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Menschenhandel aufgedeckt: 50 Prostituierte eingeschleust

Sieben Frauen und Männern wird vorgeworfen, die Einreise von mehr als 50 Frauen und Transsexuellen aus Thailand in die Schweiz organisiert zu haben. Diese mussten sich im Kanton Bern prostituieren.

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Bis zu 90'000 Franken mussten die Frauen und Transsexuellen verdienen, bis sie ihr Gehalt behalten durften.
Bis zu 90'000 Franken mussten die Frauen und Transsexuellen verdienen, bis sie ihr Gehalt behalten durften.
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Die Ermittlungen waren im Jahr 2010 ausgelöst worden, nachdem sich eine thailändische Frau bei der Kantonspolizei Bern meldete und erklärte, sie werde gegen ihren Willen in einem Etablissement in Bern festgehalten und müsse sich prostituieren. Das teilt die Kantonspolizei mit.

Schliesslich wurde ein umfangreiches Ermittlungsverfahren unter der Leitung der Staatsanwaltschaft für besondere Aufgaben eingeleitet. Dies betraf einerseits den Straftatbestand des Menschenhandels, andererseits aber auch die Förderung der Prostitution, Widerhandlungen gegen das Ausländergesetz, Fälschung von Ausweisen sowie Geldwäscherei.

Die Hauptbeschuldigte, eine 42-jährige Thailänderin mit Aufenthaltsbewilligung für die Schweiz, konnte schliesslich im Herbst 2011 in Deutschland verhaftet und an die Schweiz ausgeliefert werden.

Wie sich herausstellte, war die Frau seit Ende 2008 aktiv und betrieb selber ein Bordell, in welchem sie illegal anwesende thailändische Prostituierte beschäftigte. Die Frauen mussten einen Schuldenbetrag von rund 30‘000 Franken für die Einreise in die Schweiz abarbeiten. Die meisten unter ihnen wussten, dass sie in der Schweiz als Prostituierte arbeiten würden.

Die Prostituierten gaben in der Regel 50 Prozent ihres Verdienstes an den Salonbetreiber ab und konnten nur mit den verbleibenden 50 Prozent ihre «Reiseschulden» abbezahlen. So mussten sie total 60'000 Franken verdienen, um ihre Schulden zu tilgen. In mehreren dokumentierten Fällen mussten die Prostituierten sogar bis zu 90‘000 Franken erwirtschaften, bis sie etwas eigenes Geld behalten konnten.

Aus ärmlichen Verhältnissen in Thailand

Die Opfer stammten meist aus ärmlichen Verhältnissen in Thailand, heisst es weiter in dem Polizei-Communiqué. Sie hatten in einigen Fällen einen sogenannten Darlehensvertrag unterzeichnen müssen, in dem sie eine allfällig vorhandene Liegenschaft in Thailand als Sicherheit verpfänden mussten. Zudem war die Hauptbeschuldigte bei ihrer Festnahme im Besitz von persönlichen Dokumenten von Opfern, beispielsweise von Ausweispapieren.

Dazu kommt, dass sich die Opfer meist illegal in der Schweiz aufhielten und einer illegalen Tätigkeit nachgingen. Sie waren der örtlichen Sprachen nicht mächtig und hatten keine Ortskenntnisse. Die meisten Opfer seien in ihre Heimat zurückgekehrt und wollten sich nicht als Privatkläger am Strafverfahren beteiligen. Ein Opfer, das sich am Strafverfahren beteilige, verweile derzeit noch in der Schweiz und wird in einer speziellen Einrichtung betreut.

Die Hauptbeschuldigte wird sich nun im Kanton Thurgau für 26 Opfer, in den Kantonen Bern, Solothurn, Luzern, Basel Stadt und Zürich für weitere 31 Opfer verantworten müssen. Weitere sechs beschuldigte Personen befinden sich teilweise noch in Untersuchungshaft. Bei ihnen handelt es sich um einen Schweizer, vier Thailänderinnen und einen Thailänder.

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