Sek-Schulen geben neunte Klassen nicht kampflos auf

Die Leiter der Oberstufenzentren sind mit Bernhard Pulvers Vorschlag nicht einverstanden. Sie wollen, dass Schüler drei Jahre Sek machen und danach vier Jahre Gymnasium.

Das vorgeschlagene 8/4-Modell bringt nach Meinung von Volksschullehrern nur Vorteile für Gymnasien.

Das vorgeschlagene 8/4-Modell bringt nach Meinung von Volksschullehrern nur Vorteile für Gymnasien.

(Bild: Fotolia)

Juliane Lutz@JulianeLutz

Das Gymnasium solle künftig für Berner Schüler nach der achten Klasse beginnen und vier Jahre dauern. Das verkündete Erziehungsdirektor Bernhard Pulver Anfang Juni. Damit stösst er bei den Vertretern der Volksschulen auf wenig Gegenliebe.

Gegenwind für Pulver

Nach der Lehrergewerkschaft Lebe wenden sich auch die Schulleitungen der Oberstufenzentren des Kantons Bern (KSO) dagegen. In einem Positionspapier rufen sie ihre Kolleginnen und Kollegen zum Lobbying bei Interessenvertretern auf. Den bei KSO zusammengeschlossenen Schulleitern missfällt bei Pulvers 8/4-Modell der «einseitige» Fokus auf den Gymnasien.

Bisher liegt es im Ermessen der Berner Gemeinden, ob Schüler nach der achten Klasse auf das Gymnasium gehen oder ob sie das erste Jahr des gymnasialen Unterrichts in ihren Schulen selbst anbieten. Letzteres wird als Modell 9/3 bezeichnet. Der Nachteil für Gymnasien: Sie müssen ihre Klassen zweimal neu zusammensetzen. Ausserdem geht viel Zeit verloren, bis alle Gymnasiasten in der Tertia das gleiche Niveau haben. Diese Nachteile würden durch das Modell 8/4 eliminiert.

Sek-Schüler im Nachteil

«Wir haben nichts gegen die Gymnasien. Nur werden mit diesem Modell die zurückbleibenden Schüler benachteiligt», sagt Urs Kaufmann, Vorsitzender der KSO. Würden die Klassen nach dem 8.Schuljahr noch einmal neu zusammengesetzt, sorge das für Unruhe. «Das ist nicht ideal im letzten Jahr vor der Berufsfindung», so Kaufmann. Ausserdem müssten sich die Jugendlichen nochmals an einen neuen Klassenlehrer gewöhnen. «Ich halte den Vorschlag des Regierungsrats für ein Sparmodell, das nicht zu einer besseren Matura führen wird», sagt Kaufmann. Das zeigten Vergleiche mit anderen Kantonen.

Bei der KSO bevorzugt man das Modell 9/4, da es ungebrochene Bildungsgänge auf beiden Sekundarstufen 1 und 2 und damit einen ganzheitlichen Volksschulabschluss gewährleistet. «Dieser dient dem dualen Bildungssystem und damit dem Wirtschaftsstandort Bern», so Kaufmann. Ausserdem verringere dieses Modell den Selektionsdruck nach der 6.Klasse für die Volksschüler. Und man nähere sich damit den Strukturen der Nachbarkantone an und entflechte die Überlappung der beiden Ausbildungsgänge.

Matur nach 13 Jahren?

Die Nachteile des KSO-Modells im Gegensatz zum Status quo: jährliche Mehrkosten von 12 Millionen Franken. Und die Gymnasiasten müssen ein Jahr länger zur Schule gehen. Wie er das den Schülern in einem Kanton beibringen will, in dem seit langer Zeit die Hochschulreife bereits nach der 12.Klasse erreicht werden kann, weiss Urs Kaufmann noch nicht. Aber ein paar Argumente hat er schon parat: «Manche werden die 13 Jahre gar nicht brauchen, weil sie eine Klasse überspringen können», weiss der Leiter des Oberstufenzentrums Wattenwil. Ausserdem fühlten sich 70 Prozent der Schüler, die die Matur bereits nach 12 Jahren machten, noch zu jung fürs Studium und legten erst einmal ein Zwischenjahr ein.

Berner Zeitung

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