Pionier lebt auf Berner Marke weiter

Die Sonderbriefmarke zu Alfred Eschers 200. Geburtstag hat der Berner Grafiker Jürg Glauser entworfen.

Vor dem Siegerobjekt: Jürg Glauser mit seiner Briefmarke. Fotos: Nicole Philipp

Vor dem Siegerobjekt: Jürg Glauser mit seiner Briefmarke. Fotos: Nicole Philipp

Die Post gibt am Donnerstag eine neue Sondermarke heraus. Sie hat den Gegenwert von einem Franken. Abgebildet ist ein älterer, bärtiger Mann, und rechts auf der 33 mal 28 Millimeter kleinen Marke sind vier Symbole aufgedruckt: Waage, Lokomotive, Zirkel und Massstab, die Initialen SKA sowie das Zürcher Rathaus.

Es sind jene Embleme, die im Leben des Mannes eine wichtige Rolle gespielt haben. Es ist der Zürcher Alfred Escher (1819–1882), dessen 200. Geburtstag mit der Sondermarke gewürdigt wird.

Die neue Briefmarke zeigt Alfred Escher.

Gestaltet hat die Marke der Berner Grafiker Jürg Glauser (50), dessen Atelier Disegnato mit vier Angestellten sich auf der Riedern in Bethlehem, in einem umgebauten Bauernhaus an sonniger Hanglage, befindet. «Die Post hat einen Wettbewerb lanciert und schliesslich drei Gestalter eingeladen», sagt Glauser. «Unser Vorschlag ist offenbar gut angekommen, vor einem Jahr haben wir den Auftrag erhalten, die Escher-Marke zu gestalten.»

Eine einzige Auflage, sagt Glauser, habe er von der Alfred-Escher-Stiftung – sie hatte das Projekt gemeinsam mit der Post lanciert – erhalten: «Es wurde gewünscht, dass Escher nicht so stark mit dem Bau des Gotthardtunnels in Beziehung gebracht wird, das sei zu oberflächlich.» Also hat Glauser Eschers mannigfaltige Tätigkeiten recherchiert.

«Höchste Konzentration»

«Die Farbflächen auf der Marke – gelb/braun, blau, weiss – stehen für Eschers Fähigkeit, zwischen Wirtschaft, Politik, Bildung und Finanzwelt vernetzt zu denken», sagt Glauser.

Das Symbol der Waage steht für seine Tätigkeit als Jurist, die Lokomotive für die Erschliessung der Schweiz durch die Eisenbahn, Zirkel und Lineal für sein Engagement bei der Gründung der ETH Zürich (1854). Mit «SKA» schliesslich ist die Schweizerische Kreditanstalt gemeint. Escher gründete die Bank 1856.

«Die Kreation einer Briefmarke», sagt der Grafiker, «erfordert höchste Konzentration auf das Wesentliche.» Gestalterische Ansätze, formale Dinge, seien bei kleinen Marken aber die gleichen wie bei grossflächigeren Formaten.

«Es ist bereits die fünfzehnte Briefmarke, die wir für die Post gestalten durften», sagt Glauser. Frühere Ausgaben betrafen etwa die Eishockey-Nationalmannschaft, die 2013 die Silbermedaille holte, eine Sondermarke zu Olympia 2000 oder eine zum Eidgenössischen Schwingfest 2016 in Estavayer.

Ein Jahr später, 2017, erhielt Glauser vom Kanton Bern einen etwas anderen Auftrag: Zum 600-Jahr-Jubiläum des Berner Rathauses kreierte er ein Kartenspiel für die Familie: «Jede Stimme zählt!» Es ging dabei auch darum, Politikverdrossene für Politik zu interessieren.

Berner Zeitung

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