berner Zeitung

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