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Urwyler kann die Beurlaubung nicht nachvollziehen

Der umstrittene Könizer Pfarrer André Urwyler bleibt vorläufig von seinen Aufgaben dispensiert. Die kantonale Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion (JGK) hat den Antrag des Kirchgemeinderats bewilligt und Urwyler bis auf Weiteres freigestellt.

André Urwyler kann ab sofort nicht mehr als Pfarrer in Köniz arbeiten.
André Urwyler kann ab sofort nicht mehr als Pfarrer in Köniz arbeiten.
Beat Mathys

Die JGK ortet genügend Hinweise für eine «nachhaltige und schwere Zerrüttung des Vertrauensverhältnisses» zwischen Urwyler und dem Kirchgemeinderat», wie sie in einer Mitteilung vom Freitag schreibt. Dies könne eine Abberufung rechtfertigen.

Nach dem neuen Gesuch des Kirchgemeinderats um Abberufung des Pfarrers habe sich das angespannte Klima zwischen den beiden Parteien verschärft. Ein geordneter Betrieb sei deshalb nicht denkbar, solange Pfarrer Urwyler sein Amt ausübe.

Die Freistellung könne allerdings jederzeit aufgehoben oder angepasst werden, wenn sich im Verlaufe des Abberufungsverfahrens die Verhältnisse ändern sollten.

Urwyler will weitermachen

Der Betroffene selbst kann die Beurlaubung nicht nachvollziehen. «Diese Massnahme war nicht nötig, ich bin ja nicht veurteilt worden», sagte Pfarrer Urwyler der Nachrichtenagentur SDA. Er habe das Gefühl, man wolle ihn möglichst «vom Volk weghaben».

Damit spielte der streitbare Pfarrer, der sich selbst als Alphatier bezeichnet, auf die Unterstützung an, die er in einem Teil der Bevölkerung geniesst. «Dass das Volk hierzu nichts sagen darf, macht mich besonders traurig», fügte Urwyler an. Die rund 600 Unterschriften gegen eine allfällige Beurlaubung hätten offensichtlich nichts genutzt.

Vor dem Entscheid zur Beurlaubung habe niemand vom Kanton das Gespräch zu ihm gesucht, kritisierte Urwyler. Ausserdem werde er zu einem Zeitpunkt beurlaubt, an dem viele Anlässe - etwa wegen der Weihnachtszeit - bereits organisiert seien, sagte Urwyler. Nun sei er gezwungen, diese Verpflichtungen an andere Orte zu verlegen.

Gegenseitige Vorwürfe

Zum Eklat im seit Jahren schwelenden Streit war es am vergangenen Dienstag gekommen. Der evangelisch-reformierte Kirchgemeinderat hatte erneut ein Gesuch um Abberufung des im Volk beliebten Pfarrers eingereicht.

Der Kirchgemeinderat erklärte, es gebe «keine Basis mehr für eine weitere Zusammenarbeit» mit dem Pfarrer und suspendierte ihn mit sofortiger Wirkung. Als Probleme wurden etwa die Kommunikation sowie die gescheiterten Integrationsbemühungen genannt.

Urwyler wehrte sich gleichentags gegen die Vorwürfe und kündigte eine Aufsichtsbeschwerde an, um sich gegen seine Suspendierung zu wehren und eine externe Prüfung der Sachverhalts zu fordern. Er habe sich nichts vorzuwerfen, betonte er.

Urwyler erhob seinerseits ebenfalls Vorwürfe. So sagte er etwa, nach einem früheren Abberufungsgesuch habe gar kein echtes Interesse daran bestanden, ihn zu integrieren.

Der Kirchgemeinderat werfe ihm unter anderem Verletzungen der Dienstpflicht vor. Das sei absurd, betonte er vor den Medien. Vielmehr sei er konsequent schikaniert und isoliert worden.

Urwyler gilt als begnadeter Prediger. Die Zusammenarbeit innerhalb der Kirche gestaltete sich mit dem Pfarrer indes schwierig. Der Kirchgemeinderat hatte zuletzt im April 2008 ein Abberufungsgesuch gegen Urwyler eingereicht, dieses aber Ende August 2009 wieder zurückgezogen.

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