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Label für CO 2 -neutrales Fleisch

In der Diskussion um die Klimaerwärmung gerät oft die Tierhaltung ins Visier. Auch wenn der Mensch

Dass der Mensch sinnvollerweise Fleischesser sein soll, wird immer mal wieder in Frage gestellt: von Vegetariern, die finden, man dürfe dies aus Respekt vor den Tieren nicht tun. Von Ökologen, die die Tierhaltung als Verursacherin von Treibhausgasen kritisieren. Oder von Entwicklungshelfern, die beklagen, dass die Tierhaltung verglichen mit dem Ackerbau eine ineffiziente Art der Kalorienproduktion ist. Heikle Diskussion Fleisch hat offensichtlich auch ein zweifelhaftes Image. Die Diskussion darüber ist komplex. Das verdeutlichte eine Veranstaltung an der Beef.ch, dem «Weidfäscht» der Schweizer Mutterkuhhalter auf dem Pfannenstiel bei Meilen ZH, Ende August. Fritz Schneider, Vizedirektor an der Schweizerischen Hochschule für Landwirtschaft in Zollikofen und Kenner der Materie, betonte, dass eine Milliarde Bäuerinnen und Bauern weltweit für ihr Einkommen und ihre Ernährung zumindest teilweise von Nutztieren abhängig sind. «Mehr als 500 Millionen der Armen dieser Welt ernähren sich und erwirtschaften ihr unzureichendes Einkommen vollständig durch Nutztiere», sagte er. Die Tierhaltung sei weltweit und auch in der Schweiz nur schon deshalb nicht wegzudenken, weil Weideflächen, die als Ackerland nicht geeignet seien, von Wiederkäuern genutzt werden könnten, die Milch oder Fleisch oder beides lieferten. Gefahr relativieren Unbestritten ist indes, dass die Tierhaltung zur Klimaerwärmung beiträgt. Nach Berechnungen der Welternährungsorganisation FAO werden 18 Prozent der weltweiten Treibhausgase von der Tierproduktion verursacht. Davon stammen 36 Prozent aus der Entwaldung in den Tropen und vom Kohlenstoffausstoss der Böden. 7 Prozent stammen aus der Futtermittelproduktion, 56 Prozent aus der Tierproduktion an und für sich, das heisst vom Rülpsen der Kühe, vom Mist und von der Gülle. Da müsse man die Kirche wieder ins Dorf stellen, findet Bernard Lehmann, ETH-Professor für Agrarökonomie. Wichtigster Verursacher von Treibhausgasen sei nach wie vor der Mensch, hauptsächlich durch den weltweiten Auto- und Flugverkehr. Ein durchschnittlicher Schweizer esse im Jahr 11 Kilogramm Rindfleisch, das entspricht laut den ETH-Berechnungen 229 Kilogramm CO2. «Dafür könnten Sie eine 800 Kilometer weite Autofahrt machen oder von Zürich nach Luxemburg und zurück fliegen», zog Lehmann einen Vergleich. Für einen Flug auf die Kanarischen Inseln müsste der Durchschnittsschweizer bereits fünfeinhalb Jahre lang auf Rindfleisch verzichten. CO2-neutrales Rindfleisch Lehmann schlug darum den Mutterkuhhaltern vor, für ihre Produktion die CO2-Neutralität anzustreben, so wie es Grossverteiler Coop für das Jahr 2023 anvisiert. Die Rindfleischproduktion auf Grasland sei ressourcen- und klimaschonend und biete deshalb gute Voraussetzungen dafür, dass solche Ziele erreicht werden können. Die CO2-Reduktion könnte durch eine Kombination von verschiedenen Massnahmen erreicht werden: technische Lösungen auf dem Betrieb, Zuchtfortschritt und die Erforschung von Futterzusätzen, um die Fermentierung in den Kuhmägen zu vermindern, der Kauf von Emissionszertifikaten im Ausland oder auch eine reale CO2-Senkung durch vermehrte Anpflanzung von Bäumen in Agroforstsystemen. Das Fernziel wäre ein Label, mit dem die Mutterkuhhalter ihr Rindfleisch von der Weide als CO2-neutral auszeichnen und dafür auch einen höheren Preis verlangen könnten. Lehmann rechnet mit höheren Produktionskosten von 8 bis 10 Prozent. Produkt hätte Chancen Die entscheidende Frage ist: Wie sensibel sind die Konsumenten für ein CO2-Label? Werden sie bereit sein, für CO2-neutrales Rindfleisch tiefer in die Tasche zu greifen? Hermann Bader, Chef der Grossmetzgerei Traitafina, schätzt, dass CO2-neutrales Rindfleisch ein Mehrwert mit Chancen im Verkauf sei. Allerdings könnte es schwierig sein, die Konsumenten davon zu überzeugen. Momentan lägen den Konsumenten Fleischprodukte, die tierschutzgerecht produziert seien oder die weniger Fett oder mehr Omega-3-Fettsäuren enthielten, näher. Roland Wyss-Aerni,Lid >

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