Kommt es zur Kampfwahl ums Gemeinderatspräsidium?

Zweisimmen

Die Gemeinde bestellt am 12. November ihre Exekutive. Alle Mitglieder sind wiederwählbar. Dabei könnte es zu einem Kampf ums Präsidium kommen: Grossrat Hans-Jörg Pfister (FDP) überlegt sich eine Kandidatur, hat aber noch nicht entschieden. Grossrätin Anne Speiser (SVP) winkt ab.

Hans-Jörg Pfister (FDP), Anne Geiser (SVP) und Ernst Hodel (BDP) kämen für das Amt infrage.

Hans-Jörg Pfister (FDP), Anne Geiser (SVP) und Ernst Hodel (BDP) kämen für das Amt infrage.

(Bild: zvg)

Svend Peternell

Am 12. November ist Wahltag in Zweisimmen. Die sechs Gemeinderatsmitglieder sind ebenso wiederwählbar wie Gemeinderatspräsident Ernst Hodel (BDP) sowie Gemeindepräsident Ulrich Zeller (SVP) und sein Vize René Jaggi (BDP). Alle haben eine von zwei möglichen aufeinanderfolgenden Legislaturen hinter sich.

Denkbar wäre das Szenario ei­ner stillen Wahl, wie Gemeindeschreiber Urs Mathys erklärt. Die käme dann zum Zug, wenn die Parteien bis zum 29. September um 17 Uhr die Wiederwählba­ren – und nur sie – auch zur Wahl vorschlagen. Das wären für die Exekutive Daniel Dumont und Matthias Matti von der BDP, Ulrich Gfeller und Bea­trice Zeller von der FDP, Claudia Gautschi von der SP sowie Martin Sulliger von der SVP.

Hans-Jörg Pfister hat sich noch nicht entschieden

Eine solche stille Wahl möchte der Freisinnige Hans-Jörg Pfister verhindern helfen: «Damit demokratisch entschieden wird.» Der schon seit über 23 Jahren im Grossen Rat Politisierende und frühere Zweisimmner Gemeinderat hat schon vor längerer Zeit angedeutet, dass er es sich überlege, fürs Gemeinderatspräsidium zu kandidieren.

Entschieden hat er noch nicht. Das müsse er erst mit der Familie genau bereden. Aber an der Motivation würde es dem 71-Jährigen mit seiner bekannt gradlinigen und unbequemen Art nicht fehlen, wie er zu verstehen gibt: «Ich habe das Gefühl, dass die Bevölkerung punkto Gesundheitsversorgung nicht mehr richtig vertreten ist.» Entscheiden werde er Anfang September. «Ich muss noch Vorabklärungen treffen. Ich habe mit der FDP noch nicht darüber geredet.»

Pfister ist Gründer der von seinen Söhnen Benno und Stefan geführten Gartenbaufirma Anima­flor AG und hat jüngst mit seinem Vorstoss im Grossen Rat für Aufsehen gesorgt: Er fordert in seiner Motion, dass das westliche Oberland (Simmental und Saanenland) mit dem Spital in Zweisimmen nicht mehr länger zur Spital STS AG gehören, sondern in die Versorgungsregion der fmi-Gruppe (Frutigen, Meiringen, Interlaken) integriert werden soll.

Für Anne Speiser ist das «keine Option»

Ein zweiter Name, der für das Zweisimmner Gemeinderatspräsidium auch schon genannt worden ist, ist jener von Anne Speiser-Niess. Doch die SVP-Gross­rätin, die schon 16 Jahre Zweisimmner Gemeindepolitik hinter sich hat (8 davon als Gemeinderatspräsidentin), winkt ab: «Das ist für mich keine Option. Ich habe keine Ambitionen mehr, mich für eine Wahl zur Verfügung zu stellen.»

Gar keine mehr? «Für die nächsten 4 Jahre ist das kein Thema für mich. Ich schliesse es nicht für toujours aus. Aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist es keine Frage, die sich mir stellt.» Sie richtet ihren Fokus voll auf ihr Engagement im Grossen Rat.

Als Privatbürgerin würde es die 55-Jährige aber sehr beschäftigen, wenn es bei den Zweisimmner Gesamterneuerungswahlen zu einer stillen Wahl käme: «Das würde ich nicht gut finden. Da ginge sehr viel Ortswissen verloren, wenn alle Bisherigen in 4 Jahren gleichzeitig aufhören müssten.»

Ernst Hodel wäre allenfalls für 2 Jahre zu haben

Der amtierende Gemeinderatspräsident Ernst Hodel – vor 4 Jahren in letzter Minute für eine Wahlalternative erfolgreich angetreten – will sich für seinen Entscheid, ob er sich der Wiederwahl stellt, bis Mitte September Zeit lassen. Noch mal eine ganze Legislatur sähe er allerdings nicht: «Ich werde in 2 Jahren 70, und meine Frau wird dann pensioniert.» Bis dann könnte er die im Bau befindliche Simmental-Arena und das Grossprojekt des neu ausgerichteten Bahnhofs zu einem Ende bringen.

Das Gleiche hofft er ebenso für den Spitalneubau – «um auch hier das Ende des Tunnels zu erreichen». Weitere Zielsetzungen sind die Aufgleisung der neuen Sporthalle (für die der Gemeinderat im Dezember mit einem Baukredit vor den Souverän tritt) und das Pushen des Bahnhofs als Einstiegsportal für Aktivitäten in der Gemeinde und in der Region.

Das weitere Vorgehen werde Hodel mit der BDP noch besprechen. Bei seiner Entscheidfindung dürfte auch mitspielen, wie das Interesse für das Ratspräsi­dium sein wird: «Wenn der Run gross ist, habe ich es wohl nicht so gut gemacht.» Handkehrum ist er aber auch kein Freund von stillen Wahlen und findet eine Auswahl für die Bürgerinnen und Bürger besser. «Für mich gilt: Ich fühle mich gesund und zwäg und interessiere mich für die Gestaltung der Zukunft.»

Berner Oberländer

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