Zum Hauptinhalt springen

Künstler spielen mit der Erwartungshaltung

AusstellungSkulptur, Malerei, Fotografie: Mit «Urban Marginalities» wagt sich die Edgar Frei Private Gallery an die Grenzen der Wahrnehmung.

Der frisch renovierte Flur führt in ein kleines Gästezimmer. Als hätten die Bauarbeiter etwas zurückgelassen, steht darin ein aufgeschütteter, spitzer Betonberg. Wie ein Pfeil ragt er zur Zimmerdecke und verschmilzt mit einer eckigen Holzkonstruktion. Bei der Skulptur, die in einem Ausstellungsraum der noch jungen Edgar Frei Private Gallery im Kirchenfeldquartier steht und an den Umbau vom feudalen Herrenhaus zur Galerie erinnert, handelt es sich um ein Werk des Berner Künstlers Niklaus Wenger. Spielerisch hebt der 33-Jährige die Grenzen zwischen Architektur und Kunst auf: Nie können sich die Betrachter sicher sein, ob es sich bei seinen zusammengezimmerten Skulpturen nicht doch um Baustellenfragmente handelt, oder ob sich unter einer aufgemalten Holzstruktur am Ende ein massiver Betonblock versteckt. Fiktive Architektur In der Ausstellung «Urban Marginalities» stehen Wengers Werke Arbeiten des Baslers Thomas Hauri und des Tessiners Gian-Paolo Minelli gegenüber. Auch sie führen die Betrachter bewusst hinters Licht – der 37-jährige Hauri, indem er auf Leinwand oder Papier fiktive Architekturmodelle schafft; der 43-jährige Minelli, indem er in den urbanen Randgebieten dieser Welt Fotografien aufnimmt, die auf den ersten Blick wie gemalt erscheinen. Kunstvolle Aufnahmen von verwahrlosten Wohnblöcken in Pariser Banlieues, einer abgebrannten Fischereifabrik in Patagonien oder einer ehemaligen Waffenfabrik in Tschechien erheben Unorte in den Kunststatus. Statt Unorte kreiert Thomas Hauri Nichtorte, trägt Schicht für Schicht schwarze Farbe auf, bis das Gemälde den Anschein eines architektonischen Gebildes annimmt und doch keinen rechten Sinn ergeben will. Auf seinen Collagen gesellen sich aus Katalogen ausgeschnittene Möbelbilder zu den strengen Linien – doch auch sie vermögen die fiktiven Räume nicht zu verorten. Urbane Randgebiete Hauris Bilder und Collagen fügen sich perfekt ein in die von Massimiliano Madonna kuratierte Ausstellung, die bewusst Ränder ins Zentrum rückt: urbane Grauzonen, architektonische Ränder, aber auch die Grenzen der eigenen Wahrnehmung. Letztere werden nicht von allen Künstlern gleich intensiv ausgelotet. Während Minelli in seinen Fotoarbeiten die Schönheit von gemiedenen Orten freilegt und Hauris vielschichtige Gemälde überraschen, wirken dessen Collagen redundant. Und auch Wenger vermag mit seinen Skulpturen trotz visuellem Überraschungseffekt nicht richtig zu packen. Denn die Frage, ob Holz nun Holz oder Kunst ist, erschöpft sich bald einmal. Stefanie ChristAusstellung:bis am 3.12., Edgar Frei Private Gallery, Weststrasse 16. Öffnungszeiten: Fr und Sa, jeweils 15?19 Uhr. >

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch