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Kröte schlucken

rené e. gygax

Die Kostensteigerung beim KKThun ist ebenso unerfreulich wie sie voraussehbar war. Und Salamitaktik der Politiker kommt beim Volk ganz schlecht an: Zuerst eine Abstimmungsvorlage so abspecken, dass sie beim Souverän glatt durchgeht, um dann später laufend Nachkredite und Zusatzkosten geltend zu machen. Trotz dieser Feststellungen hat der Stadtrat meines Erachtens keine andere Wahl, als dem Antrag des Gemeinderates (Variante 3, siehe Bericht nebenstehend) zuzustimmen. Er muss die Kröte schlucken. Denn: Wenn schon ein Kultur- und Kongresszentrum Thun, dann ein richtiges und kein halbfertiges Bauwerk. Eine Klimaanlage gehört heutzutage (bei stets steigenden Temperaturen) schlicht zu einem solchen Bauwerk – im Ausland würde man darüber lachen, dass man das schon nur diskutiert. Das KKThun ist das bedeutendste gegenwärtige öffentliche Bauprojekt der Stadt Thun. Es muss für mindestens die nächsten zwei Generationen top funktionstüchtig sein. In fünf oder zehn Jahren kräht kein Hahn mehr danach, ob das KKThun nun 19 oder 24 Millionen kostete. Es war schon bei verschiedenen anderen bedeutenden Bauwerken der öffentlichen Hand so, dass sie weit mehr kosteten als ursprünglich veranschlagt. Für mich ist bei solchen Diskussionen das schlagendste Beispiel immer der Furkatunnel. Der damalige Walliser Bundesrat Roger Bonvin wurde im Bundeshaus fast gesteinigt, weil der Tunnel am Schluss das Doppelte kostete. Heute ist jedermann dankbar, dass er das Bauwerk durchpaukte. Und Bonvin hat posthum im Wallis Heldenstatus. Das gegenteilige Beispiel ist der Neat-Tunnel im Lötschberg. Dort wurde auf den doppelspurigen Vollausbau aus Kostengründen verzichtet. Bereits wenige Jahre nach der Eröffnung versteht das niemand mehr. Und heute ist der Vollausbau schon wieder auf der politischen Agenda – bei weit höheren Kosten. Darum, und zurück zum KKThun: Lieber eine Kröte jetzt schlucken als später einen ganzen Teich! re.gygax@bom.ch>

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