Mit SVP-Prosa gegen die grüne Welle

Mit «gesundem Menschenverstand» will die Berner SVP im Herbst eine drohende Wahlniederlage abwenden. Die Wahlkampf-Prosa mag holprig sein, könnte aber viral gehen.

Die SVP Kanton Bern präsentierte den Medien am Mittwoch ihre Kandidatinnen und Kandidaten für den National- und Ständerat.

Die SVP Kanton Bern präsentierte den Medien am Mittwoch ihre Kandidatinnen und Kandidaten für den National- und Ständerat.

(Bild: zvg/SVP Kanton Bern)

Stefan von Bergen@StefanvonBergen

Unglaublich, diese Kandidatinnen und Kandidaten. Für die Nationalrats- und Ständeratswahlen schickt die Berner SVP ins Rennen: den berntreusten Mountainbiker des Kantons (Manfred Bühler); die Kindergärtnerin, die als Polizistin die Reitschule das Fürchten lehrt (Andrea Geissbühler); den Lastwagenfahrer mit eigenem Boxenstopp (Erich Hess); die Kita-Leiterin, die zeigt, dass bei der SVP die Frauen nicht an den Herd verbannt werden (Nadja Pieren); oder den Herrn, dessen Name nicht nur als Schweizer Gericht in aller Munde ist (Albert Rösti).

Mit solcher Wahlkampf-Prosa hat die Partei am Mittwoch vor den Medien für ihre Leute geworben. Die SVP muss sich ja wirklich etwas einfallen lassen. Obwohl sie die stärkste Partei im Kanton ist, hat sie Gegenwind.

Sie kämpft gegen die grüne Welle im Land oder die aussichtsreiche Ständeratskandidatur der BDP. Das SVP-Rezept gegen diese Widrigkeiten: locker drauflostexten und so das eigene Personal möglichst sympathisch und bodenständig rüberkommen lassen. Die Parteispitze beteuert übrigens, dass sie keine Textagentur engagiert hat, sondern selber ins Dichten kam.

Den Wahlkampf-Sound schärft noch der Mann, «der für genügend Salz in der Wahlsuppe sorgt»: Werner Salzmann, Ständeratskandidat der SVP. Wie er am Mittwoch erklärte, kämpft er gegen die staatliche Überbetreuung mittels Sauberkeitsrappen oder Kehrichtsackfarben.

Diese führe dazu, «dass die Schweiz an die Wand gefahren und die Schweizerinnen und Schweizer zu Robotern degradiert werden». Man sieht: Die SVP ist für die Wahlen rhetorisch gewappnet. Ihre Strategie bündelt sie schliesslich in einem griffigen Codewort: Sie ist für den Gesunden Menschenverstand (GSM).

Die Gegner der SVP mögen lächeln: wie harmlos, wie weit entfernt von den brennenden Themen. Aber Achtung! Den GSM kombiniert die SVP mit griffigen Formeln: «Wer GSM statt Waschzeit-Vorschriften im eigenen Haushalt will, wählt SVP.»

Oder: «Wer GSM will statt Fleischverbot in der Kita, wählt SVP.» Eine Social-Media-Truppe der SVP verknüpft diese Sätze mit Storys oder witzigen Bildern und schleicht sich mit diesen Internet-Hypes über Facebook, Instagram und Twitter in den Alltag ihrer Wählerinnen und Wähler.

«Wir wollen in jede Filterblase rein», sagte die Parteileitung am Mittwoch. Die SVP-Prosa mag holprig sein. Wird sie aber viral, kann sie über Wahlen entscheiden.

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