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Künzi sorgt für scharfe Kufen und Kurven

belle-Epoque-wocheSie flitzen mit bis zu 60 Kilometern pro Stunde durch den Oeschiwald: An der Belle-Epoque-Woche, die am Sonntag beginnt, sind die Bobrennen mit alten Schlitten zu einer Hauptattraktion geworden. Für schnittige Kurven und scharfe Kufen sorgt der Kandersteger Patrick Künzi.

«Dabei sein ist alles»: Diese Worte beschreiben den olympischen Grundgedanken. Unter Beweis gestellt hat ihn eine waghalsige jamaikanische Bobmannschaft, die sich 1988 im kanadischen Calgary trotz allen Widerständen für die Olympischen Spiele in Calgary qualifizierte. Ihre Geschichte, lose interpretiert, wurde unter dem Namen «Cool Runnings» verfilmt, was übersetzt aus der jamaikanischen Sprache Patois so viel heisst wie «Gute Reise!». Wer kennt sie nicht, die Szene, in der die vier Jamaikaner analog zum Schweizer Team ihren schweren Bob mit den Worten «eis, zwöi, drü» anschieben und ins Tal schicken Mit Grossvaters Schlitten «Dabei sein ist alles», dieses Motto könnte auch für die Bobrennen an der Belle-Epoque-Woche, die am Sonntag in Kandersteg beginnt, gelten (siehe auch Kasten). Sie haben sich in den letzten drei Jahren, in der das Bergdorf Ende Januar jeweils für eine Woche die Uhren um über 100 Jahre zurückdreht, zu einer Hauptattraktion gemausert. Für das blanke Eis, die schnellen Kufen und Kurven und die genaue Zeit sorgt unter anderem der Einheimische Patrick Künzi. Früher Betriebsleiter auf der lokalen Eisbahn – und damit Meister im Umgang mit Kälte und Glätte –, arbeitet der 41-Jährige seit einigen Jahren als Teamleiter bei einem Uetendorfer Metallbau-Unternehmen. Dem Bergdorf und dem Kandersteger Tourismusvorstand ist er jedoch treu geblieben. Als vor über drei Jahren die Idee der Belle-Epoque-Woche entstand, war er sofort dabei. «Schuld» an der Idee für die Bobrennen hatte auch ein alter Schlitten, den die Familie auf ihrem Dachboden gefunden hatte – er gehörte Patrick Künzis Grossvater. Und da Künzi nicht nur den Umgang mit Eis bestens kennt, sondern auch mit Metall, baute er zusammen mit dem lokalen Schreiner Toni Niedhardt und dessen Lehrling in etwa 130 Stunden Arbeit drei neue Bobschlitten nach altem Vorbild. Bobbahn für die Touristen Die drei neuen Schlitten, jener von Künzis Grossvater sowie ein zweites Kandersteger Boboriginal werden nun an den Bobrennen allen Waghalsigen zur Verfügung gestellt. Die rund 700 Meter lange Piste durch den Oeschiwald ins Tal war früher übrigens mehr als doppelt so lang und wurde nach dem Ersten Weltkrieg für die Touristen hergestellt, die nach Kandersteg kamen. Als Hauptattraktion für jene, die mehr wollten als nur curlen. Die meisten von ihnen waren zu jener Zeit bekanntlich Engländer, und für die lokalen Hoteliers war es Ehrensache, ihre Gäste sicher ins Ziel zu pilotieren. Die Schlitten wurden per Pferdegespann vom Ziel hinter der Bäckerei Klopfer auf dem Weg zum Oeschinensee zum Startplatz auf der Höhe des Elektrizitätswerks hochgezogen. Das Vergnügen der Abfahrt war nur eines der Gäste, nicht jedoch der einheimischen Bevölkerung – für Rennen hatten die hart arbeitenden Einheimischen damals keine Zeit. Heute wird die ehemalige Bobbahn als Schlittelbahn benutzt, von den Gemeindearbeitern in Schuss gehalten und während der Belle-Epoque-Woche von Patrick Künzi und seinen Helfern zur Bobbahn umgenutzt. Anstatt Pferdekutschen ziehen heute Motorschlitten die imposanten Schlitten den Hang hinauf. «Damit können wir mehr Leute teilnehmen lassen – und im Zuschauerraum muss niemand 20 Minuten warten, bis der nächste Bob ins Ziel fährt», sagt Künzi. Bis zu 60 Kilometer pro Stunde Die Bobrennen finden am Sonntag, 22. Januar, von 14.15 Uhr bis 16.15 Uhr, am Donnerstag, 26.Januar, von 18 bis 20 Uhr und am Sonntag, 29. Januar, von 14 bis 16 Uhr statt. Pro Fahrt und Gast werden fünf Franken berappt, eine Anmeldung ist nicht zwingend. Gestartet wird immer mit einem Piloten, den die Organisatoren zur Verfügung stellen. Weiter haben zwei Gäste Platz, wobei der hinterste für das Bremsen verantwortlich ist. «Je nach Zustand der Piste kann schon mit bis zu 60 Kilometern pro Stunde gefahren werden», sagt Patrick Künzi. Zurzeit sei der Zustand der Pisten etwas zu glatt, er hofft darum bis zum Wochenende auf Schneefall. Bobteam aus Montreux Künzi macht sich dann auch schon mal Sorgen um das Wohl seiner Bobfahrer und weist darauf hin, dass alle in eigener Verantwortung in den Bob steigen. Ein eigentlicher Teamwettbewerb findet nicht statt, doch werden die Zeiten aller Teilnehmenden gemessen. «Letztes Jahr hatten wir Gäste aus Australien unter den Bobfahrern – sie hatten grossen Spass», erinnert sich Künzi. In diesem Jahr hat sich sogar eine richtige Bobmannschaft angemeldet. Nein, aus Jamaika kommt sie nicht – jedoch aus Les Avants bei Montreux – gute Reise!Sarah McGrath-Fogal>

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