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YB-Chaoten: Fehler bei der Fahndung

Die Ermittlungen gegen randalierende YB-Fans sorgt für Kritik. Derzeit gibt der Fall eines YB-Fans zu reden, der fälschlicherweise von der St. Galler Polizei abgeführt wurde.

Bei den Ermittlungen der St. Galler Strafverfolgungsbehörden gegen randalierende YB-Fans kam es zu Fehlern (Archivbild).
Bei den Ermittlungen der St. Galler Strafverfolgungsbehörden gegen randalierende YB-Fans kam es zu Fehlern (Archivbild).
Keystone

Dass bei der Fahndung nach den YB-Fans, welche nach dem Spiel St. Gallen - YB vom 4. Mai 2013 randalierten, auch Fehler passiert sind, zeigt ein Beispiel eines YB-Fans, welches die «Schweiz am Sonntag» publik machte.

Der 28-Jährige wurde in der Schule von Zivilfahndern im Büro des Schuldirektors empfangen. Er sei einer der zwei Hauptverdächtigen, hiess es vonseiten der Polizisten. Der Schüler sei sehr schockiert gewesen, da man ihn zuerst in Handschellen abführen wollte. Die Ordnungshüter verzichteten auf sein Erbitten schliesslich darauf.

Wohnung durchsucht

Zu Hause warteten drei weitere Polizisten. Diese durchsuchten die Räumlichkeiten und beschlagnahmten einen Halswärmer, eine Regenjacke einer Berner Ultra-Gruppierung, den Computer und Datenträger. Später wurde der YB-Fan, der anonym bleiben wollte, im Polizeiwagen in die Ostschweiz transportiert. Die Staatsanwältin legte Fotos vor, die ihn zeigen sollten. «Ich sah auf Anhieb, dass ich das nicht bin», erzählt er weiter.

Für die Staatsanwältin schien der Fall aber klar: gleiche Kleidung, gleiches Aussehen. Dann erkannte sich der Beschuldigte plötzlich auf einer Video-Sequenz, wie er von einem Catering-Stand herkommt – Meter von den Ausschreitungen entfernt. Die Staatsanwältin musste sich daraufhin für das Missverständnis entschuldigen. Das passiere sonst nicht.

«Wie bei Terroristen-Fahndung»

Das Vorgehen der St. Galler Strafverfolgungsbehörden stösst bei der YB-Fanarbeit auf harsche Kritik. «Rechtsstaatlich extrem bedenklich», taxiert Lukas Meier von der Fanarbeit Bern die Fahndungsmethoden in der «Schweiz am Sonntag». Das sei beinahe wie bei einer «Terroristen-Fahndung», meint er.

So dramatisch siehts die Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen nicht. Dort bedauert man den Vorfall, betont aber, dass so etwas bei Ermittlungen immer passieren könne. «Wir hatten einen Verdacht, von Amtes wegen sind wir verpflichtet die notwendigen Massnahmen zu ergreifen», sagt Natalie Häusler, Sprecherin der St. Galler Staatsanwaltschaft. Das Vorgehen sei verhältnismässig gewesen, sagte sie und verwies auf die hohe Zahl von 38 Dossiers, die bearbeitet werden mussten. Es sei nicht aussergewöhnlich, wenn sich bei einer Untersuchung herausstelle, dass jemandem nichts Strafbares nachgewiesen werden könne.

Die Staatsanwaltschaft täuschte sich offenbar nicht nur bei einem Hauptverdächtigen. Vier weitere Personen erhielten eine Vorladung, obwohl sie gar nicht in St. Gallen waren.

Busse von 1300 Franken

Seit zwei Wochen fahndet die Staatsanwaltschaft und die Kantonspolizei von St. Gallen gegen mutmassliche YB-Randalierer - und zwar in Form eines Internetprangers. Das Vorgehen ist in drei Stufen gegliedert. Zuerst gabs auf der Homepage der beiden Behörden einen Aufruf, sich zu melden. Danach schaltete man während einer Woche verpixelte Bilder hoch, und seit Montag sind die Fotos der mutmasslichen Randalierer unverfältscht online. Sieben haben sich bereits selber gestellt, drei werden noch gesucht.

Weitere 28 Personen, die an der Randale beteiligt waren, wurden schon früher identifiziert. Sie haben teilweise bereits Strafbefehle erhalten. Ein Haupttäter wurde rechtskräftig mit einer bedingten Geldstrafe von 130 Tagessätzen sowie einer Busse von 1300 Franken bestraft.

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