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Kinder aus Tschernobyl erhalten Winterschuhe

MattenBereits zum sechsten Mal kleidet die Lowa Schuhe AG Kinder aus Tschernobyl mit Winterschuhen ein. Die Kinder verbringen ihre Sommerferien zurzeit in

In Zweierreihe werden die 33 Kinder in die Lowa-Schuhfabrik in Matten geführt. Die Kinder sind zwischen zehn und zwölf Jahre alt und kommen aus Tschernobyl. Juri Grinievich ist mit ihnen während gut dreier Wochen in St.Croix im Waadtland in den Sommerferien. Der Ausflug zur Schuhverteilaktion der Lowa sei einer der Höhepunkte des Aufenthaltes für die Kinder, so der ausgebildete Lehrer. Kurze Zeit später sitzen die Kinder im Innern der Schuhfabrik auf Bänkchen im Kreis. Einem nach dem anderen werden die Füsse vermessen und Schuhe anprobiert. Daumen hoch heisst «passt», Daumen runter bedeutet, «der Schuh drückt». Die Verständigung klappt auch ohne Worte. Minus 27 Grad Celsius Die meisten Kinder kämen aus zerrütteten Familien, erklärt Michael Koppelmann, der das Sommerlager mitorganisiert hat. «Viele wachsen ohne ihre Väter auf.» Andere hätten zwar Väter, «dafür vertrinken diese das wenige Geld, das der Familie zur Verfügung steht». Für gute Schuhe, so der Lagerverantwortliche, bleibe meist nichts übrig. Dabei täten diese Not. «Vorletzten Winter sind die Temperaturen in Tschernobyl auf minus 27 Grad gefallen.» Dass die Schuhverteilaktion dieses Jahr bereits zum sechsten Mal stattfindet, ist von Swen Kohler von der Lowa Schuhe AG zu vernehmen. «Wir wollen nicht, dass die Kinder im Winter frieren müssen», sagt er. «Deshalb stellen wir ihnen nicht nur neue, sondern auch gut gefütterte Gore-Tex Schuhe zur Verfügung», sagt der Verkaufsleiter. Das Sommerlager findet dieses Jahr bereits zum 22.Mal statt. Angefangen habe alles mit dem Engagement eines Pfarrers aus Binningen (BL), erklärt Michael Koppelmann. Der Pfarrer sei nach der Reaktorkatastrophe von 1986 mit einem Lastwagen nach Tschernobyl aufgebrochen, um «unverstrahlte Nahrungsmittel an Kinder in verstrahlter Umgebung» zu verteilen. Später habe man dann das Sommerlager ins Leben gerufen, «um den Körpern der Kinder eine Auszeit zu ermöglichen.» Dies sei auch heute noch ein wichtiger Grund für die jährliche Reise in die Schweiz, sagt Juri Grinievich. Einige der anwesenden Kinder litten an Bluthochdruck, andere an Schilddrüsenerkrankungen. Viele Sponsoren Das Sommerlager sei nur dank privaten Spendern möglich, sagt Michael Koppelmann. Die Gemeinde Yverdon beispielsweise finanziere die Unterkunft, eine Basler Metzgerei habe 150 Kilogramm Fleisch gesponsert, und dank den Jungfrau-Bahnen gehe es weiter mit einem Ausflug zu Spaghetti und Glace auf den Harder. Derweil werden die neuen Schuhe im Reisecar verstaut. «For them it’s just too hot», sagt ein Mädchen keck und schnürt ihre Sandalen.Ralph Stamm >

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