Pulver-Rücktritt: Lehrer fordern Kontinuität

Erziehungsdirektor Bernhard Pulver (Grüne) tritt vor der Einführung des Lehrplans 21 zurück. Bei den Lehrern ist man trotzdem zuversichtlich, dass die Reform gut über die Bühne geht. Sie stellen aber auch Forderungen.

Regierungsrat Bernhard Pulver tritt 2018 nicht mehr als Regierungsrat an.

Regierungsrat Bernhard Pulver tritt 2018 nicht mehr als Regierungsrat an.

(Bild: Christian Pfander)

Marius Aschwanden

Es ist wohl sein grösster Erfolg während der drei Amtszeiten: Der grüne Erziehungsdirektor Bernhard Pulver hat es geschafft, die Lehrerinnen und Lehrer wieder hinter sich zu scharen, indem er das Reformtempo gedrosselt und Ruhe in die Klassenzimmer gebracht hat. Nun aber steht 2018 eine der grössten Änderungen der letzten Jahre an: die Einführung des Lehrplans 21. Und ausgerechnet auf nächsten Sommer hin wird Pulver aus der Berner Regierung zurücktreten. Am Dienstag hat er angekündigt, bei den Regierungsratswahlen 2018 nicht mehr zur Verfügung zu stehen.

Bei den Berner Lehrerinnen und Lehrern ist man trotzdem überzeugt, dass die Einführung des neuen Regelwerks gut vonstattengehen wird. «Die Richtung ist eingeschlagen, der Zeitplan definiert», sagt Pino Man­giarratti, Präsident von Bildung Bern. Daran ändere auch der Rücktritt von Pulver nichts.

Nicht zu viele Änderungen

Trotzdem ist für Mangiarratti klar: «Wir haben zum vorliegenden Lehrplanpaket Ja gesagt. Sollten unter einem neuen Re­gierungsrat zu viele Änderungen vorgenommen werden, müssen wir wieder über die Bücher», sagt er. Diese Befürchtung kommt nicht von ungefähr. Bereits im Herbst diskutiert der Grosse Rat im Rahmen des Sparpakets über eine Lektionenkürzung. Dies notabene noch unter Pulver.

Wichtig ist für Mangiarratti zudem, dass den Schulen auch künftig genug Zeit bei der Umsetzung von Reformen gelassen werde. So dürfe etwa am Zeitplan für die Einführung des Lehrplans 21 nicht gerüttelt werden. Die Schulen haben bis 2022 Zeit, diesen komplett umzusetzen. «Diese Zeit benötigen wir zwingend», sagt Mangiarratti. Er hofft schliesslich auch, dass der enge Dialog zwischen Verwaltung und Bildung Bern unter einem neuen Regierungsrat weitergeht.

Ein solcher sei notwendig, damit die Lehrer Vertrauen in die Erziehungsdirektion und die Politik hätten. Diesbezüglich ging Pulver sehr weit. Er veranstaltete regelmässige Hearings mit Lehrpersonen und führte einen Onlineaustausch ein. Ob sich auch sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin derart stark engagieren wird, ist fraglich. Das weiss auch Mangiarratti: «Aber es wäre unser Wunsch.»

Gegner profitieren nicht

Der Lehrplan 21 ist im Kanton Bern nicht unumstritten. Über eine Initiative gegen das neue Regelwerk wird am 4. März 2018 abgestimmt. Mit dem Begehren will die Interessengemeinschaft für eine starke Volksschule das Gesetz so ändern, dass nicht mehr der Erziehungsdirektor über die Einführung eines Lehrplans bestimmen kann, sondern der Grosse Rat. Ein solcher Beschluss würde dann dem fakultativen Referendum unterliegen. Diese Regelung soll rückwirkend auch bereits für den Lehrplan 21 gelten.

Dass die Lehrplangegner vom Rücktritt Pulvers profitieren könnten, glauben sie nicht. «Da die Abstimmung am 4. März 2018 stattfindet, wird er im Abstimmungskampf noch aktiv sein», sagt Rahel Gafner, Mitglied des Initiativkomitees. Sie bedauert sogar ein wenig, dass Pulver nicht mehr antritt. Dies, obschon er zu den vehementesten Verfechtern des Lehrplans 21 gehört. Gafner: «Pulver hat verschiedenste Versprechen im Zusammenhang mit dem Lehrplan 21 gemacht – etwa, dass im Kanton Bern keine flächendeckenden Tests eingeführt werden.» Jetzt könne er den Beweis nicht mehr erbringen, dass er diese auch eingehalten hätte.

Berner Zeitung

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