Naturschützer wollen nicht mitmachen

Seeland

Im Seeland diskutiert man über eine dritte Juragewässerkorrektion. WWF und Co. wollten sich erst einem neuen entsprechenden Verein anschliessen, werden nun aber doch nicht dabei sein.

Der nasse Boden im Seeland ist nicht tragfähig.

Der nasse Boden im Seeland ist nicht tragfähig.

(Bild: Beat Mathys)

Das Dreiseenland ist die Gemüsekammer der Schweiz. Rund ein Viertel des inländischen Gemüses wächst in der Region um Neuenburger-, Bieler- und Murtensee. Doch die Felder senken sich ab. Die Moorböden enthalten viel Torf. Sobald dieser nicht mehr von Wasser gesättigt ist, zersetzt er sich. Da Torfböden viel Kohlenstoff speichern, gelangen so erhebliche Mengen des klimaschädlichen CO2 in die Atmosphäre.

Doch der Bodenschwund ist nicht nur ein Problem für das Klima. Er bereitet den Landwirten Sorgen: Ist der nährstoffreiche Torfboden einmal verschwunden, kommen darunter Bodenschichten zum Vorschein, die weniger fruchtbar sind.

Unterschiedliche Interessen

Aus Kreisen der Landwirtschaft wurde deshalb der Ruf nach einer dritten Juragewässerkorrektion laut. Die Interessengemeinschaft Pro Agricultura Seeland kämpft an vorderster Front: Im November führte sie dazu eine «Landsgemeinde Dreiseenland» durch. Über 360 Vertreter aus Landwirtschaft, Natur- und Landschaftsschutz, von 230 Gemeinden und fünf Kantonen sowie Grundeigentümer fanden sich in Murten ein.

Die Landwirte forderten besseren Zugang zu Wasser für ihre Felder und eine Bodenverbesserung, die Naturschützer mehr Biodiversität und Lebensraum für Tiere und die Gemeinden Wachstum. Per Akklamation gaben sie die Gründung des Vereins «Zukunft Dreiseenland» in Auftrag. Damals waren sich alle einig, dass für eine ganzheitliche Lösung innaher Zukunft alle ins Boot müssten.

Doch nun kommt es anders: Pro Natura, Birdlife, WWF und Landschaftsschutz Schweiz werden nicht Mitglieder des Vereins sein: «Die Initianten verfolgen den Weg, einen Verein unter Beteiligung und Mitsprache der Gemeinden aufzugleisen. Ein Stimmrecht für die Schutzorganisationen ist nicht vorgesehen», sagt Marcel Liner von Pro Natura auf Anfrage. «Und falls es uns trotzdem gewährt wird, wären wir immer in der Minderheit.» Ein konstruktives partizipatives Mitarbeiten sei so nicht möglich.

Eine eigene Vision

Pro Natura werde nun gemeinsam mit den Naturschutzorganisationen Birdlife, WWF und Landschaftsschutz eine eigene Vision für die Region und insbesondere für den Umgang mit der Biodiversität und mit den organischen Böden entwerfen. «Diese Vision werden wir selbstverständlich dem neuen Verein vorstellen.»

Die Produktion von Reis gilt als eine Möglichkeit, Anbau und Biodiversität zu vereinen. Zum Reisanbau in der Schweiz gibt es bereits Pilotprojekte.

Die grossen Schweizer Umweltschutzorganisationen haben sich in ihrem Entscheid, nicht beim Verein mitzumachen, abgesprochen: «Wir werden beim neuen Verein, der primär der Finanzbeschaffung für das Projekt dient, nicht dabei sein. Wir erachten dies auch nicht als nötig», sagt Raimund Rodewald, Geschäftsleiter Stiftung Landschaftsschutz Schweiz.

Herbert Känzig, Präsident WWF Freiburg, sagt: «Da im neu zu gründenden Verein nur öffentliche Trägerschaften, in erster Linie Gemeinden und Kantone sowie Flurgenossenschaften, Mitglieder mit Stimmrecht sein werden, haben wir beschlossen, vorerst nicht Mitglieder des neuen Vereins zu werden.»

Eine spätere Zusammenarbeit sei damit aber nicht ausgeschlossen: «Die Aspekte des Umweltschutzes müssen unbedingt berücksichtigt werden.» FDP-Grossrat Markus Ith aus Murten wird an der Gründungsversammlung des Vereins als Geschäftsführer vorgeschlagen.

Berner Zeitung

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