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Massive Schäden im Kanton Bern wegen Burglind

Beschädigte Tiergehege, Stromaus­fälle, Störungen im Schienenverkehr: Das Sturmtief Burglind hinterliess im Kanton Bern ein Chaos. Über tausend Schadenmeldungen gingen ein.

«Burglind meint: ‹Meine Arbeit ist getan, ich muss mich ausruhen!›», schreibt Andreas Schaller.
«Burglind meint: ‹Meine Arbeit ist getan, ich muss mich ausruhen!›», schreibt Andreas Schaller.
Andreas Schaller, Leserreporter
In der Gemeinde Köniz sind bis Donnerstagvormittag 50 Schadensmeldungen eingegangen.
In der Gemeinde Köniz sind bis Donnerstagvormittag 50 Schadensmeldungen eingegangen.
zvg/Gemeinde Köniz
Dieser Baum knickte um wie ein Streichholz: Burglind wütete auch auf dem Huttwilberg.
Dieser Baum knickte um wie ein Streichholz: Burglind wütete auch auf dem Huttwilberg.
Walter Mosimann
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Peter Kuhn von Stadtgrün Bern wusste am Mittwoch genau, woher der Wind weht. Ein erstes Mal um acht Uhr und ein zweites Mal um zehn Uhr begutachtete er die Weihnachtstanne auf dem Berner Bahnhofplatz. Um 10.30 Uhr lag sie am Boden. Das Sturmtief Burglind hat die 13 Meter hohe und 2,4 Tonnen schwere Fichte zu Fall gebracht – mit geknicktem Stamm und zerbrochenen Kugeln lag der einst prachtvoll geschmückte Christbaum nass und platt auf dem Asphalt.

«Wir haben das Risiko richtig eingeschätzt», sagt Peter Kuhn, «und den Baum rechtzeitig abgesperrt.» Verletzt wurde beim Sturz niemand. Die Kugeln gingen grösstenteils kaputt, nicht so die Be­leuchtung. «Die haben wir abmontiert und werden sie nächstes Jahr wieder brauchen.» Mindestens war das Timing für den Sturz ideal: Der Baum hätte sowieso am Mittwoch abgeräumt werden sollen.

40'000 Kunden ohne Strom

Umgestürzte Bäume sorgten an ver­schiedenen Orten im Kanton Bern für Chaos. Im Tierpark Dählhölzli etwa sind 25 Buchen gefällt worden. «Und zwar zum Teil riesige und kerngesunde Bäume», sagt Direktor Bernd Schildger. Auch seien mehrere Zäune beschädigt worden, etwa bei den Wölfen, den Bären, den Wildschweinen und den Wisenten. Schildger schliesst nicht aus, dass Tiere entweichen konnten. Verletzte gab es keine, jedoch spricht Schildger von erheblichen Schäden im sechsstelligen Bereich. «Insgesamt ist der Schaden bei uns viel grösser als nach dem Sturm Lothar im Jahr 1999.»

Auch die BKW blieb von Burglind nicht verschont: Laut Mediensprecher Gilles Seuret waren am Mittwoch 40'000 BKW-Kunden ohne Strom. «Unsere Monteure haben derzeit alle Hände voll zu tun, doch die Lage beruhigt sich langsam», so Seuret. Am schlimmsten betroffen waren die Gebiete Jura, Emmental und Oberland, insgesamt wurden im Einzugsgebiet der BKW 35 Leitungen vom Sturm beschädigt, dies grösstenteils durch umgestürzte Bäume. Wann die Störungen behoben sein werden, konnte Seuret am Mittwoch nicht sagen.

Stark betroffen war auch der öffentliche Verkehr. Unzählige Bahnlinien waren ­wegen umgestürzter Bäume oder Stromausfällen bis in den späten Nachmittag ­hinein unterbrochen, etwa die Brünig-Bergstrecke der Zentralbahn, die BLS-Linie zwischen Bern und Schwarzenburg oder die Biel-Täuffelen-Ins-Bahn. An der Lenk brachte der Wind gar einen Zug­wagen der Montreux-Berner-Oberland-Bahn zum Entgleisen, acht Personen wurden dabei verletzt.

Auch auf den Postautolinien kam es zu diversen Behinderungen. So musste etwa der Betrieb zwischen Reichenbach und Kiental, zwischen Interlaken-West und Beatenberg sowie zwischen Brienz und Axalp eingestellt werden. Störungen gab es auch bei RBS und Bernmobil.

Auf dem Thunersee verkehrten zudem keine Schiffe, und auch der Grossteil der Bergbahnen im Berner Oberland stand still.

Nicht vergleichbar mit Lothar

Gesamthaft gingen bei der Kantonspolizei bis Mittwochbend siebenhundert Meldungen wegen Sturmschäden ein. Zehn Personen wurden verletzt. Neben den acht Betroffenen beim Zugunglück an der Lenk mussten in Worb ein Mann und ein Kind leicht verletzt ins Spital gebracht werden, nachdem ein Baum auf ihr Auto gestürzt war.

Die Berner Gebäudeversicherung spricht von einem «mittelgrossen Ereignis mit ei­ner beachtlichen Anzahl Schadenmeldungen innert kurzer Zeit». Sie verzeichnete bis Mittwochnachmittag rund tausend Meldungen aus dem gesamten Kantonsgebiet. Es würden aber laufend weitere eingehen, so Mediensprecherin Julia Zosso.

Und ­weiter: «Aufgrund von Erfahrungswerten schätzen wir, dass das Ereignis insgesamt zwischen drei- und fünftausend Schadenmeldungen nach sich ziehen und eine Gesamtschadensumme von 6 bis 10 Millionen Franken aufweisen wird.» Somit sei Burglind «in keiner Weise» mit dem Sturm Lothar vergleichbar. Damals verzeichnete die Gebäudeversicherung Bern Schäden von 150 Millionen Franken. Im ganzen Kanton waren 51'000 Gebäude betroffen.

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