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Rückschlag ohne Vorwarnung

Vorläufig hat der Kanton Bern im Verteilkampf um die knappen Autobahnmilliarden den Kürzeren gezogen. Über die Gründe für den Entscheid kann man nur spekulieren.

Der Bundesrat setzt für den nächsten Schritt beim Ausbau des Nationalstrassennetzes die Prioritäten neu. Er hat den Ausbau des Autobahnabschnitts zwischen Wankdorf und Muri überraschend auf vorerst unbestimmte Zeit verschoben.

Der Stadt Bern kommt die Verzögerung höchst ungelegen. Wohnraum für 3500 Personen sollte im Rahmen der Entwicklung des östlichen Stadtteils mittel- bis längerfristig geschaffen werden. Die rund 150'000 Quadratmeter Bauland, welche die Burgergemeinde Bern im Saali besitzt, sind die mit Abstand grösste Baulandreserve im Osten der Stadt Bern. Die Burgergemeinde will aber mit dem Beginn der Planung abwarten, bis klar ist, ob und wie die nahe Autobahn in diesem Gebiet in einen Tunnel verlegt wird. Der jüngste Entscheid wird die Planung zweifellos weiter verzögern.

Vorläufig hat der Kanton Bern im Verteilkampf um die knappen Autobahnmilliarden den Kürzeren gezogen. Über die Gründe für den Entscheid kann man nur spekulieren. Offensichtlich ist, dass sich andere Landesteile in den letzten Jahren dynamischer entwickelt haben als der Grossraum Bern. Dass deshalb entlastende Verkehrsprojekte in diesen Regionen – zum Beispiel im boomenden Genferseegebiet – als dringlicher eingestuft werden als die Untertunnelung zwischen Wankdorf und Muri, ist unter diesen Vorzeichen nachvollziehbar.

Der zweite mögliche Grund für die Verschiebung schmerzt dafür umso mehr. Mit dem Tunnel würde nicht nur die Kapazität auf dem staugeplagten Streckenabschnitt in Richtung Emmental und Oberland erhöht, sondern eben auch die Grundlage für die eingangs erwähnte Stadtentwicklung geschaffen. Gut möglich, dass sich ausgerechnet diese Win-win-Situation im nationalen Verteilkampf als Bumerang erweist. So gewünscht dieser Nebeneffekt nämlich ist, so kritisch dürfte er aus Genfer oder St.Galler Sicht beurteilt werden, wenn es um die Zuteilung der knappen Autobahnmilliarden geht.

Mail: peter.jost@bernerzeitung.ch

Twitter: @Peter_Jost

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