Oberhasli

Ein neuer Stausee als Winterbatterie

OberhasliDie Kraftwerke Oberhasli haben das Konzessionsgesuch für den Bau einer Staumauer beim Triftgletscher fertig erstellt. Der definitive Bauentscheid wird indes erst in vier Jahren fallen.

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Es ist das mit Abstand grösste Wasserkraftprojekt im Kanton Bern: Die Kraftwerke Oberhasli (KWO) wollen am Triftgletscher ein neues Wasserkraftwerk erstellen. Der Bau der Staumauer und des Kraftwerks wird knapp 390 Millionen Franken kosten. Nun ist das Konzessionsgesuch bereit für die Einreichung, wie die kantonale Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion und die KWO am Montag mitgeteilt haben.

Chancen dank Energiewende

Möglich gemacht hat das Projekt der Rückzug des Triftgletschers. Dadurch wurde eine Geländemulde freigelegt, in welcher der Stausee liegen wird. Die Staumauer wird eine Höhe von ­167 Meter haben und der See­spiegel auf 1767 Meter über Meer liegen. Über eine unterirdische Druckleitung wird das Wasser ins 440 Meter tiefer liegende unterirdische Kraftwerk geschleust. Dieses wird eine Leistung von 80 Megawatt haben und jähr­lich 145 Gigawattstunden Strom produzieren. Das entspricht dem Verbrauch von 30'000 Haus­halten.

Die KWO-Spitze will den Stausee in erster Linie als Winter­batterie nutzen. In den Sommer­monaten wird der See das Regen- und Schmelzwasser auffangen. Die Stromproduktion wird vor ­allem in der kalten Jahreszeit oder bei besonders ­hohen Strompreisen erfolgen: «Strom war beispielsweise bereits im vergan­genen Januar knapp», betont KWO-Chef Daniel Fischlin. Und er geht ­davon aus, dass sich dies in den nächsten Jahren noch verschärfen wird. «Im Jahr 2019 wird das AKW Mühleberg vom Netz gehen. Drei Jahre später will Deutschland die verbleibenden AKW abschalten», sagt er. «Der Bedarf an Strom wird im Win­ter stark zunehmen. Deshalb ist das Triftprojekt ein Zukunfts­modell», fügt er an.

Ja, aber der Umweltverbände

Stauseeprojekte der KWO ­waren in der Vergangenheit stark umstritten. So haben sich die Naturschutzorganisationen bis heute mit Erfolg gegen eine Erhöhung der Grimsel-Staumauer gewehrt.

Doch beim Trift-Projekt ist der Widerstand moderater. Das hat zum einen mit dem Standort zu tun. Dieser liegt nicht im intensiv genutzten Gebiet am Grimselpass, sondern in der nächsten ­Geländekammer hoch über dem Gadmental. Der Perimeter des geplanten Stausees liegt in einer riesigen Felsmulde. Moorlandschaften oder Arven werden ihm nicht zum Opfer ­fallen.

Zudem hat der Berner Regierungsrat alles vorgekehrt, um das Projekt möglichst breit abzustützen. Bei dessen Lancierung vor vier Jahren hat der Regierungsrat eine Begleitgruppe unter der Leitung der Berner Energiedirektorin Barbara Egger (SP) einberufen. Das Gremium setzt sich aus Vertretern aus Politik, Umweltverbänden und Tourismus zusammen.

Von den Umweltorganisationen gehören Pro Natura Bern, der kantonale Fischereiverband, der ­Fischereiverein Oberhasli und der WWF der Arbeitsgruppe an. Sie können das Projekt ­«akzeptieren», wie sie in einer Mitteilung festhalten. Sie knüpfen indes ihre «Einigungsbereitschaft» an die «klare Erwartung, dass der Kanton auf weitere Klein­wasserkraftwerke an unberührten und wertvollen Gewässern verzichtet».

Der Grimselverein, der die ­Erhöhung der Grimsel-Stau­mauer jahrelang bekämpft hat, gehörte der Arbeitsgruppe nicht an. Er will auch gegen das Trift­projekt antreten: «Wir werden eine Einsprache machen und auf der politischen Ebene aktiv werden», sagt Präsident Hans Anderegg. «Das Problem des fehlenden Winterstroms lässt sich nicht mit der Wasserkraft lösen», ­betont er.

Bauentscheid in vier Jahren

So oder so braucht die KWO-Spitze einen langen Atem. Konzessionsbehörde ist der Grosse Rat. KWO-Chef Daniel Fischlin rechnet ­damit, dass die Konzession im besten Fall in zwei Jahren rechtskräftig sein wird. Anschliessend können die KWO das Baugesuch einreichen. Auch für diesen ­Prozess budgetiert Fischlin zwei Jahre.

Erst danach wird der Verwaltungsrat den definitiven Bauentscheid fällen. Denn beim Projekt gibt es mit dem Strompreis eine grosse Unbekannte: «Bei den ­aktuellen Strompreisen würde sich das Projekt selbst dann nur knapp rechnen, wenn die Baukosten im Rahmen der Energiewende zu 40 Prozent subventioniert würden», erklärt Fischlin. (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.09.2017, 18:19 Uhr

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