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Pulver zur Moutier-Abstimmung: «Ich war sehr traurig»

Der Berner Regierungsrat Bernhard Pulver tritt im Mai nach zwölf Jahren ab. Der Tag an dem Moutier Ja zum Kantonswechsel sagte, sei für ihn sehr traurig gewesen.

Bernhard Pulver liegt die Zweisprachigkeit des Kantons Bern am Herzen.
Bernhard Pulver liegt die Zweisprachigkeit des Kantons Bern am Herzen.
Andreas Blatter

Regierungsrat Bernhard Pulver (Grüne) hätte das Städtchen Moutier gerne beim Kanton Bern behalten. Doch die Bevölkerung stimmte letzten Juni einem Wechsel zum Kanton Jura zu. Für Pulver war dies «einer der traurigsten Tage meiner Karriere», wie er im Interview mit der Zeitung «Le Temps» vom Samstag sagte.

Pulver tritt Ende Mai nach zwölf Jahren in der Berner Kantonsregierung ab. Von links bis rechts galt Pulver stets als Brückenbauer und Politiker mit einem Gespür für gute Lösungen.

Auch in der über Jahre vertrackten Jurafrage erwies er sich als Glücksfall. Der ausgezeichnet Französisch sprechende Stadtberner verstand es, die Befindlichkeiten dies- und jenseits des Röstigrabens aufzunehmen und die Chancen eines zweisprachigen Kantons ins Zentrum zu rücken.

Die Schweiz und der Kanton Bern seien mit der Frage regionaler Identität vorbildlich umgegangen, bilanziert Pulver im Interview. So habe Bern ein Sonderstatut für den Berner Jura in Kraft gesetzt, das es der Region erlaubte, sich als sprachliche und kulturelle Minderheit im Kanton wohl zu fühlen.

«Ich hätte gewettet, dass Moutier beim Kanton Bern bleibt»

Doch die Jurafrage liess sich nicht endgültig klären, ohne Entscheid über die Kantonszugehörigkeit des Städtchens Moutier. In einer denkwürdigen Abstimmung sprach sich die Bevölkerung von Moutier vergangenen Sommer für einen Wechsel zum Kanton Jura aus.

«Ehrlich, ich hätte gewettet, dass Moutier beim Kanton Bern bleibt», wird Pulver im Interview zitiert. Schliesslich habe der Kanton Bern eine sehr demokratische und offene Haltung an den Tag gelegt.

Die Abstimmung am 18. Juni mit dem Ja zum Kantonswechsel sei darum «einer der traurigsten Momente seiner Karriere gewesen», räumte Pulver ein. Für ihn sei hinter der Debatte nämlich stets die Vision eines Kantons gestanden, der mit seinen zwei Sprachen und zwei Kulturen ein Modell für Europa sei.

Am meisten traurig gemacht habe ihn die Stimmung vor dem Urnengang. Doch letztlich habe die Demokratie entschieden. Als bernischer Regierungspräsident habe er nach Bekanntwerden des Abstimmungsresultats ruhig und besonnen reagieren müssen. «Doch im Innersten war ich sehr traurig», betonte Pulver.

Für den Vollzug des Kantonswechsels von Moutier zum Jura müssten nun für alle Seiten gute Lösungen gefunden werden, sagte Pulver. Er sei überzeugt, dass dies gelingen werde.

Pulver hat keine Angst um die Zweisprachigkeit

Für den Kantonswechsel steht das Jahr 2021 im Raum. Dieses Datum habe der Kanton Jura ohne Absprache mit Bern propagiert, wie Pulver hervorhebt. Der Kanton Bern habe ein Interesse, dass der Kantonswechsel von Moutier so rasch wie möglich erfolge. Doch zunächst müssten die Behörden noch über Abstimmungsbeschwerden entscheiden. Erst danach könnten Verhandlungen über ein Konkordat aufgenommen werden.

Dieses wird in der Folge dem Grossen Rat und dem Volk vorgelegt. Und zu guter Letzt muss auch noch die Bundesversammlung darüber entscheiden. «Wir tun, was wir können, aber 2021 scheint mir ein sehr ehrgeiziges Ziel zu sein.»

Angst um die Zweisprachigkeit im Kanton Bern hat Pulver trotz des Wegzugs von Moutier zum Kanton Jura nicht. «Die Zweisprachigkeit ist in der Berner DNA enthalten», sagt der Bildungsdirektor. Klar verliere der Berner Jura mit Moutier 10 Prozent Einwohner. «Aber es bleiben ja noch 80'000 französischsprachige Einwohner im Kanton Bern. Und darin sehe ich eine Chance.»

SDA/flo

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