Mehr Gewaltdelikte im Kanton Bern

Im Kanton Bern wurden 2016 erneut weniger Verbrechen registriert als im Vorjahr. Die Zahl der Gewaltstraftaten ist jedoch erstmals seit 2013 wieder angestiegen.

Gewaltverbrechen haben im Kanton Bern im letzten Jahr um 11 Prozent zugenommen.

Gewaltverbrechen haben im Kanton Bern im letzten Jahr um 11 Prozent zugenommen.

(Bild: Keystone)

Marius Aschwanden

Der Kanton Bern ist auch im letzten Jahr ein bisschen sicherer ­geworden. Das zeigt die am Montag vorgestellte Kriminalstatistik der Kantonspolizei. Gesamthaft wurden mit 72 941 Delikten rund 1000 Straftaten weniger regis­triert als 2015. Seit der Einführung der Statistik 2008 waren die Zahlen noch nie so tief wie 2016.

Die Verbrechen betreffen zu 75,2 Prozent das Strafgesetz, zu 19 Prozent das Betäubungsmittelgesetz, zu 3,4 Prozent das Ausländergesetz und zu 2,4 Prozent weitere Bundesnebengesetze. Erneut konzentrierte sich die Kriminalität hauptsächlich auf Bern, Biel und Interlaken. Das Resultat deckt sich mit der landesweiten Kriminalstatistik, die ebenfalls von einer Abnahme der Delikte zeugt.

Im Grossen und Ganzen zeigte sich Polizeikommandant Stefan Blättler am Montag denn auch zufrieden mit den Berner Zahlen. Insbesondere der Rückgang der ­Delikte nach Strafgesetzbuch um 2 Prozent auf 54 843 Taten sei ­erfreulich.

Blättler musste aber auch schlechte Nachrichten bekannt geben: «Die Gewaltdelikte haben gegenüber dem Vorjahr markant zugenommen.» Die 4273 Straftaten entsprechen einer Steigerung um 11 Prozent. 2016 ist das erste Jahr seit 2013, in dem wieder mehr solche Verbrechen verübt worden sind.

Gewalt soll bekämpft werden

Die Zunahme ist laut Blättler auf eine Steigerung im Bereich der minderschweren Gewalt wie einfacher Körperverletzung zurückzuführen. Hier wurden 407 Delikte (+11 Prozent) mehr verzeichnet als 2015. In diese Kategorie gehören auch Drohungen und Gewalt gegen Beamte, wo ebenso eine Zunahme um 11 Prozent oder 43 Fälle auf 425 registriert wurde.

Bei der schweren Gewalt hingegen, etwa Mord oder schwere Körperverletzung, gab es einen Rückgang um 14 Prozent auf 140 Straftaten. Im Bereich der häuslichen Gewalt schliesslich wurden mit 1335 Verbrechen ein Prozent mehr Delikte verübt.

Zu den Gründen für die gesamthafte Zunahme der Gewaltverbrechen wollte sich Kommandant Blättler am Montag nicht äussern. Es sei noch verfrüht, dazu Aussagen zu machen. Die Kantonspolizei werde aber im laufenden Jahr in diesem Bereich einen Schwerpunkt setzen und insbesondere mit einer höheren Präsenz Delikte zu verhindern versuchen. «Gewaltstraftaten haben in unserer Gesellschaft nichts verloren», sagte Blättler.

«Gewaltstraftaten haben in unserer Gesellschaft nichts verloren.»Stefan Blättler, Kommandant Kantonspolizei Bern

Weniger Einbrüche

Ebenfalls zugenommen haben im letzten Jahr die Sexualstraftaten (+13 Prozent auf 600). Angestiegen ist insbesondere die Zahl der Schändungen, der sexuellen Belästigung und der Vergewaltigungen. Blättler wies jedoch darauf hin, dass 2015 eher ein tiefer Wert in diesem Bereich verzeichnet worden ist. «Die Zahlen 2016 liegen im langjährigen Mittel.»

Dass die Kantonspolizei trotz dieser negativen Entwicklungen gesamthaft einen Rückgang der Straftaten präsentieren konnte, hängt in erster Linie mit den Vermögensdelikten wie Diebstahl, Raub oder Betrug zusammen. Sie machen den grössten Teil aller Straftaten aus. Die Polizei verzeichnete hier einen Rückgang um 4 Prozent (40 365 Straftaten).

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«Erfreulich ist insbesondere die Tatsache, dass es weniger Einbruch- und Einschleichdiebstähle gab als noch im Vorjahr», sagte Blättler. In diesen Bereichen ­habe die Polizei in den letzten Jahren grosse Präventionsbemühungen unternommen. Das würde sich nun auszahlen.

Die Aufklärungsquote bei den Vermögensdelikten konnte zwar ebenfalls leicht gesteigert werden (+0,1 Prozent), ist aber mit 19 Prozent nach wie vor auf einem tiefen Niveau. Dies habe verschiedene Gründe, sagte Thomas Sollberger, Chef der Kriminalpolizei: «Bei Einbrüchen stammen über 50 Prozent der Täter aus dem Ausland und haben keinen festen Wohnsitz. Zudem sind sie hoch mobil, gut organisiert und arbeiten sehr professionell.» Für Kommandant Blättler ist denn auch klar: «Hier gilt es, dranzubleiben.»

Mehr Delikte im Internet

Einen weiteren Schwerpunkt will die Polizei im laufenden Jahr im Bereich der Cyberkriminalität setzen. «Wir müssen uns darauf einstellen, dass immer mehr Delikte im Internet oder im Darknet begangen werden», sagte Blättler. Deshalb sei die Ausbildung der angehenden Polizisten angepasst worden. Notwendig seien aber auch vermehrt Spezialisten sowie eine geeignete Soft- und Hardware.

Die gesamte Kriminalstatistik 2016 des Kantons Bern können Sie hier herunterladen.

Berner Zeitung

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