Zum Hauptinhalt springen

«Konzert Theater Bern muss wirtschaftlicher arbeiten»

Abstimmung Worin liegen die Chancen und Risiken der Fusion von Stadttheater und Berner Symphonieorchester? Im Vorfeld der Abstimmung über die Kulturverträge stellt sich Hans Lauri, Ex-Ständerat und künftiger Präsident von Konzert Theater Bern, der Kritik am Fusionsprojekt und erklärt, was sich ändern wird.

Herr Lauri, am 15.Mai stimmt die Stadt Bern über den Subventionsvertrag mit der neuen Institution Konzert Theater Bern (KTB) ab. Sind Sie nervös? Hans Lauri: Nein. Die Abstimmung im Stadtrat hat gezeigt, dass eine deutliche Mehrheit der Politiker dahintersteht. Ich gehe davon aus, dass dies auch bei der Bevölkerung der Fall ist. Konzert Theater Bern soll jährlich insgesamt 37 Millionen Franken erhalten, davon 14,5 Millionen von der Stadt Bern. Was sagen Sie Stimmbürgern, die daran zweifeln, dass dieser stolze Betrag gut investiert ist? Bern braucht eine starke Kultur, die nicht vorab kommerziell ausgerichtet ist. Kultur ist nicht irgendein Anhängsel, sondern ein wichtiger Teil des Lebens. Sie führt zu Diskussionen, neuen Gedanken, die kulturellen Wurzeln werden sichtbar. Das klingt ziemlich allgemein und dürfte die Skeptiker nur bedingt befriedigen. Ein weiteres, mehr politisches Argument: Bern unternimmt grosse Anstrengungen, um neben den drei grossen Wirtschaftsregionen zu bestehen und als eigenständige «Hauptstadtregion» wahrgenommen zu werden. Wer national ernst genommen werden will, darf bei der Hochkultur nicht abseitsstehen. Den überwältigenden sinfonischen Klang, Aufführungen von der grossen Klassik bis zu zeitgenössischen Werken, die Emotionen einer Oper – dies und noch mehr kann nur ein Mehrspartenhaus wie Konzert Theater Bern bieten. Man kann argumentieren: Für ein richtiges «Hauptstadttheater» mit entsprechender Ausstrahlung, namentlich bei der Oper, ist der Subventionsbetrag eigentlich zu gering – für ein Provinztheater aber zu gross. Ich kann den Gedanken verstehen. Was nicht heisst, dass ich ihn auch teile. Es geht darum, das Optimum aus dem herauszuholen, was im kulturpolitischen Umfeld derzeit möglich ist. Deshalb halte ich unser Projekt für realistisch und sinnvoll. Worin sehen Sie die grössten Chancen und Risiken der Zusammenlegung von Stadttheater und Symphonieorchester? In der gemeinsamen Institution entfallen Reibungsverluste und Doppelspurigkeiten. Die Sparten können sich besser entfalten, und über Synergien fliessen zusätzliche Mittel in die Kunst. Die Institution als Ganzes kann eine eigene Identität entwickeln und einen Mehrwert schaffen – zum Beispiel mit spartenübergreifenden Projekten. Ein gutes Vierspartenhaus ist mehr als die blosse Summe von vier Einzelteilen und die Risiken? Dass wir an diesem Anspruch scheitern – wir als Projektleitung und jene, die den Betrieb künstlerisch verantworten werden. Das Projekt hat Hunderttausende Franken gekostet. Sie sind bereits der vierte Projektleiter. Gibt Ihnen das nicht zu denken? Doch, sogar sehr, auch als Steuerzahler und ehemaliger Politiker. Aber mein Auftrag ist nicht Geschichtsbewältigung, sondern Gestaltung der Zukunft. Und ich bin fest davon überzeugt, dass ich nicht nur der vierte, sondern auch der letzte Projektleiter bin (lacht). Der Fusionsprozess wird als «kulturfern» kritisiert. Es sei bloss über Strukturen und Organisationsfragen nachgedacht worden, nicht aber über Visionen und Inhalte. Ich verstehe, dass von aussen dieser Eindruck entstehen konnte. Aber wenn man das Ganze betrachtet, ist er falsch. Weshalb? Wir sind gestartet mit dem organisatorischen Umbau. Da geht es um Stellen, um Geld, um künftige Strukturen. Das sieht man von aussen. Daneben läuft aber intern ein weiterer Prozess, und da geht es um Inhalte. Wir haben einen ersten Workshop mit dem obersten Kader und dem künftigen Stiftungsrat bereits hinter uns. Weitere Workshops stehen bevor, damit wir Ende Juni auch die inhaltliche Stossrichtung der neuen Institution präsentieren können. Später wird sich dazu auch der neue Direktor einbringen. Der Subventionsvertrag ist im Stadtrat auf Kritik gestossen. Die Vorgaben seien ungenügend, hiess es unter anderem. Wir haben mit den Politikern gesprochen und wissen präzis, was man von uns erwartet: eine erfolgreiche Institution, anhaltend gute Qualität beim Orchester, in Schauspiel und Ballett, eine Steigerung im Musiktheater, eine Zusammenarbeit ohne Misstöne, keine gesamthaft defizitäre Beitragsperiode. Vieles steht aber eben nicht im Subventionsvertrag. Es ist richtig, dass der neue Vertrag mehr Spielraum lässt als bisher. Er macht etwa keine Angaben darüber, wie viele Konzerte und Aufführungen die Institution veranstalten soll. Das macht Sinn. KTB soll nicht über administrative Vorgaben, sondern über geeignete Personen und Vertrauen geführt werden. Führt dies nicht zum Ziel, so sind die personellen Konsequenzen zu ziehen. Konzert Theater Bern muss die Subventionsperiode 2011–2015 gesamthaft mit schwarzen Zahlen abschliessen. Sind Sie zuversichtlich, dass dies gelingt? Ja. Aber es braucht zusätzliche Anstrengungen. Wir werden beispielsweise klarere Verantwortlichkeiten der Kulturschaffenden auch im Finanziellen fordern und bisherige Reibungsverluste eliminieren. Wir werden ein neues Rechnungswesen einführen, das eine Spartenrechnung zulässt, was bisher nicht möglich war. Zudem muss KTB gesamthaft unternehmerischer werden. Was heisst das konkret? Wir wollen die künstlerische Freiheit der Sparten erhöhen, sie aber gleichzeitig mehr finanzielle Verantwortung tragen lassen. Das Marketing soll auf der Grundlage einer klaren künstlerischen Profilierung verbessert, die ganze Institution tiefer in der Gesellschaft verankert werden. Das Gebäude am Kornhausplatz soll auch für andere Anlässe geöffnet werden. Der neue Direktor muss mit den Spartenleitern im Vergleich zu heute deutlich mehr Öffentlichkeitsarbeit leisten. Das Stellenprofil des künftigen Direktoriums ist auf Kritik gestossen. Man befürchtet einen «Super-CEO», der mit Kultur wenig am Hut hat. Die Angst ist unbegründet. Reissen nicht alle Stricke, so werden wir einen Direktor vorstellen können, der sowohl die künstlerischen wie die wirtschaftlichen Anforderungen erfüllt. Was würde eine Ablehnung des Subventionsvertrags bedeuten? Bern würde wohl einen schmerzvollen Imageschaden erleiden. Die Enttäuschung der Mitarbeitenden wäre enorm, die Wahl eines neuen Direktors ausgeschlossen. Stadt, Kanton und die Region müssten die politischen Alternativen aufzeigen.Interview: Oliver Meier >

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch