Les Arts Gstaad: Volk entscheidet wohl erst 2017

Gstaad

Neuer Antrieb für das geplante Kulturzentrum Les Arts Gstaad: Der Bau wird gemeinsam mit dem Erschliessungstunnel sowie dem Bahnprojekt in der Überbauungsordnung nochmals der Öffentlichkeit vorgelegt.

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Les Arts Gstaad nimmt die nächste Hürde in Angriff. «Der Stiftungsrat sowie die Gemeindebehörden haben entschieden, die Überbauungsordnung aus drei Bauwerken und mit drei Bauherren im Frühjahr 2016 erneut öffentlich aufzulegen», schreiben die Verantwortlichen in einer Medienmitteilung.

Neu wird das Verfahren kombiniert: Neben dem dazugehörigen Bahnprojekt der Montreux-Oberland-Bahn sowie dem Erschliessungstunnel, dessen Bauherrin die Gemeinde Saanen ist, gehört nämlich auch das eigentliche Kulturgebäude zum Gesamtpaket, das im umfassenden Baugesuch beurteilt wird. «Wir erhoffen uns davon, das Bewilligungsprozedere damit beschleunigen zu können», sagt Stiftungsratspräsident Jacques Markus Kappeler auf Anfrage. Werden die drei Teilprojekte gemeinsam aufgelegt, gibt es nochmals eine umfassende Gelegenheit für Einsprachen und Verbesserungsvorschläge.

Verdichtete Bauweise

Wie bereits Ende letzten Jahres angekündigt, kommt der Kulturbau Les Arts Gstaad in den überarbeiteten Plänen verdichteter und kompakter daher. Der Bau beansprucht weniger Fläche des ganzen Grundstücks als bisher geplant. Und das Parkhaus wird unter das geplante Gebäude platziert, ohne dass man höher bauen muss. Mit diesen Optimierungen will das Projektteam um den französischen Architekt Rudy Ricciotti diversen Einsprechern entgegenkommen.

Das Teilprojekt Kulturbau gehörte bisher nicht zum Bewilligungsverfahren, weil der Stiftungsrat keine finanziellen Risiken eingehen wollte. Ende 2014 hatte man rund fünfundvierzig Millionen Franken zugesichert – zu wenig dafür, Nägel mit Köpfen zu machen. Nun aber sei man mit der Finanzierung so weit, dass eine umfassendere Planung in Angriff genommen werden könne.

Wie hoch die zugesicherten Beiträge gesamthaft sind, dazu will sich der Stiftungsratspräsident nicht äussern. Nur so viel: «Wir stehen kurz davor, beim Lotteriefonds das Gesuch für eine finanzielle Unterstützung einzureichen.» Solche Gesuche würden aber nur dann behandelt, wenn der Gesuchsteller 80 Prozent der Gesamtkosten gesichert hat.

20 Millionen mehr

Was die Gesamtkosten angeht, so war bisher stets von hundertfünfzig Millionen Franken die Rede: hundert Millionen für den Neubau inklusive Verkehrsinfrastruktur und fünfzig Millionen für einen Fonds, der den Betrieb längerfristig sichern soll. Wie der Stiftungsrat schreibt, werden für den Neubau jetzt zwanzig Millionen Franken mehr benötigt. Die Zusatzkosten betreffen einerseits eine unerwartete Problematik mit dem Grundwasser.

Regelmässig wird am Riedhubel der Grundwasserpegel gemessen. «Ende Mai 2015 lag dieser Pegel plötzlich zwei Meter höher als der bisherige Spitzenwert», so Kappeler. Man sei zunächst davon ausgegangen, dass ausserhalb des Grundwasserperimeters gebaut werden könne; dies sei nun aber nicht der Fall. Unter den neuen Vorzeichen kostet die Bauweise rund zehn Millionen Franken mehr. Die weiteren zehn Millionen Franken Mehrkosten für das Gesamtprojekt werden für anfallende Nebenkosten einer Reserve zugewiesen.

Prominente Geldgeber

Die letzten Monate verbrachte der Stiftungsrat auch damit, neue Geldgeber für Les Arts Gstaad zu gewinnen. Mit Erfolg. «Wir freuen uns ausserordentlich, dass die Familie des bekannten Schweizer Unternehmers Dr.Stephan Schmidheiny zur Unterstützung des Projektes einen substanziellen Beitrag leisten will», steht in der aktuellen Medienmitteilung, die Schmidheiny auch gleich zitiert: «Das Saanenland ist ein einzigartiges Stück Schweiz. Die Schönheit der Alpen, das reiche kulturelle Erbe und die Weltoffenheit der Bevölkerung sind der ideale Nährboden für ein Projekt wie Les Arts Gstaad».

Das Kulturzentrum würde Liebhabern, Feriengästen und der lokalen Bevölkerung Raum schaffen für aussergewöhnliche Begegnungen mit den Künsten. «Ich bin glücklich, dass meine Frau Viktoria – Wienerin und passionierte Musikliebhaberin – und ich zur Verwirklichung dieses visionären Vorhabens beitragen können.» Schmidheiny ist nicht der einzige prominente Investor, der in letzter Zeit an Land gezogen wurde. Auch Aline Foriel-Destezet, Ehefrau des französischen Milliardärs und Adecco-Mitbesitzers Philippe Foriel-Destezet, hat ihre finanzielle Unterstützung zugesichert.

«Mit meiner Familie in Saanen-Gstaad Gast sein zu dürfen und am Menuhin Festival regelmässig als Mazänin aufzutreten, erfüllt mich seit Jahren mit Freude», sagt sie. Allerdings sei die Qualität des Zeltes «jene eines Provisoriums, welches weder den Künstlern noch dem Publikum länger zuzumuten ist», begründet Aline Foriel-Destezet ihren Schritt.

Wie tief die Familien Schmidheiny und Foriel-Destezet aber in die Tasche greifen, darüber wurde Stillschweigen vereinbar. Jacques Markus Kappeler sagt: «Aus Rücksicht auf andere Sponsoren äussern wir uns nicht über die Höhe der Investitionen. Aber es sind substanzielle Beiträge.»

Entscheid kaum vor 2017

Die Finanzierung scheint also auf Kurs. Wie sieht es mit den weiteren politischen Hürden aus? «Nächster Schritt ist die Neuauflage der Überbauungsordnung im Frühjahr», sagt Kappeler. «Und ich bin überzeugt, dass wir im Verlauf des nächsten Jahres den Entscheid des Lotteriefonds erhalten.» Schon nur dieser Entscheid müsse diverse Hürden passieren: Vom entsprechenden Amt zum Regierungsrat, dann zum Grossrat des Kantons Bern, der seinen Segen dazu geben soll. Hier rechnet Kappeler mit neun Monaten.

Was das Einspracheverfahren der Bauauflage angeht, masst sich der Stiftungsratspräsident allerdings keine Prognose an. «Sobald die Finanzierung steht, wird Saanen entscheiden», so Kappeler. «Wann das ist, ist nur schwer zu sagen.» Nach aktuellem Stand der Dinge sei aber in Saanen kaum mit einer Gemeindeversammlung vor 2017 zu rechnen.

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