Stalker bleibt ohne Waffen

Ein Stalker wehrte sich dagegen, dass er seine Waffen hatte abgeben müssen. Nun hat das Verwaltungsgericht den Entscheid bestätigt.

Mehrere Softair-Waffen wie jene auf dem Bild hatte die Kantonspolizei Bern bei einem stalkenden Berner beschlagnahmt – zu Recht, wie das Verwaltungsgericht nun entschieden hat (Symbolbild).

Mehrere Softair-Waffen wie jene auf dem Bild hatte die Kantonspolizei Bern bei einem stalkenden Berner beschlagnahmt – zu Recht, wie das Verwaltungsgericht nun entschieden hat (Symbolbild).

(Bild: Keystone)

Sandra Rutschi

Ein knappes halbes Jahr dauerte die Beziehung, dann war die Liebe vorbei. Doch trotzdem sandte der Mann seiner Ex-Freundin noch monatelang unzählige Kurznachrichten und E-Mails mit teilweise beleidigendem, drohendem und pornografischem Inhalt.

Es kam zur Strafuntersuchung, und die Polizei fand bei einer Hausdurchsuchung mehrere Soft-Air-Waffen und Bestandteile von solchen, 15 Schalldämpfer, zwei Laserzielgeräte und Armeemunition.

Im Februar 2013 wurde der Stalker wegen Missbrauchs einer Fernmeldeanlage, Beschimpfung, Drohung, sexueller Belästigung, versuchter Nötigung sowie Widerhandlungen gegen das Waffengesetz zu einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 150 Franken sowie zu einer Busse von 900 Franken verurteilt. Gleichzeitig wurden dem Mann die Waffen abgenommen. Dagegen wehrte er sich bis vors Verwaltungsgericht, das ihn nun aber ebenso wie zuvor die kantonale Polizei- und Militärdirektion abblitzen lässt.

Wegen mehrerer Delikte verurteilt

Laut der Vorinstanz geht vom Verurteilten eine Gefahr für Dritte aus, was sich im Verhalten gegenüber seiner ehemaligen Partnerin gezeigt habe. Der Stalker hingegen findet, er habe sich nicht wiederholt strafbar gemacht, sondern einzig in Bezug auf seine gescheiterte Beziehung zu seiner Ex-Freundin. Nur einmal sei er deswegen verurteilt worden, nicht mehrmals. Damit ihm die Waffen weggenommen werden könnten, seien aber mehrere Verurteilungen nötig.

Diese Argumentation überzeugt das Verwaltungsgericht aber nicht. Der Mann sei im Februar 2013 wegen zweier verschiedener, voneinander unabhängiger Vorkommnisse verurteilt worden: zum einen wegen des Verhaltens gegenüber seiner früheren Partnerin (Drohung und Nötigung), zum anderen wegen des unerlaubten Besitzes von Waffenzubehör (Laserzielgeräte und Schallschutzdämpfer).

Die Waffen hätten ausserdem nichts mit der Beziehung zu seiner Ex-Partnerin zu tun, sondern seien Sammlerstücke, welche der Verurteilte über 15 Jahre hinweg erworben oder selber gebaut habe.

Waffenbesitzer müssen besonders zuverlässig sein

Einen Waffenerwerbsschein erhält nach Bundesgesetz nur jemand, bei dem es keinen Anlass zur Annahme gibt, dass er Dritte mit der Waffe gefährden könnte. «Personen, die Waffen besitzen wollen, müssen mit Blick auf die erhöhten Gefahren, welche von diesen Gegenständen ausgehen, besonders zuverlässig sein», schreibt das Gericht.

Durch wiederholtes deliktisches Verhalten von erheblicher Schwere werde dieses Vertrauen erschüttert. Dabei spiele es keine Rolle, ob es für diese Delikte nur eine oder mehrere Verurteilungen gebe. Fazit: Der Stalker erhält die Waffen nicht zurück.

Berner Zeitung

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