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Kaum aus der U-Haft, schon der nächste Überfall

gerichtEr war in vier Raubüberfälle auf Tankstellen verwickelt: Gestern musste sich ein 24-jähriger Schweizer vor dem Regionalgericht in Langnau verantworten. Er war geständig und kassierte vier Jahre für die Überfälle und alle übrigen Missetaten.

Es war ein Mittwoch Anfang Dezember 2010. Gegen 21.55 Uhr ging ein junger Mann mit hochgezogener Kapuze, einem über Mund und Nase gezogenen Tuch und bewaffnet mit einem Messer zum Eingang des Graben-Tankstellenshops in Burgdorf. Seine Absicht war klar: Er wollte den Laden überfallen. Doch diese Absicht wurde durchkreuzt. Die Verkäuferin hatte den Mann zuvor auf den Überwachungsgeräten bemerkt. Sie wurde misstrauisch und öffnete ihm die Türe nicht. Der Mann musste unverrichteter Dinge wieder abziehen. Nur einen Tag später gegen 22 Uhr versuchte es derselbe Mann erneut, diesmal beim Coop-Tankstellenshop in Huttwil. Und diesmal gelang ihm sein verbrecherisches Vorhaben. Eingemummt in Kapuze und Sturmmaske, betrat er den Shop, forderte die Verkäuferin vor den Augen der Serviceangestellten mit vorgehaltenem Messer auf, das Geld – insgesamt 2620 Franken – aus der Kasse in eine Plastiktüte zu packen. Dann fuhr er mit seinem Auto, das mit gestohlenen Nummernschildern versehen war, zu einem Kollegen. Hier deponierte er das Geld, versteckte Kleider und Waffe unter dem Bett. Aber schon kurz darauf stand die Polizei vor der Tür. Der Täter stieg aus dem Fenster, wurde aber nach kurzer Flucht gefasst. Trotzdem blieb es nicht dabei. Frisch aus der U-Haft entlassen, verübte er im Januar und Februar 2011 zwei weitere Delikte. In Ascona überfiel er zusammen mit einem Komplizen eine Shell-Tankstelle. Die beiden bedrohten den Verkäufer mit je einer unechten Pistole und erbeuteten so rund 2100 Franken. In Bern wollte er erneut einen Tankstellenshop mit einer Imitationswaffe ausrauben. Allerdings blieb es beim Versuch. Die Liste ist lang Gestern nun musste sich der 24-jährige Beschuldigte, der zurzeit in der Strafvollzugsanstalt Lenzburg sitzt, für diese Taten vor dem Regionalgericht in Langnau verantworten. Doch auch noch andere Vergehen gehen auf sein Konto, darunter Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung, Entwendung eines Motorfahrzeuges, Fahren unter Drogeneinfluss und ohne Ausweis. Bei den Behörden ist er bestens bekannt; sein Strafregisterauszug ist lang, mehrmals sass er schon in U-Haft. Geboren ist der Beschuldigte in Djibouti, mit dreieinhalb Monaten wurde er adoptiert und kam in die Schweiz. Er wuchs wohlbehütet auf, absolvierte die Schule und fing eine Lehre als Schlosser an. Trotzdem gelangte er auf die schiefe Bahn, begann Drogen zu nehmen, gab sich mit den falschen Leuten ab. Die Lehre brach er ab, als er verhaftet wurde. Jetzt soll alles besser werden Vor Gericht war er geständig. Höflich antwortete er auf die Fragen von Gerichtspräsident Samuel Schmid. Er schien ein flotter Bursche zu sein. Schmid fiel es schwer, nachzuvollziehen, warum der junge Mann immer wieder straffällig wurde. Dies auch, nachdem bereits ein Verfahren gegen ihn hängig war. «Ich habe zu diesem Zeitpunkt viele Drogen konsumiert, wusste, dass ich sicher ins Gefängnis muss. Mir war alles egal», sagte der Beschuldigte. Die Raubüberfälle habe er begangen, weil er Geld brauchte. Er gelobte nun aber Besserung. Diesmal sei alles anders, beteuerte er. Er habe sich freiwillig in Therapie begeben und sei bereit, sich den Problemen zu stellen. «Ich bin jetzt 24, irgendwann muss ich es packen. Nun ist der Punkt da, aufzuhören.» Er nehme auch keine Drogen mehr und habe den Kontakt zu seinem alten Umfeld abgebrochen. Dafür kämen die Eltern und der Bruder öfters zu Besuch. Am Ende erhielt er – auch wegen seiner Vorstrafen – vier Jahre unbedingt. «Das war mitnichten eine Bagatelle», betonte Richter Schmid bei der Urteilseröffnung. Er sei bewaffnet und vermummt gewesen und habe sogar mit der vermeintlichen Pistole auf Personen gezielt. «Niemand steckt das so einfach weg, sondern hat für die Betroffenen Folgen.» Schmid rechnete ihm aber an, dass er Anfänge von Reue zeigte. «Eine Umkehr scheint stattzufinden. Wir hoffen, Sie gehen auf diesem Weg weiter.» Nadja Noldin >

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