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Lernen will gelernt sein

thunKeine einfache Aufgabe: Kinder und Jugendliche beim Lernen begleiten. Wie das geht, was Eltern wissen müssen und was sie besser

«Es chönnt meh, wenn es wett», sagen Eltern oft über ihr Schulkind. «Das stimmt», sagt Lerntherapeutin Alexandra Burger. Doch wie kommt man dahin, dass das Kind auch will? Für die Antwort scheinen sich vor allem Mütter zu interessieren. Sie erscheinen zahlreich am Mittwochabend zu Burgers Vortrag «Lustvoll lernen» in der Eiger-Aula in Thun, organisiert vom Elternrat Pestalozzi. Verschiedene Lerntypen «Kein Kind ist faul. Jedes Kind will von Natur aus lernen und gut sein», behauptet Burger. Allerdings gibt es einige Faktoren zu berücksichtigen, damit das auch so bleibt. Es ist wichtig, den Lerntyp des Kindes zu kennen. Lernt es über den Kanal Hören, Lesen oder Schreiben? «Es nützt wenig, wenn der Vater – ein Hörtyp – der Tochter – ein Sehtyp – die Math-Aufgaben ohne visuelle Hilfe zu erklären versucht.» Damit die Lernbegleitung optimal verlaufen kann, gilt es, die Wahrnehmung für den eigenen Lerntyp und für denjenigen des Kindes zu schulen und auf dem Kanal des Lernenden zu unterrichten, so Burger weiter. Bewegte Bilder attraktiver Kinder, die viel fernsehen oder am Computer spielen, reagieren besser auf bewegte Bilder als auf stehende. «Immer mehr Schüler verstehen stehende Bilder nicht mehr. Sie können den Informationsgehalt nicht entschlüsseln, finden sie langweilig und wenden sich davon ab. Auch diesen Aspekt muss man heutzutage bei der Lernbegleitung mit einbeziehen», meint Burger. Der Reiz eines bewegten Bildes sei für das Hirn eine Million Mal stärker als der eines stehenden Bildes. Deshalb gelte eine halbe Stunde vor und nach dem Lernen absolutes Bildschirmverbot. «Gelernter Stoff braucht eine halbe Stunde, um im Langzeitgedächtnis anzukommen. Wird das Hirn in dieser Zeit dem starken Reiz des bewegten Bildes ausgesetzt, ist das Gelernte bereits verdrängt, bevor es ins Langzeitgedächtnis kommt.» Und: «Wichtig ist aber, dass die Eltern den Kindern den Grund erklären und nicht einfach den Bildschirm verbieten», sagt Burger. Das Lernen lernen Überhaupt sei Verbieten oder Strafen keine gute Methode, um ein Kind zum Lernen zu bringen. Lernen muss in einer angstfreien Atmosphäre geschehen, sonst fängt das Kind an, sich zu verweigern. Lehrende sowie die Lernenden müssen akzeptieren, dass Lernen nicht immer lustvoll geschehen kann. «Das Lernen lernen an sich muss geübt werden.» Zu jeder Lernaufgabe braucht es somit eine Lernstrategie – also einen Plan, wie das Ziel erreicht werden soll –, etwa Franz-Wörter anhand einer Liste zu büffeln und dies in einer Lernstruktur einzubauen. Eine solche Lernstruktur kann ein Wochenplan sein, in dem die Lernzeiten eingetragen sind, an die sich das Kind halten muss. Begleiten und aushalten «Das Ziel ist, dass der Schüler anfängt, selbstständig zu lernen.» Ein Erstklässler soll ruhig ein paar Minuten alleine über einer Aufgabe brüten. Burger empfiehlt, einen klar abgetrennten Lernbereich zu schaffen – möglichst nicht im gemeinsamen Wohnbereich. Es gebe so keine Ablenkung für den Lernenden, und die Eltern könnten sich immer noch frei im Wohnzimmer bewegen und Musik hören. Bei Jugendlichen muss die Lernbegleitung entsprechend angepasst werden. Burger empfiehlt eine Lernsitzung pro Woche, in der man zusammensitzt, Aufgaben gemeinsam anschaut und Abmachungen kontrolliert. Ansonsten soll der Jugendliche Raum bekommen, um selbstständig zu lernen und zu planen. «Ganz wichtig ist, aufs Maul zu sitzen bis zur nächsten Lernsitzung, auch wenn der Sprössling vor dem Kühlschrank rumhängt, anstatt Aufgaben zu machen.» Aushalten, nennt Burger das. Wertschätzen und belohnen «Für Arbeit wollen wir alle entlöhnt werden. Auch Lernen ist Arbeit.» Die Wertschätzung der Eltern gegenüber dem Lernen ist enorm wichtig. So ist für Burger auch eine Belohnung legitim. In welcher Art, müssen die Eltern mit ihren Kindern abmachen. Sibyl Heissenbüttelwww.permanent-learning.ch >

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