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Leere Bassins und leere Kassen

Mitten im Sommer macht das kalte Wetter den Freibädern einen Strich durch die Rechnung. Die Becken bleiben leer, der Umsatz der Restaurationsbetriebe ist eingebrochen.

Wylerbad, 19 Grad, das Schwimmbecken ist leer. Fast leer: Ein einzelner Mann in roter Badehose zieht seine Runden. Das schlechte Wetter, das den Berner Freibädern seit Wochen zu schaffen macht, ist ihm egal. «Die Kälte stört mich nicht», sagt er. «Aber die Weicheier bleiben jetzt zu Hause.» Das könne man ruhig schreiben, meint er. Seinen Namen aber lieber nicht. Was der ältere Herr so direkt anspricht, macht vor allem den Restaurationsbetrieben in den Freibädern zu schaffen: Mitten im Sommer, genau zur Ferienzeit, hat sich das gute Wetter aus Bern verabschiedet. Seit Wochen bleiben die Badegäste aus, seit Wochen dümpeln die Umsätze in der Tiefe. Umsatzeinbruch Hundert Meter vom Becken entfernt, beim Verpflegungsstand, zeigt sich die Badi-Misere eindrücklich: Bis auf ein Fenster sind die grauen Kioskrollos unten geblieben – die Plastikstühle lehnen an den Tischen, die Terrasse ist menschenleer. Die Zahlen dazu liefert Sascha Walker von der Sportgastro AG. Laut dem Betriebsleiter Restauration im Wylerbad sei der Umsatz im Juli im Vergleich zum Vorjahr um 48 Prozent eingebrochen. Dank des guten Monats Mai habe man aber insgesamt nur einen Rückstand von 14 Prozent auf 2010. Etwas anders tönt es im Freibad Weyermannshaus: «Wir wissen nicht, wohin mit den Gästen», beantwortet Roland Fuhrer die Umsatzfrage mit Galgenhumor. Doch dann fügt der Betriebsleiter Restauration ernster an: «Dass das Wetter gerade jetzt nicht mitspielt, ist ärgerlich.» Für gewöhnlich könne man im Juli für die folgenden Monate vorarbeiten. Als Trost blieben ihm die guten Frühlingsmonate sowie die Tatsache, dass man im Weyermannshaus auch unabhängig vom Freibad essen könne. Wie im Wyler kommen auch hier regelmässig Gäste zum Mittagessen. 150 statt 5000 Gäste Auch im Marzilibad wartet die Kioskbedienung geduldig auf Kundschaft. Auskunft über Umsatz und Personal könne sie leider nicht geben, sagt sie. Das müsste schon der Chef machen – der aber sei momentan nicht erreichbar. Auskunftsfreudiger zeigt sich Martin Bürgin im Wylerbad: «Ich kenne fast jeden, der bei diesem Wetter zu uns kommt», sagt der Bademeister. Ausser den Stammgästen würde sich an kalten Tagen kaum jemand blicken lassen. «Mehr als 150 Leute kommen heute nicht», sagt Bürgin und blickt über die leere Liegewiese. «Dabei rechnen wir an guten Tagen mit 5000 Besuchern.» Die kalten Tage könnten für ihn auch mal langweilig werden. «Zu tun gibt es dennoch immer», sagt der Bademeister. So würde man eben alles putzen und sich für den nächsten Ansturm bereit machen. Christian Zeier>

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