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Kritische Einwände zum Flugplatz Meiringen

orientierung60 Personen kamen an die Informationsveranstaltung zur Nutzung des Militärflugplatzes. Es wurden alte Anliegen verstärkt und neue Fragen gestellt.

Ein Anwohner hat festgestellt, dass nebst der rein militärischen Nutzung vermehrt zivile Aktivitäten auf dem Flugplatz stattfanden. «Dies verursacht zusätzlichen Verkehr und Immissionen.» Als Beispiele fügte er an: Modellflugzeuge, Pistolenschiessen, Sicherheitsausbildung, Flugtage. Er befürchtet eine schleichende Öffnung für Zusatzaktivitäten. Manuel Flückiger, Projektleiter vom Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) bestätigt den expliziten Ausschluss ziviler Nutzung und nahm den Kritikpunkt entgegen. Flugplatzleiter Peter Merz erinnerte an den «Tante Ju-Tag», der in Absprache mit der Tourismusorganisation Haslital als Touristenattraktion durchgeführt wurde. Aufweichung? Eine Vertreterin des Gastgewerbes befürchtet zukünftige Flüge auch nach 22 Uhr. Die Flugplatzverantwortlichen können Ausnahmen vom Nachtflugverbot nicht ausschliessen. Insbesondere ist zur Zeit eine Neudefinition der Einsatzbereitschaft der Luftwaffe im Parlament in Diskussion. Wird die Bereitschaft auf 24 Stunden ausgelegt, könnte das auch Auswirkungen für den Flugplatz Unterbach bringen. Zum Thema Lärm meldeten sich gleich mehrere besorgte Bürger. Lärm macht krank und kann zu Herzinfarkt führen, brachte ein Anwohner vor und zitierte dazu eine Studie der Uni Bern. Den Lärmkataster hat Walter Krebs von der EMPA im Auftrage des VBS erstellt und dabei die anerkannten mathematischen Modellrechnungen angewendet. Das Verfahren mit dem Rechenschieber beschönige die Realität des tatsächlichen Lärms und kam bei einigen Anwohnern nicht gut an. Insbesondere als der EMPA-Sachbearbeiter eingestehen musste, dass er noch keinen Start einer F/A-18 hautnah miterlebt habe, schmolz seine Glaubwürdigkeit bei den Unterbächlern. Dass in den Berechnungen die Zunahme der F/A-18-Bewegungen berücksichtigt seien, war kein Trost. Immerhin verursacht ein F/A-18 fünf Mal mehr Lärm als ein Tiger! Der von der Firma Envica AG für den Umweltbericht verantwortliche Projektleiter Walter Brunner bekräftigte, dass die Grundlagen für den Bericht gesetzlich vorgegeben sind – sowohl beim Lärm wie bei den Luftschadstoffen (siehe auch Bericht zum Sachplan Militär in der gestrigen Ausgabe). Flugplatzkommandant Peter Merz begründete die geforderten 5000 Jet-Flugbewegungen mit der Stationierung einer Profi-Staffel in Unterbach. 17 Piloten gehen durchschnittlich 120 bis 150 mal pro Jahr in die Luft, daraus ergibt sich die festgelegte Obergrenze an Starts und Landungen. Ein Ausweichen auf Emmen, Sitten oder Payern oder ins Ausland ist nur bedingt möglich. «Aber Emmen hat 1200 Arbeitsplätze und nur 400 F/A-18-Flugbewegungen, Meiringen hat 200 Arbeitsplätze und zehn Mal mehr Lärm. Das ist nicht gerecht – mehr Arbeitsplätze wäre ein mögliches Entgegenkommen», schlug ein Vertreter der IG für weniger Fluglärm vor. Verschiedene Anwohner wollten wissen, wie die im Objektblatt beschriebenen Einschränkungen kontrolliert werden. Merz erläuterte, dass jede Abweichung von den Vorgaben erfasst und begründet werde. Bei Fehlverhalten werden Massnahmen ergriffen. Wo sind die Volksvertreter? Ein Votant zeigte sich enttäuscht, dass ausser den Gemeindepräsidenten von Meiringen und Brienz nur wenige lokale Politiker am Anlass teilnahmen. «Wir wünschten uns, dass unsere gewählten Vertreter unsere Anliegen aufnehmen und uns in Bern Gehör verschaffen», stellte er fest. In die gleiche Richtung zielte eine Anwohnerin, die konkret wissen wollte, wo denn alle früheren Forderungen aus dem Kontaktgremium und der IG eingeflossen seien. Der Gesprächsleiter stellte klar, dass der Bundesrat eine Interessenabwägung vornehmen musste und nicht alle Anliegen der Bevölkerung berücksichtig werden konnten. Ein Anwohner gab zu bedenken, dass heute eine Mehrheit der Bevölkerung in Brienz und im Hasli hinter Armee und Luftwaffe stehe. Ob dieses Gedankengut auch von zukünftigen Generationen getragen werde, sei ungewiss. Darum müsse das VBS sensibel mit den Anliegen der Anwohner umgehen. Auserdem können sich aktive und ehemalige Mitarbeitende des Flugplatzes in die Mitwirkung einbringen. Der Flugplatz habe auch positive Seiten.Beat Jordi>

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