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Licht aus in Thierachern

In der Gemeinde Thierachern soll spätestens ab 1.Juli in der Nacht die Strassenbeleuchtung abgeschaltet werden.

Tappt Thierachern im Dunkeln? Im Gegenteil. Dem Gemeinderat ging ein Licht auf. «Licht aus!», fällte die Behörde anfangs Februar den Grundsatzentscheid. Frühmorgens von 1 bis 5 Uhr soll die Strassenbeleuchtung in der Gemeinde vollständig abgeschaltet werden. So ist es in einer Meldung von gestern zu lesen. «Für diese Massnahme gibt es zwei Gründe», sagt Vreni Blesi. «Einerseits können wir so Strom und Geld sparen.» 24500 Kilowattstunden oder rund 4500 Franken pro Jahr. Auch das zweite Argument ist ein hehres. «Wir möchten die Umwelt schonen und etwas gegen die Lichtverschmutzung tun.» Denn wie die Ratspräsidentin weiss, fühlten sich Mensch und Tier teils vom grellen Hell geblendet und in ihrer Nachtruhe gestört. Blesi, die politisch Verantwortliche der aufstrebenden 2300-Seelen-Gemeinde im Westen Thuns, sagt: «Mit unserer Nachtabschaltung der Beleuchtung nehmen wir eine Art Vorreiterrolle ein.» Einzige Gemeinde Das bestätigt der Stromriese BKW. Antonio Sommavilla, der Leiter Medienkommunikation, sagt: «Im Kanton Bern ist uns keine weitere Gemeinde bekannt, welche nachts die Strassenbeleuchtung abschaltet.» Was die BKW auch weiss: Das Thema werde generell als Massnahme diskutiert. Ohne den Souverän über sein Vorhaben zu informieren, legt der Gemeinderat von Thierachern den Lichtschalter aber nicht um. Mittels Umfrage in der Dorfzeitung wurde zur Mitwirkung aufgerufen. «Von den 29 Eingaben, die eingegangen sind, stimmten 24 dem Konzept der Gemeinde zu. Was einer sehr deutlichen Zustimmung von 83 Prozent entspricht», rechnet der Gemeinderat in seiner Mitteilung vor. Das klare Verdikt überraschte auch Präsidentin Blesi. Denn sie war anfänglich etwas skeptisch. «Das git doch äs Gschtürm im Dorf», habe sie sich gedacht. In ebendiesem, an der Haltstelle, warten eine Frau und ein älterer Herr auf den Bus. «Wenn man mit dem Abschalten der Kandelaber etwas sparen kann, ist das gut», findet er. Sie pflichtet ihm bei. Bedenken zur Sicherheit Der Mann will wissen, dass das gemeinderätliche Lichterlöschen nicht alle freut. «Bei der zunehmenden Kriminalität und wenn dann an finsteren Ecken kein Licht mehr brennt», äussert er vernommene Bedenken. Vor denen hat auch die Gemeinde die Augen nicht verschlossen. Die Beurteilung der Sicherheitsfrage durch Fachleute aus der Schweiz und Deutschland zeichne diesbezüglich ein anderes Bild. Strassenbeleuchtungen könnten in diesem Zeitraum nur ein Sicherheitsgefühl vermitteln, aber keine grössere Sicherheit bieten. Laut Blesi wird das Lichter-löschen so rasch als möglich erfolgen. «Das hängt nun von der BKW ab.» Spätestens ab 1.Juli aber soll man in Thierachern während vier Stunden im Dunkeln tappen.Jürg Spielmann>

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