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Messerstecher muss zehn Jahre sitzen

Der Mazedonier, der im Streit einen Mann erstochen hatte, muss zehn Jahre ins Gefängnis. Das Regionalgericht verurteilte ihn am Freitag wegen vorsätzlicher Tötung.

Verhängnisvoller Ort: Vor dem Sexclub Paradiso stach ein Mazedonier einen Kosovaren nieder.
Verhängnisvoller Ort: Vor dem Sexclub Paradiso stach ein Mazedonier einen Kosovaren nieder.
Walter Pfäffli
Das ehemalige Motel am Autobahnanschluss Münchenbuchsee ist heute der Sexclub Paradiso. Vor drei Jahren kam hier ein Kosovare zu Tode.
Das ehemalige Motel am Autobahnanschluss Münchenbuchsee ist heute der Sexclub Paradiso. Vor drei Jahren kam hier ein Kosovare zu Tode.
Walter Pfäffli
Der Club 3000 liegt zwischen Münschenbuchsee und Schüpfen im Seeland.
Der Club 3000 liegt zwischen Münschenbuchsee und Schüpfen im Seeland.
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Elf Sekunden. So lange dauerte der letzte Akt eines Streits zweier Männer auf dem Parkplatz vor dem Sexclub Paradiso in der Lätti. Dies ist auf dem Überwachungsvideo des Clubs ersichtlich. Die Sekunden entschieden beim einen über Leben und Tod, beim andern über Freiheit und Gefängnis. Am Ende lag ein Kosovare mit einem tödlichen Messerstich am Boden, ein Mazedonier flüchtete.

Am Freitag hat das Regionalgericht in Biel das Urteil in diesem Fall gesprochen. Der Mazedonier, der in der Nacht auf den 17.September 2013 zugestochen hatte, wurde der vorsätzlichen Tötung schuldig gesprochen und zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren verurteilt. Die Untersuchungshaft von etwas mehr als zwei Jahren wird ihm angerechnet. So muss der 43-Jährige noch für knapp acht Jahre ins Gefängnis.

Zum Strafmass beigetragen haben auch die Schuldsprüche wegen Raufhandels, Autofahrens in angetrunkenem Zustand und unter Drogen sowie wegen Kokainkonsums.

Hohe Verfahrenskosten

Zur Freiheitsstrafe kommen die Verfahrenskosten dazu, die gegen 200'000 Franken ausmachen. Teuer zu stehen kommen ihn zusätzlich Genugtuungs- und Schadenersatzforderungen. Den grössten Betrag – 40'000 Franken – sprach das Gericht dem minderjährigen Sohn des Getöteten zu.

Das Urteil liegt damit deutlich näher am Antrag des Staatsanwalts. Er hatte zwölf Jahre Haft gefordert. Der Anwalt des Verurteilten dagegen hatte auf Freispruch plädiert. Die fünf Richterinnen und Richter folgten aber seiner Argumentation nicht, der Mazedonier habe in Notwehr gehandelt. Es habe sich zwar um eine Notwehrlage gehandelt, weil der andere ihn angegriffen habe, sagte Gerichtspräsidentin Elisabeth Ochsner. «Der Beschuldigte reagierte aber unverhältnismässig.» Möglicherweise habe er nicht beabsichtigt, den andern zu töten. «Er zielte mit dem Messer jedoch direkt auf den Kopf. So nahm er dessen Tod in Kauf.» Damit sei ein Eventualvorsatz gegeben.

«Erdrückende Beweislage»

Der Verurteilte hatte in der Untersuchung bestritten, mit einem Messer zugestochen zu haben. Bei der Befragung im Prozess beteuerte er dann, vom Geschehen auf dem Parkplatz nichts mehr zu wissen. Für die Richterinnen und Richter steht seine Schuld aber ausser Zweifel. «Die Beweislage ist erdrückend», sagte die Gerichtspräsidentin.

Nicht nur die Videoaufnahmen gehören zur Beweiskette, auch übereinstimmende Aussagen mehrerer Beteiligter und die Tatwaffe mit DNA-Spuren gehören dazu. Weiter wurden Whatsapp-Nachrichten eines Bekannten des Mazedoniers ausgewertet, der als Zuschauer dabei war. Er hatte seiner Schwester und einem Bruder die Tat beschrieben.

Verteidiger: «Präzedenzfall»

Er sei «mehr oder weniger zufrieden», sagte Staatsanwalt Urs Fuhrer am Freitag. «Das Urteil entspricht grossmehrheitlich meinen Erwartungen.» Für Verteidiger Hugo Feuz handelt es sich beim Urteil um einen «Präzedenzfall». Denn es bedeute, «dass jemand, der angegriffen wird, zuerst überlegen muss, wie er sich verteidigen will». Eine Berufung sei wahrscheinlich, sagte Feuz. «Ich werde meinem Mandanten raten, das Urteil weiterzuziehen.»

SDA/abe

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