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Zu wenig Geld für Betreutes Wohnen

Die Ökonomische Gemeinnützige Gesellschaft (OGG) des Kantons Bern sieht ihr Angebot «Betreutes Wohnen in Familien» bedroht: Ab 2010 wird der Kanton der Organisation dafür keine rund 200'000 Franken mehr überweisen.

Es ist gut ein Jahr her, als Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud (SP) in Walkringen an einem Medienapéro teilnahm. Eingeladen hatte die OGG, die mit ihrem Angebot «Betreutes Wohnen in Familien» das 10-Jahr-Jubiläum feierte. Perrenoud betonte, wie wichtig alternative Betreuungsangebote seien. Und Markus Loosli, Vorsteher des Alters- und Behindertenamtes (Alba), unterstrich, dass es für den Kanton Bern «um einiges günstiger komme», wenn Menschen in Familien und nicht in Heimen betreut würden.

Letztes Jahr hat die OGG 98 betreuungsbedürftige Personen in Gastfamilien vermittelt. Meistens leben diese im ländlichen Raum. Die Gäste profitieren von «milieutherapeutischen» Bedingungen wie einem familiären Rahmen und dem Kontakt zur Natur. Doch jetzt sieht die OGG ihr Angebot «Betreutes Wohnen in Familien» (BWF) in Gefahr. Denn ab 2010 erhält sie keinen Beitrag mehr vom Kanton. 2008 hatte dieser laut Geschäftsführer Hans-Martin Kaiser noch 250'000 Franken betragen; für 2009 wurde er reduziert auf rund 200'000 Franken, «und ab nächstem Jahr gibt es gar nichts mehr». Damit verliert die OGG 40 Prozent ihrer Einnahmen.

Vor allem Behinderte

Der Grund für den Entscheid des Kantons liegt bei den Personen, die das Angebot nutzen: Bei der Gründung hatte die OGG Senioren im Visier. Die Idee deckte sich mit dem Grundsatz der bernischen Alterspolitik: «ambulant vor stationär». Deshalb unterstützte der Kanton das Angebot als Pilotprojekt. Doch nur knapp 20 Prozent der betreuten Personen sind Seniorinnen und Senioren. Die Mehrheit der Gäste muss dem Behindertenbereich zugerechnet werden. Deshalb soll nun die Finanzierung nicht mehr in der Abteilung Alter der Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF), sondern in der Abteilung Behinderte geregelt werden. «Dort passen wir aber offenbar in kein Schema», sagt Kaiser.

Direkt, nicht über OGG

Doch laut Claus Detreköy, Leiter der Abteilung erwachsene Behinderte, unterstützt der Kanton die Betreuung in privaten Haushalten gleichermassen wie in klassischen Heimen. Er erklärt, in welcher Form: Reichten Renten und Ergänzungsleistungen nicht, um den Tagestarif abzudecken, der sich nach der Betreuungsintensität richtet, übernehme der Kanton die Differenz. Das sei bei rund 20 Prozent aller Personen nötig, die in OGG-Familien wohnten, sagt Detreköy.

Neu unterstützt der Kanton aber nicht mehr die OGG, sondern leistet seinen Beitrag über die betroffene Person an die Familien. Ob diese mit dem Kantonsgeld Dienstleistungen der OGG (Vermittlung, Beratung, Weiterbildung) bezahlen oder diese selber erbringen, sei nicht Sache des Kantons. «Die OGG muss ihr Finanzierungssystem nach Abschluss der Pilotphase umstellen», sagt Detreköy und betont: «Das Angebot ‹Betreutes Wohnen in Familien› wird ausserordentlich geschätzt.»

Doch Kaiser beklagt die kurze Übergangsfrist. Die OGG habe im April vom Entscheid des Kantons erfahren. «Das reicht nicht, um eine neue Finanzierung zu finden, das würde praktisch alle Reserven wegfressen.» Die OGG werde «alle Hebel in Bewegung setzen», damit der Kanton auf seinen Entscheid zurückkomme.

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