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Komplize bestreitet Mord-Beteiligung

Lüdi-MordÜberraschung zum Prozessauftakt im Fall des 2003 in Roggwil umgebrachten Metzgers Willi Lüdi (79): Der angeklagte Mittäter zieht sein früheres Teilgeständnis zurück. Jetzt will er nur den «Chauffeur» gespielt haben.

Immer wieder schüttelt der Mann mit dem Pferdeschwanz den Kopf, murmelt leise etwas vor sich hin. Der 30-jährige Angeklagte, der an Fussfesseln gekettet ist und von einem Polizisten bewacht wird, kann nicht verstehen, was ihm vorgeworfen wird: dass er beim brutalen Raubmord am ehemaligen Roggwiler Metzgermeister Willi Lüdi im August 2003 eine zentrale Rolle gespielt habe. Ein Verhalten, mit dem der 30-jährige Serbe das fünfköpfige Regionalgericht Aarwangen sichtlich irritiert. Überraschende Kehrtwende Denn während der Voruntersuchung hatte er noch ausgesagt, er sei das Auto zum Tatort in Roggwil gefahren und auch in der Wohnung des Opfers gewesen. Doch in einem 22-seitigen Brief aus der U-Haft widerrief er vor der Gerichtsverhandlung sein Teilgeständnis. Er sei zwar gefahren, gibt er in recht gutem Deutsch zu. Er habe aber draussen im Wagen auf die Rückkehr seines Mittäters gewartet. «Ich war nicht im Haus.» Der Angeklagte begründet seinen Rückzieher damit, er habe sich selbst belastet, um seine Familie zu schützen. Er werde massiv bedroht – vom Familienclan und Freunden seines Komplizen, der 2006 für den Lüdi-Mord bereits zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden war. Als der Staatsanwalt nachhakt und mehr über seinen plötzlichen Rückzieher wissen will, weiss der Angeklagte keine plausible Antworten. «Ich kann nicht mehr dazu sagen» Gestern Freunde, jetzt Feinde Dass die beiden Räuber heute nicht mehr die besten Freunde sind, zeigt sich auch, als der bereits verurteilte Täter als Auskunftsperson dem Gericht Red und Antwort steht. «Er hat mein Leben kaputtgemacht», sagt der 36-Jährige, der ebenfalls aus Serbien stammt und in der Zürcher Justizvollzugsanstalt Pöschwies einsitzt. Dabei zeigt er resigniert auf seine Fussfesseln. Auch was den Mord in Roggwil anbelangt, scheinen die beiden von einer anderen Tat zu sprechen. Während der jetzt Angeklagte behauptet, er sei nie im Haus des Opfers gewesen, behauptet sein Komplize das Gegenteil. Der Angeklagte habe dem alten Metzger den Mund zugehalten und sei auf seine Brust gekniet. Dann hätten sie ihn gefesselt, «um Zeit zum Abhauen» zu gewinnen. Wieder schüttelt der Angeklagte stumm seinen Pferdeschwanzkopf. Dass er überhaupt gefasst wurde, ist ein Zufall. Jahrelang lebte er mit Freundin und zwei Kindern in einer Zürcher Gemeinde. Bis ihn die Polizei im Mai 2009 im Zusammenhang mit einem Bagatelldelikt schnappt – fast sechs Jahre nach dem Raubmord in Roggwil. «Unser Vater war wehrlos» Neben dem im Hauptverfahren bereits verurteilten Täter waren gestern auch die beiden Söhne des Opfers vor Gericht als Zeugen geladen. Die 50- und 52-jährigen Männer zeichnen ein ziemlich übereinstimmendes Bild von ihrem Vater: Der sei ein «gschaffiger», aber eigensinniger Mensch gewesen, der nur seine Meinung gelten liess. Zuletzt sei er aber gesundheitlich angeschlagen gewesen, habe kaum mehr gehen können. «Undenkbar», so sagen beide, «dass sich unser Vater ernsthaft wehren konnte.» Heute geht die Verhandlung unter dem Vorsitz von Richter Fritz Aebi mit der Einvernahme von weiteren Zeugen und Sachverständigen weiter. Das Regionalgericht in Aarwangen will das Urteil am kommenden Dienstag fällen.Stefan Aerni>

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