Les Arts Gstaad: 13 Einsprachen als nächste Hürde

Gstaad

Gegen die zweite öffentliche Auflage für den geplanten 105-Millionen-Kulturbau Les Arts sind ein gutes Dutzend Einsprachen auf der Saaner Gemeinde­verwaltung eingegangen.

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Svend Peternell

Der seit 2005 geplante futuristische Kulturbau Les Arts Gstaad bleibt im Gespräch, aber in der unmittelbaren Nachbarschaft umstritten. Das hat die zweite öffentliche Auflage der von der Gemeinde Saanen und dem Kanton Bern publizierten Überbauungsordnung und des Baugesuchs (sie laufen im kombinierten Verfahren) gezeigt. Nach Ablauf der Einsprachefrist sind dreizehn Beschwerden auf der Gemeinde­verwaltung eingegangen. Vier davon sind Sammeleinsprachen, wie Gemeinderat Emanuel Raaflaub auf Anfrage erklärt.

Laut dem Präsidenten der Bau- und Planungskommission sind die Einsprechenden in erster Linie direkt Betroffene wie An­wohner und Nachbarn im Gebiet Ried in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs. Dort soll der Bau­körper mit dem Filetstück – einer 1200 Personen Platz bietenden Kristallgrotte als Konzertsaal – in den Boden verlegt werden.

Von aussen wird man eine Art Baumstrunk von 16 bis 17 Metern Höhe sehen, der sich in die Landschaft integrieren soll – so zumindest die Absicht des Architekten Rudy Ricciotti und der Stiftung Les Arts Gstaad als Bauherrin. Die Einsprecher beanstanden laut Emanuel Raaflaub grossmehrheitlich den Baustellenverkehr, die lange Bauzeit mit den entsprechenden Emissionen und die Baugrubensicherung.

Als Nächstes werden im Verlauf des Sommers Einspracheverhandlungen der Beschwerdeführenden mit der Bauherrschaft anstehen. Im Idealfall kommt es zu einer Lösung in Form einer ­Einigung. Wenn nicht, behandelt der Gemeinderat die Einsprachen. Er wird diesen entweder stattgeben oder sie ablehnen.

Erst die Gesamtfinanzierung

Auch bei nicht bereinigten Einsprachen wäre der nächste Schritt jener vor die Gemeindeversammlung. «Wir müssen dem Volk in diesem Fall eröffnen, wie viele Einsprachen hängig sind und gegen was Beschwerde erhoben wird», sagt Raaflaub. Viel wichtiger aber ist: «Das Projekt Les Arts wird erst dann für eine Gemeindeversammlung traktandiert, wenn die Gesamtfinanzierung vonseiten der Bauherrschaft nachgewiesen werden kann. Darum ist es auch schwierig, zu sagen, wann das sein wird.»

Gemeinderat Raaflaub bleibt realistisch: Es wäre «sehr sportlich», davon auszugehen, dass das noch in diesem Jahr sein könnte. Wird das Projekt an der Gemeindeversammlung positiv aufgenommen, geht es zur Ge­nehmigung an das Amt für Gemeinden und Raumordnung. Falls die Einsprachen weitergezogen werden, sind die nächsten Beschwerdeinstanzen das Rechtsamt der kantonalen Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion, das Verwaltungsgericht des Kantons Bern und dann noch das Bundesgericht. Trifft letzterer Fall ein, so muss mit einer Verzögerung des Projekts von fünf bis zehn Jahren gerechnet werden.

Für J. Markus Kappeler, Präsident der Stiftung Les Arts Gstaad, «sind die zu erwartenden Einsprachen eingetroffen. Die Gemeinde wird auch in dieser zweiten Runde in enger Absprache mit uns die nötigen Gespräche führen und möglichst gute Lösungen finden. Was die Finanzierung des Projektes angeht: Wir sind sehr zuversichtlich, dass die nötigen Mittel für den zukunftsweisenden Kulturbau rechtzeitig gesprochen werden.»

Bahnprojekt und Tunnel

Die Überbauungsordnung Nr. 79 «Les Arts/Ried» beinhaltet drei Teilbauwerke. Neben dem eigentlichen Kulturgebäude sind dies das Bahnprojekt, bei welchem die MOB (Montreux-Oberland-Bahn) als Bauherrin auftritt, sowie der Erschliessungstunnel mit Parkplätzen und Busbahnhof. Bei letzterem Bauwerk, das mit zusätzlichen rund 28 Millionen Franken veranschlagt ist, tritt die Gemeinde Saanen als Bauherrin auf. Auch hier muss die Gemeindeversammlung aber erst noch ihre Zustimmung zum genannten Betrag geben.

Berner Oberländer

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