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Temporäre werden als erste entlassen

Auch die Berner Industriefirmen bekommen den Wirtschaftsabschwung immer mehr zu spüren. Das trifft in erster Linie die Temporärangestellten. Deren Verträge werden aufgelöst, bevor Festangestellte entlassen werden.

Temporäre spielen die Rolle eines Konjunkturpuffers: Zu Beginn eines Aufschwungs setzten immer mehr Firmen auf Temporäre, während diese beim Abschwung als erste wieder entlassen werden. In letztgenannter Situation befinden sich derzeit viele Industriefirmen im Espace Mittelland. Die Schleuniger AG in Thun baut momentan rund 15 Temporärstellen ab. «Wir sind dringend darauf angewiesen, dass wir die Anzahl Mitarbeitende flexibel hinauf- und herabfahren können», sagt Carl Hug, Geschäftsführer der Schleuniger AG. Die inder Herstellung von Kabelverarbeitungsmaschinen aktive Schleuniger AG beschäftigt in der Schweiz ungefähr 200 Mitarbeitende. Anpassen an neue SituationIm vergangenen September habe der Bestellungsrückgang begonnen, im Oktober habe sich die Situation dann noch verschärft, erklärt Hug. Wie sich die Lage weiterentwickle, könne im Moment niemand sagen. «Das Ausmass des Rückganges zwingt uns zu einer Anpassung an die neue Situation», sagt Hug. Bei Schleuniger beträgt der Auftragsbestand generell nur rund einen Monat. «Mit diesem kurzen Bremsweg sind wir auf temporäre Mitarbeiter angewiesen, damit wir der sich rasch verändernden Nachfrage folgen können», so Hug. «Auch der Abbau von temporären Mitarbeitern ist für uns schmerzhaft und macht uns betroffen», sagt Hug.Auch bei der Feintool-Gruppe in Lyss wird derzeit die Anzahl Temporärstellen reduziert. Feintool ist ein grosser Autoindustriezulieferer. Seit dem Rückgang der Bestellungen baue die Feintool-Belegschaft Überzeit aus dem Boomjahr 2007 ab, sagt Mediensprecher Urs Feitknecht. Helfen würde in solchen Situationen auch das flexible Jahresarbeitszeitmodell. Projekte werden verschobenDer Solarindustriezulieferer Meyer Burger in Thun hat bisher keinen sinkenden Bestellungeingang registriert, aber auch hier werden die Temporärverträge reduziert. «Wir müssen uns auf eine mögliche Abkühlung vorbereiten», sagt Werner Buchholz, Sprecher bei Meyer Burger. Die Wirtschaftskrise würde bei den Meyer-Burger-Kunden nicht spurlos vorbeigehen, denn für viele Projekte sei es derzeit schwieriger, Finanzierungen zu finden. Dies führe dazu, dass Aufträge terminlich nach hinten verschoben würden, so Buchholz. «Wir brauchen einen Puffer von Temporärangestellten, um das unterschiedliche Auftragsvolumen aufzufangen», sagt Buchholz. Mehr Leute auf der Suche«Bei uns hat sich die Lage stark verändert», sagt Peter Unternährer, Regionalleiter für die Region Bern/Solothurn beim Stellenvermittler Manpower. Im letzten Jahr habe er immer zu wenig Stellensuchende gehabt–seit zwei Monaten habe es aber wieder mehr temporäre Mitarbeitende als vakante Stellen. Vor allem im technischen Bereich, primär bei Zulieferern der Autoindustrie, seien viele Temporärstellen gestrichen worden. Bei der Baubranche und in der Lebensmittelproduktion merke man indes keine grosse Veränderung. Unternährer rechnet im kommenden Jahr mit weniger Vermittlungen. Es werde aber auch Branchen geben, die von der Krise profitieren können. Der weltweit grösste Stellenvermittler Adecco konnte im Gegensatz zu Manpower in der Region Bern bei den Temporärstellen gegenüber der Vorjahresperiode noch keinen Rückgang feststellen. «Aber bei der Vermittlung von Dauerstellen gab es in der Region Bern gegenüber dem Vorjahr einen Rückgang von vier Prozent», sagt José San José, Pressesprecher von Adecco Schweiz. In einzelnen Branchen, wie beispielsweise in der Informatik, gebe es im Grossraum Bern aber nach wie vor eine grosse Nachfrage nach Arbeitskräften. Auch aus der Uhrenindustrie habe Adecco derzeit immer noch 140 offene Stellen in der Kartei. Für das kommende Jahr werde es sicher schwieriger, mit einem drastischen Einbruch rechne man aber nicht. Von allen geleisteten Arbeitsstunden in der Schweizer Volkswirtschaft wurden im vergangenen Jahr 2,2 Prozent von Temporärangestellten geleistet. >

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