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Noch gibts keinen Run auf Fumoirs

In einem Monat darf in Berner Restaurants nicht mehr geraucht werden – es sei denn, die Wirte hätten ein Fumoir eingerichtet. Doch bisher haben keine vier Prozent der Betriebe um eine Betriebsbewilligung ersucht.

Lange hatten sich die Berner Wirte gegen das Rauchverbot im Kanton Bern gewehrt. Als der Grosse Rat diesem letzten Herbst dann aber trotzdem zustimmte, sprach ihr Verband, Gastro Bern, plötzlich von einem «vernünftigen» und «verhältnismässigen» Entscheid. Denn immerhin wurde den Wirten erlaubt, Fumoirs einzurichten, in denen sich die Gäste weiterhin dem Genuss einer Zigarette hingeben können. Aber für die abgetrennten Raucherräume brauchen die Gastbetriebe eine Bewilligung. Erst 227 GesucheWer nun meint, die zuständigen Regierungsstatthalter des Kantons Bern seien in den letzten Wochen mit Gesuchen überhäuft worden, irrt sich gewaltig: Von den insgesamt 5890 Gastgewerbebetrieben haben nur 227 ein Gesuch für den Betrieb eines Fumoirs eingereicht. Das sind weniger als 4 Prozent. Bis Ende Mai – einen Monat bevor die Verordnung zum Gesetz zum Schutz vor Passivrauchen in Kraft tritt – haben die Statthalter im ganzen Kanton nicht mehr als 71 Fumoirs bewilligt. Das ergab eine Umfrage, die Markus Grossenbacher, Präsident der Regierungsstatthalter, bei seinen Kolleginnen und Kollegen im ganzen Kanton durchführen liess. Erstaunt hat ihn das Resultat nicht. «Ich habe keinen Riesen-Run erwartet», sagt Grossenbacher.Mehr Anfragen im Herbst? Aber der Statthalter geht davon aus, dass in den nächsten Monaten «noch wesentlich mehr» Anfragen eingehen werden. «Betriebe, die im Sommer eine Gartenwirtschaft betreiben, hatten es nicht eilig, sie werden auf den Herbst ihre Gesuche einreichen», vermutet er. Der Statthalter-Präsident ist nicht unglücklich über den gestaffelten Eingang. Auf diese Weise sei der Zusatzaufwand «bewältigbar» gewesen.Die hängige BeschwerdeAuch Casimir Platzer, Präsident von Gastro Bern, ist überzeugt, dass weitere Gesuche folgen werden. «Ganz bestimmt wollen mehr als 200 Wirte im Kanton Bern einen separaten Raucherraum anbieten», sagt er. Platzer vermutet ausserdem, dass einige Gastwirte mit dem Gesuch warten werden, bis klar ist, wie das Bundesgericht entscheiden wird: Gastro Bern ist nicht einverstanden mit den Ausführungsbestimmungen zum Gesetz über den Schutz vor Passivrauchen und hat diese mit einer Beschwerde beim Bundesgericht angefochten. «Wir wehren uns nicht dagegen, dass zwei Drittel der Betriebsfläche rauchfrei sein müssen», stellt Platzer klar. Aber dass der Gesetzgeber vorschreiben wolle, in Fumoirs stehende Buffets und Bars dürften zwar stehen bleiben, aber nicht betrieben werden, gehe den Wirten zu weit. Sie machen auf dem Rechtsweg «Unverhältnismässigkeit und eine zu starke Einschränkung der Wirtschaftsfreiheit» geltend.Buffets (vorerst) stilllegenPlatzer weiss nicht, ob das Bundesgericht die Beschwerde noch vor Inkrafttreten des Rauchverbots behandeln wird. Gastro Bern habe aufschiebende Wirkung verlangt, doch sei diese nicht gewährt worden. Tragisch ist das laut Platzer nicht. «Die Konsequenz besteht ja nur darin, dass Wirte ein Buffet wieder brauchen können, wenn die Beschwerde gutgeheissen wird», sagt er.

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