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Wege gegen die Armut

Rund 180 Fachleute aus Wirtschaft, Forschung, Verwaltung und Politik suchten am zweiten Berner Sozialgipfel nach Wegen, um Armut zu verhindern und zu bekämpfen.

Sucht nach einer ganzheitlichen Strategie gegen die Armut: Gesundheits- und Fürsorgedirektor Philippe Perrenoud (SP).
Sucht nach einer ganzheitlichen Strategie gegen die Armut: Gesundheits- und Fürsorgedirektor Philippe Perrenoud (SP).
Valérie Chételat (Archiv)

Im Kanton Bern gibt es immer mehr Arme. Die jüngsten verfügbaren Zahlen gehen davon aus, dass 2008 fast 100'000 Personen arm oder armutsgefährdet waren. Als «arm» gilt ein Mensch, der jährlich weniger als 23'000 Franken zur Verfügung hat.

Trotz des Negativ-Trends will Fürsorgedirektor Philippe Perrenoud am Ziel festhalten, die Armut bis zum Jahr 2019 zu halbieren. «Das sind wir den Betroffenen schuldig», sagte er am Sozialgipfel – auch wenn sich die Konjunktur ungünstig entwickle und der Druck auf die sozialen Sicherungssysteme dadurch noch zunehmen werde.

Noch immer keine Chancengleichheit

Der Kampf gegen die Armut sei aber nicht nur ein Auftrag an die Sozialpolitik, betonte Perrenoud; gefragt sei eine ganzheitliche Strategie. Eine Schlüsselrolle komme der Bildungspolitik zu, sagte Regierungspräsident und Erziehungsdirektor Bernhard Pulver: «Denn eine geringe Bildung ist nach wie vor das Armutsrisiko Nummer 1.»

Trotz aller Bemühungen gebe es in unserem Bildungssystem noch immer keine Chancengleichheit, sagte Pulver. Kinder und Jugendliche aus benachteiligten Schichten bräuchten Unterstützung - und zwar schon sehr früh.

Pulver verwies auf das Konzept «Frühe Hilfen» in Magdeburg, wo Familienhebammen junge Familien weit über die Zeit des Wochenbetts hinaus begleiten - oft zwölf Monate lang. Diese Massnahme soll verhindern helfen, dass sich Verwahrlosung, Gewalt und Sozialelend von einer Generation auf die nächste vererben.

Beitrag der Wirtschaft

Die Wirtschaft habe ein mindestens ebenso grosses Interesse an der Bekämpfung «echter Armut» wie der Staat, beteuerte FDP- Nationalrat Pierre Triponez, ex-Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes, gemäss Redetext: «Die Belastung der Unternehmungen durch Steuern, Sozialbeiträge und ähnliche Abgaben wiegt schwer und schmälert ihre Wettbewerbsfähigkeit.»

Die Wirtschaft könne am effizientesten zur Armutsbekämpfung beitragen, wenn zum Beispiel ein möglichst liberales Arbeitsrecht gelte und die fiskalische Belastung gering sei. Das begünstige die Schaffung nachhaltiger Arbeitsplätze.

Wechselwirkung von Armut und Gesundheit

Stefan Spycher vom Bundesamt für Gesundheit wies auf die fatale Wechselwirkung von Armut und Gesundheit hin. Eine schwache Gesundheit, Krankheiten und Behinderungen könnten zu Arbeitslosigkeit und Armut führen. Umgekehrt führe ein Leben in Armut oft zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen.

Die bernische Kantonsregierung will bis Ende 2012 einen Plan mit verbindlichen Massnahmen gegen die Armut erarbeiten. Die Referate am zweiten Sozialgipfel seien dafür ein wertvoller Input, sagte Fürsorgedirektor Perrenoud.

SDA/bs

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