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Kritik an Papst in aller Munde

deutschlandPapst Benedikt XVI. ist ab heute erneut in Deutschland zu Gast. Doch ob der mittlerweile dritte Besuch des katholischen Kirchenoberhaupts in seinem Heimatland überhaupt noch ein Erfolg werden kann, ist zweifelhaft.

Wenn Papst Benedikt XVI. heute in Deutschland ankommt, muss er sich nicht nur im Zusammenhang mit seiner Rede vor dem Bundestag auf Proteste einstellen. «Der Papst steht für eine menschenfeindliche Geschlechter- und Sexualpolitik», lautet die zentrale Botschaft seiner Gegner, die in den zu bereisenden Bistümern Berlin, Erfurt und Freiburg vielfältige Proteste gegen ihn organisieren. Bereits seit Wochen diskutieren sie in Veranstaltungen über «Benedikts Kreuzzug», in dem er «die Moderne bekämpft», oder über den «heiligen Schein», hinter dem sich der Vatikan in der Debatte um den Umgang mit Homosexuellen verstecke. Kritisiert wird zudem die katholische Haltung zur Gleichstellung von Frauen und zur «Kondompolitik». «Unser Bündnis protestiert nicht gegen den Glauben, sondern fordert auch Katholiken zum Protest gegen die Haltung der Kirche auf», sagte Pascal Ferro, Koordinator des Berliner Protestbündnisses «Der Papst kommt». Teilnehmen könnten sie zum Beispiel am «bunten, lauten und ausgelassenen Protest» während der Bundestagsrede des Papsts, den die Berliner Justiz inzwischen vom Brandenburger Tor an den Potsdamer Platz verbannte. Die Kundgebung findet bewusst zeitgleich zur Papstrede im Parlament statt. «Uns ist völlig unverständlich, warum der Papst im Bundestag reden darf», sagt Ferro. Der Vatikan habe «eigene menschenfeindliche Gesetze» und sei «doch noch nicht einmal eine Demokratie». Religionsfreie Zone In Erfurt, wo der Papst morgen Freitag eintreffen soll, plant das linksgerichtete Bündnis «Heidenspass statt Höllenangst» für den frühen Abend eine Demonstration. Parallel zur grossen Papstmesse am Samstagmorgen auf dem Domplatz in Erfurt wollten die Kritiker zudem eine sogenannte religionsfreie Zone im Stadtzentrum einrichten. Auch die Kritiker im badischen Freiburg erwarten Benedikt XVI. mit einer klaren Ansage: «Freiburg ohne Papst» heisst das Gegnerbündnis, auf dessen Internetseite das Freiburger Münster mit einem rosafarbenen Kondom über seinem Turm prangt. Dem Papst müsse ebenso wie Repräsentanten totalitärer Staaten klar widersprochen werden, wenn er sich etwa gegen Homosexuellen- oder Frauenrechte positioniere. «So jemanden muss man doch in die Schranken weisen», fordert Mathias Falk, einer der Organisatoren des Protests. Boykott von Abgeordneten Der geplante Boykott der Papst-Rede durch Dutzende Abgeordnete von SPD, Grünen und Linken überlagerte auch im Bundestag bereits vor dessen Ankunft andere Themen der Reise. Auch Politiker werfen Benedikt vor, als Staatsoberhaupt des Vatikans Herrscher eines undemokratischen Staates zu sein. Und auch viele Abgeordnete stossen sich an der strikten Sexualmoral der katholischen Kirche. In Freiburg will sich der Papst am Sonntag nach einem Gespräch mit Verfassungsrichtern über das Verhältnis von Staat und Kirche in Deutschland äussern. Zu diesen Themen kommen Begegnungen mit Jugendlichen, Vertretern des Judentums, der Orthodoxen und des Islam sowie ein Gespräch mit Altkanzler Helmut Kohl. Alles in allem über 20 Termine in gerade mal gut 80 Stunden, die der Papst auf deutschem Boden verbringen wird. Schon Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. war bei seinen Deutschlandbesuchen auf wachsende Kritik gestossen, auch bei ihm spielte die katholische Sexualmoral eine grosse Rolle. Bei Themen wie der Ablehnung der Homosexualität oder dem Verbot der Verhütung hat sich die Haltung der Kirche seither nicht geändert. Zudem ist durch den Missbrauchsskandal Tempo gekommen in den Prozess der Abwendung. Mehr als 181000 Menschen traten 2010 aus der katholischen Kirche aus, 57000 mehr als im Jahr davor.sda>

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