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Kleists Figuren kehren heim und werden geheilt

ThunMit der Kleist-Retraite bereiten die Künstler vom

Zum Tode verurteilt, im Liebeswahn zum Sturz aus dem Fenster oder in den Tod getrieben, geschändet und zerstritten – das sind die Figuren des Schriftstellers Heinrich von Kleist. Ruhe und Genesung gab es für sie bis jetzt keine. Doch das soll sich nun ändern. Unter der Leitung der freien Theatergruppe Schauplatz International, der Anna-Lisa Ellend, Albert Liebl, Lars Studer und Martin Bieri angehören, lassen Thuner Laienschauspieler Kleists Figuren im Tertianum Bellevue-Park, Thun, lebendig werden. Im Rahmen der sogenannten Kleist-Retraite werden sie therapiert. Am Donnerstagabend feierte die Inszenierung Premiere. Im Teutoburger Wald Geführt von Albert Liebl, machen sich die Zuschauer auf die Reise zu den Schauplätzen Kleists. Sei es nun in den Teutoburger Wald zur Hermannsschlacht, nach Griechenland zu Penthesilea oder zu Amphitryon und zu Käthchen nach Heilbronn. Alle diese Orte lässt Liebl in seiner Erzählung lebendig werden, währenddessen die Zuschauer im Keller des Tertianums auf Yogamatten auf dem Boden liegen und Liebls Worten mit geschlossenen Augen lauschen. Eigentlich wäre geplant gewesen, diese Einstiegssequenz im Park abzuhalten. Der Regen machte den Veranstaltern aber einen Strich durch die Rechnung, und sie mussten einige Teile der Inszenierung nach drinnen verlegen. Mediation und Reittherapie Nach dieser Einführung ins Thema erhält das Publikum die Gelegenheit, den Gesprächen der Kleist-Figuren zu lauschen. Im Chalet de Réunion treffen sich die Protagonisten beispielsweise zur Gruppentherapie. Durch die Fenster des Gebäudes können sie beobachtet werden. Die Zuschauer erfahren, dass sich der Prinz von Homburg auf dem Schlachtfeld einen schweren Vitaminmangel zuzog, dass Herrmann nach der Hermannsschlacht Heilpädagogik studierte und dass Egbert nun auf Stellensuche ist und sich immer noch von Hermann verraten fühlt. Gleichzeitig versuchen der Prinz von Homburg und der Kurfürst im Foyer des Tertianums ihr schwieriges Verhältnis mithilfe einer Mediatorin zu klären. Im Garten macht das Käthchen von Heilbronn eine Reittherapie. Alkmene versucht ihre Probleme, unter der Leitung von Mundartsongwriter Trummer, mit Gesangsstunden zu lösen. Ob die Figuren ihre Traumata schliesslich verarbeiten können, soll an dieser Stelle noch nicht verraten werden. Zurück zum Ursprung «Uns ging es darum, die Figuren Kleists an ihren Ursprung zurückzuführen. Sie sollen das in Worte fassen, was Kleist sie nie direkt sagen liess», erklärte Albert Liebl nach der Premiere. Indem die Aufführung direkt gegenüber der Kleist-Insel stattfindet, ist es auch eine räumliche Rückführung an den Ursprung. Dorthin, wo Kleist sein Schaffen begann und seine Figuren lebendig wurden. Obwohl sich die Inszenierung mit über zwei Stunden doch etwas in die Länge zieht, bietet sie den Zuschauern die Möglichkeit, sich auf eine neue, fantasievolle Weise mit Kleists Werk auseinanderzusetzen.Therese KrähenbühlDie Kleist-Retraite findet am 18./19./22./23./24. und 26.Juni jeweils um 19.30 Uhr im Tertianum am Göttibachweg 2 in Thun statt. Am 25.Juni Überraschungsausflug (nur Abendkasse). Vorverkauf: Thun Tourismus, Welcome Center, Bahnhof Thun, Telefon: 033 2259000, Abendkasse ab 19 Uhr. www.schauplatzinternational.net>

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