Kanton will Bahnhof Thun-Nord, Rückschlag für Grimseltunnel

Thun/Grimsel/Wilderswil

Der Bahnhof Thun-Nord sowie das Projekt Grimseltunnel haben es nicht in die Planung des Bundesrats geschafft. Der Ausbau des Schweizer Bahnnetzes 2035 sieht jedoch eine neue Haltestelle beim Flugplatz Wilderswil vor.

Wilderswil erhält eine neue Haltestelle, Thun-Nord und das Projekt Grimseltunnel erhalten keinen Zuspruch.

Wilderswil erhält eine neue Haltestelle, Thun-Nord und das Projekt Grimseltunnel erhalten keinen Zuspruch.

(Bild: Bruno Petroni, Patric Spahni)

Der Kanton hat nach der Medienkonferenz des Bundesrates vom Mittwoch eine Medienmitteilung veröffentlicht, in der er fordert, dass auch die neue Haltestelle Thun-Nord in den Ausbauschritt der Bahninfrastruktur aufgenommen wird. Das ist bisher nicht der Fall. Dafür gibt es Zuspruch aus der Region.

Der Thuner Stadtpräsident Raphael Lanz (SVP) betont die Wichtigkeit des neuen Bahnhofes. Dies besonders im Zusammenhang mit dem Areal des kantonalen Premium-Entwicklungsschwerpunktes (ESP) Thun Nord. «Wir sehen grosses Potenzial in der Entwicklung und der Schaffung von Arbeitsplätzen am ESP Thun Nord», sagt Lanz.

Nach jahrzehntelanger Planungsphase werde das Projekt nun mit dem geplanten Einzug der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt im Jahr 2022 erstmals konkret. «Dank dem Bypass Thun-Nord ist das Areal bereits gut an den Verkehr angebunden», sagt Lanz.

Der Bypass Thun-Nord und die Bahn. Bild: Patric Spahni

«Es ist ein Gebot der Zeit, dass es auch durch den öffentlichen Verkehr erschlossen werden muss.» Er begrüsse das Engagement des Kantons für den Bahnhof Thun-Nord.

Das tut auch Jürg Marti (SVP), Präsident der Gemeinde Steffisburg sowie der Regionalen Verkehrskonferenz (RVK) Oberland-West. Er hält fest: «Für die RVK als treibende Kraft dieses Projektes ist seit langem klar, dass wir uns mit sämtlichen Mitteln für die Aufnahme in den Ausbauschritt einsetzen werden.» Dafür wolle er auch politisch aktiv werden. «Kanton und Region müssen nun die nächsten Schritte festlegen», sagt er.

Rückschlag für Tunnel

Auch der Grimseltunnel hat es nicht in die Planung des Bundesrats zum Ausbauschritt 2035 geschafft. Ein Komitee mit nationalen Parlamentariern aus den Kantonen Bern und Wallis sowie Vertretern aus der Wirtschaft hatte sich dafür eingesetzt, den Tunnel zwischen dem Haslital und dem Obergoms in den Ausbau des Schweizer Bahnnetzes aufzunehmen.

Synergien zwischen Bahn- und Strominfrastruktur, das Projekt kurz erklärt. Video: swissgrid

Das Projekt Grimseltunnel ist nun lediglich in der zweiten Dringlichkeitsstufe aufgeführt. Für den Bau dieses Tunnels wären Investitionen von rund 250 Millionen Franken nötig. Dem Bundesrat ist dieser Betrag wohl zu hoch, schätzt Peter Teuscher, Verwaltungsratspräsident der Grimselbahn AG. «Es war mir klar, dass es für uns eng wird, wenn sich der Bundesrat für einen Ausbau des Lötschberg-Basistunnels ausspricht», so Teuscher.

Momentan läuft die Elektrizität noch über den Pass. Foto: Bruno Petroni

Dennoch sei es schade, so Teuscher, dass der Grimseltunnel als durchdachtes Doppelprojekt mit Bahnverbindung und unterirdischer Hochspannungsleitung im Bahnausbauschritt 2035 vom Bundesrat keinen Zuspruch erhalten hat. Ebenfalls enttäuscht zeigt sich Alt-Grossrat Gerhard Fischer, Präsident der IG Grimseltunnel und Verwaltungsrat der Grimselbahn AG. Nun müsse ein gezieltes politisches Lobbying aufgebaut werden, um diesem Projekt im nationalen Schienennetz noch eine Chance zu geben. «Ich hoffe darauf, dass es im Parlament noch eine Wende gibt», so Fischer.

«Stark dafür gekämpft»

Mehr Grund zur Freude hat das politische und wirtschaftliche Umfeld der Berner-Oberland-Bahnen (BOB): Der Flugplatz Wilderswil ist bei den Angeboten des Ausbauschrittes 2035 unter «Neue Haltestellen Privatbahnen» aufgeführt. Nach dem Willen des Bundesrats werden sich also Bund und Kanton am Bau dieser Haltestelle beteiligen. «Dafür haben wir stark gekämpft», sagt Urs Kessler, CEO der Jungfraubahnen, zu denen die BOB gehört. «Mit dem Park and Ride beim Flugplatz werden die Strassen entlastet.» ¨

Beim Flugplatz rechts wird eine neue Haltestelle entstehen. Bild: Patric Spahni

Erfreut ist auch Wilderswils Gemeindepräsidentin Marianna Lehmann: «Diese Haltestelle macht Sinn, wenn wir auf dem Flugplatz neues Gewerbe ansiedeln wollen.» Regionspräsident Peter Flück freut sich neben der Haltestelle in Wilderswil auch über den neuen Halbstundentakt des Fernverkehrs zwischen Bern und Interlaken. «Und das Projekt Grimseltunnel ist noch nicht gestorben.»

Berner Zeitung

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