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Kinder dürfen nicht in Bergschule

Der Gemeinderat Matzendorf lehnt den Antrag einer Familie ab, die ihre beiden Kinder in die Bergschule Brunnersberg schicken will. Begründung: Eine Grundsatzdebatte über die Schule soll verhindert werden.

Wollen ihre Kinder in die Bergschule schicken: Ines und Rolf Hunziker mit Gwendolin (links) und Fjorn (rechts).
Wollen ihre Kinder in die Bergschule schicken: Ines und Rolf Hunziker mit Gwendolin (links) und Fjorn (rechts).
Peter Ilg

Ines und Rolf Hunziker leiten die Bergwirtschaft und Landwirtschaft Obere Wengi in Matzendorf. Ihre zweijährige Tochter und ihren vierjährigen Sohn wollen sie später in die nahe gelegene Bergschule Brunnersberg schicken. «Der Weg hinunter in die Schule im Dorf wäre mindestens doppelt so lange», sagt Rolf Hunziker. «Zudem könnten die Kinder zu Fuss in die Bergschule gehen, im anderen Fall müsste ich sie hinfahren.» Deshalb versteht er den Entscheid des Gemeinderats nicht. An seiner Sitzung vom Montagabend hat dieser den Antrag der Familie abgelehnt.«Rückhalt fehlt»Das Problem ist, dass die Hunzikers ausserhalb des festgelegten Perimeters leben, innerhalb dessen Kinder die Bergschule besuchen dürfen. Der Gemeinderat stemmt sich dagegen, die Vereinbarung aus dem Jahr 1998 neu auszuhandeln, sprich: den Perimeter zu erweitern. Gemeindevizepräsident Peter Bühlmann erklärt: «Alle vier betroffenen Gemeinden müssten ihr Einverständnis geben.» Neben Matzendorf sind dies Mümliswil-Ramiswil, Laupersdorf und Aedermannsdorf. «Wir sehen keine riesige Chance, dass die vier Gemeindeversammlungen Ja sagen würden», meint Bühlmann. Die Brunnersbergschule geniesse nicht mehr so viel Rückhalt in der Bevölkerung wie auch schon: «Eine Veränderung des Status quo könnte kontraproduktiv wirken.» Denn eine Grundsatzdebatte würde vielleicht die gesamte Bergschule in Frage stellen.Will Rekurs einlegenDass das Thema emotional ist, beweist bereits die Diskussion im Gemeinderat. Laut Bühlmann gab es am Montagabend eine längere Debatte. Sechs der sieben Gemeinderäte sprachen sich schliesslich gegen den Antrag der Familie Hunziker aus. Wer dafür war, wird nicht kommuniziert. Hunziker vermutet, dass es bei dem Entscheid auch um das Geld geht: «Die Schule wird als teuerste des Kantons bezeichnet.» Doch gerade für die «Bergkinder», die im Dorf oft untergingen, brächte die Bergschule Vorteile. Auf dem Brunnersberg könnten sie Kontakte zu Gspänli knüpfen, die in der Nähe wohnen. Stephan Müller, Lehrer an der Bergschule, sieht dies ähnlich: «Wir stehen für mehr als eine Schule – für die Zugehörigkeit zu einer Lebensgemeinschaft, die hier im abgelegenen Gebiet wichtig ist.» Bühlmann wehrt sich jedoch gegen die Unterstellung, seine Behörde schaue vor allem auf das Finanzielle: «Das Geld steht nicht im Vordergrund. Aber wir müssen für das Gesamtwohl besorgt sein und nicht die optimale Lösung für eine einzelne Familie suchen.» Rolf Hunziker gibt nicht auf. Er will seine rechtlichen Mittel ausschöpfen. Gegen die beschwerdefähige Verfügung des Gemeinderats Matzendorf kann er zu Handen des kantonalen Amts für Volksschule und Kindergarten (AVK) Rekurs einlegen.

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