Lifte: BLS erstickt Hoffnung im Keim

Eine alte Forderung neu aufgelegt: Bahnkunden wünschen sich Aufzüge beider Passerelle am Bahnhof Spiez . Nun wird das Anliegen mit einem politischen Vorstossaus Spiez aufs Neue befeuert. Nur: Die Aussichten auf Erfolg sind, einmal mehr, schlecht.

Die 22-jährige Passerelle auf der Ostseite des Spiezer Bahnhofs. Politiker und BLS-Kunden wünschten sich hier drei Lifte.

Die 22-jährige Passerelle auf der Ostseite des Spiezer Bahnhofs. Politiker und BLS-Kunden wünschten sich hier drei Lifte.

(Bild: Jürg Spielmann)

Jürg Spielmann

«Der Fahrstuhl nach oben ist besetzt, Sie müssen warten», sang das Hazy-Osterwald-Sextett 1966 in seinem gleichnamigen Schlagerhit. In Spiez wartet man seit 22 Jahren. 1995 ist die Passerelle östlich des Bahnhofs beim Totalumbau des Knotenpunkts realisiert worden. Aus Stahl und Glas, gestützt von drei oval geschwungenen Treppenaufgängen. Aufzüge waren damals im 143-Millionen-Etat für den neuen Spiezer Bahnhof nicht enthalten.

Zug lang, Anschluss knapp

Immer wieder wurden in den letzten zwei Jahrzehnten Rufe nach Liften in der Überführung laut. «Schade, dass die grosse Zahl der ein-, aus- und umsteigenden Bahn- und Buspassagiere nicht dort profitieren kann, wo es für sie am nötigsten wäre, nämlich an Aufzügen auf den Perrons in den Treppenaufgängen.» Mit diesen Worten kritisierte etwa ein BLS-Kunde und Leser dieser Zeitung 2009, dass im Folgejahr nur das alte Bahnhofgebäude erneuert werden sollte. Für 10 Millionen Franken. «Ohne den ­Knotenpunkt kundenfreundlich auszubauen und durch Lifte zu ergänzen.»

Die Worte, die Roland Müller, Mitglied der SP-Fraktion im Spiezer Grossen Gemeinderat (GGR), in seinem Motionstext wählte, zielen inhaltlich in dieselbe Richtung. «Bei den bisweilen sehr langen Zügen und den knappen Anschlüssen ist das Umsteigen auf die Anschluss-Postautos vor allem für Gehbehinderte oder Reisende mit Kinderwagen nicht zu schaffen, wenn sie im Bereich der Passerelle aussteigen.» Ferienreisende mit Koffern hätten das gleiche Problem. «Besonders zukünftig, wenn sie von den IC von und nach Brig auf den Bus in Richtung Interlaken umsteigen möchten», so Müller. Mit seiner an der letzten GGR-Sitzung eingereichten Motion will der Lokalpolitiker den Gemeinderat beauftragen, «in Zusammenarbeit mit der BLS dafür zu sorgen, dass die Passerelle durch drei Lifte ergänzt wird». Und das rasch.

«Wir würden es be­grüssen, wenn die BLS in der Angelegenheit aktiv wird.»Gemeindepräsidentin Jolanda Brunner

«Ich kann das Begehren der Motion nachvollziehen», sagt Jolanda Brunner. «Es ist eine Tatsache, dass Menschen im Rollstuhl, mit einem Rollator oder einem Kinderwagen teils einen weiten Weg zur Unterführung zu bewältigen haben. Sie verlieren viel Zeit und verpassen unter Umständen den Anschluss», ergänzt die Spiezer Gemeindepräsidentin (SVP). Sie ist überzeugt, dass Lifte für die BLS-Kunden «eine wesentliche Verbesserung» wären. «Wir würden es sicherlich begrüssen, wenn die BLS in der Angelegenheit aktiv wird.» Die Chance, sich persönlich für das Anliegen starkzumachen, wird die Gemeindepräsidentin Ende nächster Woche haben. Dann, wenn sie sich mit Vertretern des Berner Bahnunternehmens trifft, «um diverse Themen zu besprechen», wie sie sagt.

Der BLS schlicht zu teuer

Zumindest das Thema Fahrstuhl dürfte ein harziges sein, denn die Signale stehen alles andere als auf Grün. «Auch in Spiez müssen wir, gleich wie bei all unseren 119 Bahnhöfen, haushälterisch mit dem Geld umgehen», so BLS-Sprecher Stefan Dauner auf Anfrage. Im Klartext: Lifte sind dem Unternehmen zu teuer. Ist man sich der für viele unbefriedigenden Situation bewusst? Der Bahnhof Spiez sei zentral für die BLS, und man wolle allen Kunden einen guten Zugang zur Bahn ermöglichen, lautet die Antwort.

Laut Dauner wurden bei der BLS Lifte auf die Passerelle auch schon thematisiert. «Die Perrons in Spiez sind jedoch via Unterführung und Rampen für alle Kunden zugänglich, im Sinne des Behindertengleichstellungsgesetzes. Mit Rampen haben wir generell sehr gute Erfahrungen gemacht, da sie ein gutes Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen aufweisen – im Gegensatz zu Liften.» Wie viel Letztere kosteten, ist jedoch nicht bekannt. Der BLS-Sprecher lässt zudem wissen, was zumindest erstaunt: «Bei unserem Kundendienst ist bis jetzt keine konkrete Forderung nach Liften von den Perrons auf die Passerelle eingegangen.»

Der Spiezer Gemeinderat wird dem GGR Roland Müllers Vorstoss in den nächsten sechs Monaten zur Behandlung vorlegen müssen – samt Antrag. Es scheint indes schon heute, als hätte der Liedtext von Hazy Osterwalds Hit am Bahnhof Spiez noch lange seine Gültigkeit. Eine Passage lautet: «Der richtige Fahrstuhl für Sie fährt unter Umständen nie . . .»

Berner Zeitung

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