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SP lanciert Angriff auf Selektion in der Volksschule

Die SP/JUSO-Fraktion im bernischen Grossen Rat erachtet es als erwiesen, dass in der bernischen Volksschule Chancenungleichheit herrscht. Sie hält den Zeitpunkt für gekommen, um nun eine selektionsfreie Volksschule zu fordern.

SP-Grossrat Roland Näf übergab am Mittwoch im Grossen Rat Erziehungsdirektor Bernhard Pulver einen Würfel, weil das heutige Übertrittsverfahren genauso gut durch den Zufall ersetzt werden könne, so Näf. Der Schulleiter aus Muri bezog sich mit seiner Aussage auf eine Tabelle, welche der Berner Regierungsrat kürzlich publik gemacht hatte.

Diese Tabelle zeigt, dass in der Gemeinde Leubringen bei Biel der Anteil Realschüler am Total der Schüler 3 Prozent beträgt. In der ebenfalls gut situierten Gemeinde Bremgarten bei Bern sind es 15 Prozent während es in ländlichen Gemeinden des Emmentals und des Oberlands zum Teil weit über 50 Prozent sind.

Nicht nur diese Tabelle, auch neuste Forschungsergebnisse beweisen für die SP/JUSO-Fraktion die Chancenungleichheit in der Volksschule. Darüber hinaus führe die Selektion zu «Kollateralschäden», so Näf: Ausgebrannte Lehrkräfte, Mangel an Reallehrkräften.

Die Tabelle ist Teil der Antwort des Regierungsrats auf eine Interpellation von Eva Baltensperger (SP/Zollikofen), zu der die SP am Mittwoch eine Diskussion verlangte und auch bekam.

Regierungsrat soll Varianten vorlegen

Der Zeitpunkt für die Abschaffung der Selektion in der Volksschule sei nun günstig, so die Zollikofer Sekundarlehrerin im Rat, weil ohnehin eine Totalrevision des Volksschulgesetzes vorgesehen sei. Baltensperger fordert nun in einer am Mittwoch eingereichten Motion vom Regierungsrat, Varianten für eine selektionsfreie Volksschule vorzulegen.

Die Diskussion im Rat zeigte allerdings, dass nicht alle die Ansicht der SP/JUSO-Fraktion teilen. Daniel Steiner (Langenthal) sagte, die EVP-Fraktion stehe hinter dem Modell 6/3. Die Berner Schule brauche jetzt Ruhe. Indiskutabel sei aber, dass das Übertrittsverfahren verbessert werden müsse.

Auch Therese Bernhard (BDP/Worb) konstatierte namens ihrer Fraktion ein Ruhebedürfnis und sagte, so schlecht sei das Berner Schulsystem nun doch nicht. «Selektion wird es immer geben», erklärte Käthi Wälchli (Obersteckholz) namens der SVP-Fraktion.

Regierung sieht Vor- und Nachteile

Die Diskussion wird am Donnerstag fortgesetzt. Der Regierungsrat schreibt in der Antwort auf die Interpellation Baltensperger, der Zusammenhang zwischen Sozialindex - ein Indikator unter anderem für die Anzahl Arbeitsloser und Ausländer in einer Gemeinde - und dem Anteil Realschüler sei gar nicht so gross.

Es gebe Gründe für die Beibehaltung der Selektion und Gründe gegen die strenge Selektion. Um die Chancengleichheit der Schülerinnen und Schüler zu verbessern, gelte es, mit der Revision des Volksschulgesetzes das Übertrittsverfahren anzupassen.

SDA/ase

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