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Lebendiges Spiel, zu wenig Besucher – Zukunft gefährdet ?

BoltigenDie Menuhin Academy Soloists überzeugten mit Elgar und Britten. Auch Haydns Violinkonzert in C-Dur überzeugte. Aber: Die tolle Leistung wurde nicht mit grossem Publikumsaufmarsch belohnt. Die Kirchenkonzerte stehen auf wackligen Beinen.

Eine Leistung, die sich hören lässt, aber ein Besucheraufmarsch, der für die Zukunft der Boltiger Kirchenkonzerte zu wünschen übrig lässt: Die Organisatoren wählten den Konzertbeginn eine halbe Stunde früher, um 19.30 Uhr: «Damit kommen wir den Konzertbesuchern entgegen, die gerne nicht zu spät und mit dem öffentlichen Verkehr nach Hause kommen möchten», wies Anton Ryf hin. Die schlechten Besucherzahlen stimmen ihn nachdenklich. «Es ist traurig, dass ein Konzert, für welches ein Orchester viel übt und ein sehr ansprechendes Programm bietet, nicht besser besucht wird. Trotz den Hunderten versandten Programmen hatten wir im Vorverkauf nur etwa 70 Reservationen. Nötig wäre etwa das Doppelte und auch dann wären an der Abendkasse noch freie Plätze verfügbar. Insgesamt sollte ein Konzert wie dieses von 150 bis 200 Personen besucht werden.» Ryf verdankte die Unterstützung der Kultur Region – Alliance culturelle, der Kirchgemeinde und der Gemeinde Boltigen sowie den Mitgliedern des Supporterclubs. «Ohne dessen Unterstützung wären die Boltiger Kirchenkonzerte schon lange gestorben», bedauert Ryf. Englisch delikate Klangfarben Umso mehr kamen die Anwesenden in den vollen Genuss der Menuhin Academy Soloists, der bisherigen Camerata Menuhin. Der neue Name unterstreiche, dass es sich um Studierende der International Menuhin Music Academy (Imma) handle, an der junge Streicherinnen und Streicher sowie und Solistinnen und Solisten eine fundierte Fortbildung erhalten. Nebst den technischen Feinheiten überzeugten in Boltigen die delikat variierten Klangfarben des reinen Streichorchesters. Den Rahmen des Abends bildeten zwei Werke englischer Komponisten. Mit Edward Elgar stimmte das Orchester in das Programm ein. In Introduction und Allegro op. 47 traten David Gueran und Andrei Stanciu, Violinen, Luis Damian Ortiz Garcia, Viola, und Greg Tuske, Violoncello, als Steichquartett dem Orchester gegenüber. Starker Intensität folgten fein gestaltete Schattierungen: Das Streichquartett wirkte farbig, gut aufeinander eingespielt, und das Orchester fügte sich, ohne zu übertrumpfen, einfach schlicht ein. In einem Guss – auch optisch gesehen mit den einheitlichen Bogenstrichen – kam ebenso das Zusammenspiel in rasanter Fuge daher. Früher Haydn Ausgeprägter Streicherklang und leidenschaftlich lebendige Spielweise sorgten in Joseph Haydns Konzert für Violine und Streichorchester für jugendliche Frische. Lockere Verzierungen, ausgekostete, abgestufte Gestaltungskraft zwischen Solist Liviu Prunaru und «seinem» Orchester liessen aufhorchen. Zu zierlich wohltuender Pizzicato-Begleitung verzauberte der Violinist in geheimnisvollem Adagio. Draufgängerisch folgte das Finale. Liviu Prunaru wirkte als Leiter und als Solist ebenso glaubhaft, temperamentvoll und beweglich. Entzückend wirkte die Neuentdeckung Benjamin Brittens in Boltigen. Intensiv, den Kirchenraum ausfüllend, stimmte das Orchester in «Simple Symphony» op. 4 ein. Das Werk gehört zu Brittens frühem Schaffen. Des Engländers Liebe zu Streichmusik kam vollends zum Tragen. Unbeschwert wechselten die Motive und Klangfarben durch erste und zweite Violinen, Viola, Violoncello und Kontrabass. Wie ein ganzer Satz wirkt, ohne zu streichen, erlebten die schmunzelnden Zuhörenden in «Playful Pizzicato – presto possibile pizzicato sempre»: Von langsam bis sehr schnell, witzig, leise, auch mal kräftig und mehrstimmig ging das Zupfen der Saiten durch die Stimmen. Die jungen Streicherinnen und Streicher überzeugten mit unbändiger Energie. Erst nach den Zugaben «Silent Woods» von Dvorak für Cello und Streichorchester (Olha Levytska) und dem virtuosen «Zapateado» von Sarasate für Violine und Orchester (David Gueran) entliess das Bravo rufende Publikum das Streicherrund aus dem 41. – und hoffentlich nicht dem letzten – Herbstkonzert. Heidy Mumenthaler >

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