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Berner Weltraum-Pionier Johannes Geiss gestorben

Johannes Geiss, der Vater des Sonnenwindsegels, ist 93-jährig verstorben.

Urs Wüthrich
Johannes Geiss ist 93-jährig verstorben.
Johannes Geiss ist 93-jährig verstorben.
PD/Swissapollo

Als die US-Astronauten Neil Armstrong und Buzz Aldrin 1969 als erste Menschen auf dem Mond landeten, führten sie ein Experiment durch, das an der Universität Bern von Johannes Geiss entwickelt wurde: das Sonnenwindsegel, eine Folie, die kleinste Teilchen der Sonne auffing. Geiss war an vier weiteren Apollo-Missionen wissenschaftlich massgeblich beteiligt. Er war einer, der die Berner Weltraumforschung gross gemacht hat.

Nun ist Johannes Geiss 93-jährig gestorben. Geboren wurde er am 4.September im deutschen Stolp (Pommern). Nach seinem Physikstudium in Göttingen forschte er in Chicago und Miami. 1960 kam er an die Universität Bern, wo er bis 1991 als ordentlicher Professor tätig war. Von 1966 bis 1986 war Geiss Direktor des Physikalischen Instituts. Nach seiner Emeritierung, war er von 1995 bis 2002 Direktor am International Space Science Institute in Bern, das er als einer der Gründungsväter initiiert hatte.

Grundstein für Rosetta

Seine Forschungsarbeit beschränkte sich nicht nur auf Sonnenwindteilchen. Geiss war auch an Meteoriten und Kometen interessiert, wie sie entstanden sind und wie sie sich entwickelt haben. Unter anderem war er an der 1985 gestarteten Giotto-Mission zum Kometen Halley beteiligt. Damals wurde Halley als einer von der Erde aus gut sichtbarer Komet angekündigt. Als dann ein kaum sichtbares Lichtchen am Himmel auftauchte, meinte Geiss gelassen: «Mit den Kometen ist es wie mit der Menschheit, die Berühmtesten sind nicht immer die Hellsten.» Der Verstorbene legte auch den Grundstein für die 2004 gestartete Rosetta-Mission zum Kometen Churyumov-Gerasimenko sowie zu Ulysses, einem ESA- und Nasa-Projekt, das bis 2009 die Sonne erforschte.

Johannes Geiss erhielt 2001 für sein Wirken die Albert-Einstein-Medaille, 2005 die William-Bowie-Medaille der Geophysikalischen Union der USA. Und im Juni 2019 wurde ihm zu Ehren an der Universität Bern eine Bronzeskulptur (ein Sonnenwind- segel) gesetzt. Schon damals konnte Johannes Geiss aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr an der Ehrung teilnehmen.

Johannes Geiss am 6. Februar 1970 in den Räumen der Universität Bern. Er war Direktor des physikalischen Institutes. Der Physik-Professor wurde von der amerikanischen Weltraumbehoerde Nasa mit der «Medaille für ausserordentliche wissenschaftliche Leistungen» ausgezeichnet. Er erhielt diese Auszeichnung als Leiter der Forschungsgruppe, die das schweizerische Sonnenwind-Kompositions-Experiment («Sonnenwind-Segel») entwickelt und ausgewertet hat. Foto: Keystone
Johannes Geiss am 6. Februar 1970 in den Räumen der Universität Bern. Er war Direktor des physikalischen Institutes. Der Physik-Professor wurde von der amerikanischen Weltraumbehoerde Nasa mit der «Medaille für ausserordentliche wissenschaftliche Leistungen» ausgezeichnet. Er erhielt diese Auszeichnung als Leiter der Forschungsgruppe, die das schweizerische Sonnenwind-Kompositions-Experiment («Sonnenwind-Segel») entwickelt und ausgewertet hat. Foto: Keystone
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