Zum Hauptinhalt springen

Maximalforderung für Mitholz

Der Nationalrat will eine komplette Räumung des ehemaligen Munitionslagers in Mitholz. Für Bundesrätin Viola Amherd eine problematische Forderung.

Marius Aschwanden
Eine Untersuchung ergab: Die Bomben im Felsen sind immer noch voll sprengfähig.
Eine Untersuchung ergab: Die Bomben im Felsen sind immer noch voll sprengfähig.
Beat Mathys
Diese verrostete 50-Kilo-Fliegerbombe ist nur eines von...
Diese verrostete 50-Kilo-Fliegerbombe ist nur eines von...
Bruno Petroni
...zahllosen Kriegsgeschossen im Munitionsstollen...
...zahllosen Kriegsgeschossen im Munitionsstollen...
Bruno Petroni
...die direkt in der Falllinie von unberechenbaren Felsbrocken liegen.
...die direkt in der Falllinie von unberechenbaren Felsbrocken liegen.
Bruno Petroni
Ein Pulverfass im Berg: Es ist nach wie vor deutlich zu erkennen, wo die Explosion 1947 die Felsformation weggesprengt hat. Dahinter liegen weiterhin 3500 Tonnen scharfe Munition.
Ein Pulverfass im Berg: Es ist nach wie vor deutlich zu erkennen, wo die Explosion 1947 die Felsformation weggesprengt hat. Dahinter liegen weiterhin 3500 Tonnen scharfe Munition.
Bruno Petroni
Viel Explosionspotenzial: Gemeindepräsident Roman Lanz (rechts) lässt sich vom stellvertretenden Chef Informations- und Objektsicherheit des VBS, Pascal Imhof, im Munitionsstollen die Situation anhand von Postern erklären.
Viel Explosionspotenzial: Gemeindepräsident Roman Lanz (rechts) lässt sich vom stellvertretenden Chef Informations- und Objektsicherheit des VBS, Pascal Imhof, im Munitionsstollen die Situation anhand von Postern erklären.
Bruno Petroni
Noch heute gut zu sehen: Das hellere Gestein zeigt, wo damals die Explosion den Felsen weggesprengt hat.
Noch heute gut zu sehen: Das hellere Gestein zeigt, wo damals die Explosion den Felsen weggesprengt hat.
Raphael Moser
Der Felsen liegt direkt über dem Dorf.
Der Felsen liegt direkt über dem Dorf.
Raphael Moser
1947 fanden neun Menschen den Tod, als das ehemalige Munitionslager Mitholz explodierte.
1947 fanden neun Menschen den Tod, als das ehemalige Munitionslager Mitholz explodierte.
Raphael Moser
Die Explosionsgefahr im Munitionsdepot ist heute höher als bisher angenommen.
Die Explosionsgefahr im Munitionsdepot ist heute höher als bisher angenommen.
Raphael Moser
Im Juni 2018 informierte das VBS über die Gefahr, die von den Bomben nach wie vor ausgeht.
Im Juni 2018 informierte das VBS über die Gefahr, die von den Bomben nach wie vor ausgeht.
Raphael Moser
Bundesrat Guy Parmelin bei seiner Ankunft in Mitholz im Juni 2018.
Bundesrat Guy Parmelin bei seiner Ankunft in Mitholz im Juni 2018.
Raphael Moser
Auch Regierungsrat Christoph Neuhaus war beim Informationsanlass dabei.
Auch Regierungsrat Christoph Neuhaus war beim Informationsanlass dabei.
Raphael Moser
Zeitzeugin Paula Rauber wurde 1939 geboren. Sie hat das Unglück miterlebt.
Zeitzeugin Paula Rauber wurde 1939 geboren. Sie hat das Unglück miterlebt.
Raphael Moser
Die Behörden informieren die Bevölkerung über die Gefahren.
Die Behörden informieren die Bevölkerung über die Gefahren.
Raphael Moser
Die Verunsicherung in der Bevölkerung ist gross.
Die Verunsicherung in der Bevölkerung ist gross.
Raphael Moser
1 / 18

Für die Bevölkerung in Mitholz ist schon lange klar: Die Munition, die noch immer im alten Militärbunker in unmittelbarer Nachbarschaft vor sich hin rostet, muss komplett geräumt werden. Keine Teilräumung, kein Einbetonieren, kein blosses Senken des Explosionsrisikos. Alles soll raus.

Dass jetzt gehandelt werden muss, weiss auch der Bundesrat. Dieser wollte sich aber alle Optionen offenhalten und kündigte an, erst Mitte 2020 entscheiden zu wollen, welche Variante tatsächlich weiterverfolgt wird. Und damit, wie das Dorf vor der Gefahr im Berg geschützt werden soll.

Jetzt bekommt die 200-Seelen-Gemeinde im Berner Oberland Unterstützung vom Nationalrat. Dieser hat am Freitag eine Motion des GLP-Präsidenten Jürg Grossen aus Frutigen überwiesen. Darin wird gefordert, dass das frühere Munitionsdepot «rasch komplett gefahrlos» gemacht werden müsse.

«Eine nochmalige Verschiebung von Risiken auf die kommende Generation ist inakzeptabel», sagte Grossen im Rat. Mitholz müsse wieder zu einem lebenswerten Ort werden. Und eine blosse Reduktion des Explosionsrisikos sei klar zu wenig. Schliesslich würde sich der Schutzmantel der Munition immer weiter zersetzen und so auch die Gefahr einer Grundwasserverschmutzung oder einer Detonation zunehmen.

Sicherheit als Knackpunkt

GLP-Chef Grossen setzt sich nicht nur aufgrund der geografischen Nähe von Frutigen zu Mitholz für die dortige Bevölkerung ein. Die Geschichte seiner Frau ist jener des ehemaligen Munitionslagers eng verknüpft. Als es 1947 dort zur verheerenden Explosion kam, starben in Mitholz neun Personen.

Viola Amherd. Foto: Keystone
Viola Amherd. Foto: Keystone

Vier von ihnen stammten aus der Familie von Jürg Grossens Frau. Entsprechend stark beschäftigte es den Politiker, als im letzten Sommer bekannt wurde, dass im Bunker noch immer 3500 Tonnen Munition liegen und von dieser eine grössere Gefahr ausgeht, als bisher angenommen.

Der Bundesrat lehnte Grossens Motion jedoch ab. Verteidigungsministerin Viola Amherd (CVP) sagte am Freitag, dass sie die Besorgnis des Frutiger Politikers zwar teile. «Der Bundesrat will ebenso, dass das Risiko für die Bevölkerung von Mitholz so weit als möglich gesenkt wird.» Tatsache sei aber auch, dass die Gefahr einer Explosion mit dem Beginn einer Räumung markant ansteige.

«Der Bundesrat will ebenso, dass das Risiko für die Bevölkerung von Mitholz so weit als möglich gesenkt wird.»

Viola Amherd (CVP), Verteidigungsministerin

Der Bund müsse während dieser Zeit die Sicherheit der Bevölkerung und der Arbeiter gewährleisten. «Deshalb kann der Bundesrat zum heutigen Zeitpunkt nicht zusichern, dass das Munitionslager komplett gefahrlos gemacht werden kann», so Amherd.

Komplexes Problem

Momentan werde ein Zwischenbericht mit Empfehlungen erarbeitet, welche Varianten weiterverfolgt werden sollen. Der Fokus liege dabei auf einer vollständigen oder zumindest auf einer teilweisen Räumung der Munition, so Amherd. Insofern würden die Anliegen der Motion bereits berücksichtigt, fand die Verteidigungsministerin. Und ja: Auch sie möchte das Problem lieber heute als morgen lösen. Aufgrund der Komplexität sei das aber nicht so einfach.

Im Nationalrat blieben die Argumente der Bundesrätin ungehört. Mit 131 zu 41 Stimmen bei 4 Enthaltungen hiess dieser die Motion gut. Nein stimmten einzig Vertreter von FDP und CVP. Als Nächstes muss nun der Ständerat darüber entscheiden.

Dieser Artikel wurde automatisch auf unsere Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch