Postauto muss sich bewähren

Biel/Lyss

Just im Jahr des Postautoskandals schreiben Bund und Kanton eine wichtige Regionallinie aus.

Wachtablösung 2009: Fährt Postauto auch künftig nach Lyss?

Wachtablösung 2009: Fährt Postauto auch künftig nach Lyss?

(Bild: am)

Stephan Künzi

Bund und Kanton schreiben in der Region Biel drei Buslinien öffentlich aus. Neben den beiden Aggloverbindungen nach Brügg sowie nach Aegerten und Orpund steht die Überlandstrecke von Biel nach Aegerten, Studen und Lyss zur Debatte.

Einmal mehr – denn genau auf dieser Strecke ist seit Ende 2009 ein neuer Betreiber unterwegs. Postauto machte damals in einem ähnlichen Ausschreibeverfahren das Rennen gegen die Verkehrsbetriebe Biel. Diese hatten das Angebot zuvor gefahren und sind noch heute für die beiden anderen Strecken verantwortlich.

Ein Jahrzehnt später geht nun also das Seilziehen um die wichtige Regionallinie von neuem los. Für Postauto kommt es zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt: Nicht einmal ein Jahr nach Auffliegen des Postautoskandals muss sich die Posttochter erneut dem Wettbewerb um die beste Offerte stellen.

Zu angekratzt ist das Image, nachdem bekannt geworden ist, dass sich Postauto mit buchhalterischen Tricks jahrelang zu Unrecht Subventionen der öffentlichen Hand gesichert hat.

Die Kantone, die zu den Geprellten gehörten, reagierten mit unverhohlenem Ärger, auch Bern hielt mit Kritik nicht zurück. Bei Offertgesprächen hätten sich «seit Jahren kritische Fragen insbesondere zur Kosten- und Abgeltungsentwicklung» gestellt, liess sich etwa die damals zuständige Regierungsrätin Barbara Egger (SP) zitieren.

Versöhnliche Töne

Ob solcher Töne lässt sich Postauto indes nicht beirren. Zumal, wie Sprecher Urs Bloch erklärt, man trotz des Skandals wieder Ausschreibungen gewonnen habe: Das zeige, «dass der Preis ein wichtiges Argument ist, die Qualität des Angebots aber auch eine zentrale Rolle spielt».

Völlig offenlegen mag Bloch die Karten nicht. Wie immer «prüfen wir auch die aktuelle Ausschreibung und reichen eine Offerte ein, wenn wir ein qualitativ gutes Angebot machen können», lässt er sich nur entlocken. Weit klarer äussert sich demgegenüber die Verliererin von 2009: Ja, man werde ein Angebot unterbreiten, «und wir haben uns zum Ziel gesetzt, die Linie wieder zurückzugewinnen», sagt Tina Valentina im Namen der Verkehrsbetriebe Biel.

In der kantonalen Verkehrsdirektion betont derweil Christian Aebi, dass die aktuelle Ausschreibung nichts mit den aktuellen Wirren um Postauto zu tun habe. Beschlossen worden sei sie ja vorher: Der Grosse Rat habe schon im Frühling 2017 festgelegt, dass zwischen Biel und Aegerten im Viertelstundentakt gefahren werde. Das bedinge eine enge Koordination der beiden Linien in diese Richtung, was «mit einem Betrieb aus einer Hand» möglich werde.

Auch Eggers Nachfolger Christoph Neuhaus (SVP) stellt klar, dass Postauto nach wie vor wie jedes andere Verkehrsunternehmen offerieren dürfe. Man werde einfach «sauber hinschauen». Er erinnert daran, dass die Posttochter nach Jahren, in denen sie nur verloren hatte, erst vor Monatsfrist auch im Kanton Bern wieder einen Zuschlag erhalten hat. Sie führt ab Ende 2019 eine neue Buslinie im Obersimmental.

Berner Zeitung

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