Zum Hauptinhalt springen

Lehrer und Polizisten unter Druck

Prominenter Besuch in Thun: Berns Polizeidirektor Hans-Jürg Käser (FDP) und Regierungsrat Bernhard Pulver (Grüne) debat-

Für Lehrkräfte im Kanton Bern wird es immer schwieriger, den Lehrplan durchzubringen und gleichzeitig Erziehungsaufgaben gegenüber ihren Schülern wahrzunehmen. Sie stehen vor einer stetig wachsenden sozialen Verantwortung. Die Berner Polizei hat ihrerseits Probleme zu beklagen: Das Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung ist deutlich gestiegen, doch die personellen Ressourcen sind seit 40 Jahren etwa dieselben. Sicherheit und Bildung: Regierungsrat Bernhard Pulver (Grüne) und Regierungsratspräsident Hans-Jürg Käser (FDP) referierten am Dienstagabend in Thun über diese heiklen Themen und äusserten ihre politischen Ziele. Polizei am Limit «Die Polizei ist am Anschlag», sagte Berns Polizeidirektor Hans-Jürg Käser. Für ihn ist die öffentliche Sicherheit eine der alltäglichen Staatsaufgaben. Da die Polizei personell strikte limitiert sei, ergebe sich ein Zielkonflikt in der Gewährleistung der Sicherheit: «An Fussball- und Eishockeyspielen brauchen wir 200 Polizisten», sagte Käser. Dabei ist dies ein Privatanlass. Der Organisator solcher Spektakel sei für die sichere Durchführung verantwortlich, nicht die Polizei. Der Regierungsratspräsident appellierte an das Pflichtgefühl in der Gesellschaft. «Wir müssen wieder lernen, mehr aufeinander zu achten.» Der Staat könne die Eigenverantwortung nicht ersetzen. Gegen Verschulung Auch Berns Lehrkräfte stünden unter Druck, erklärte Regierungsrat und Erziehungsdirektor Bernhard Pulver. Die Schüler stammen aus vielen Völkergruppen, hätten oft einen Migrationshintergrund. Erschwerend hinzu komme das Problem, dass Lehrkräfte immer mehr leisten sollen: «Die Lehrer übernehmen heute mehr Erziehungsaufgaben als früher», sagte Pulver. Da die Bildungskräfte unter Druck und ständiger Qualitätskontrolle stehen, müsse ihnen in Zukunft freiere Hand gelassen und Vertrauen entgegengebracht werden. «Es gilt, im Schulwesen wieder mehr Menschenverstand walten zu lassen.» Statt Strukturreformen zu lancieren, will Pulver mit den Lehrern in den Dialog treten. Schnittstelle Erziehung Die Schnittstelle zwischen den Direktionen Bildung und Sicherheit liege in der Erziehung, waren sich Käser und Pulver am Podium im Hotel Seepark einig. Es bestehe eine Tendenz zur Verschulung von elterlichen Erziehungsaufgaben. Die Folgen davon seien fatal. Käser brachte es auf den Punkt: «Wenn die Jugendlichen von zu Hause aus keine Regeln und Grenzen erfahren, fehlt ihnen das Gespür des sozialen Umgangs mit anderen Menschen – egal, ob im Ausgang oder auf der Schulbank.» Dino Dal Farra >

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch