Mädchen unsittlich berührt: Portugiesin verurteilt

Einer Frau werden sexuelle Handlungen mit Kindern zur Last gelegt. Die 55-Jährige bestritt die Vorwürfe vor Gericht. Der Richter glaubte den Kindern und verurteilte die Beschuldigte zu bedingter Freiheitsstrafe und einer Geldstrafe.

Eine 55-jährige Portugiesin wurde stand wegen sexuellen Handlungen mit Kindern vor dem Regionalgericht in Thun. Sie wurde zu einer bedingten Freiheitsstrafe verurteilt.

Eine 55-jährige Portugiesin wurde stand wegen sexuellen Handlungen mit Kindern vor dem Regionalgericht in Thun. Sie wurde zu einer bedingten Freiheitsstrafe verurteilt.

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Bern, Region Oberland, wirft der 55-jährigen, auf dem Bödeli wohnhaften Portugiesin mehrfach begangene sexuelle Handlungen mit Kindern vor. In der Zeit von circa Mitte 2012 bis Anfang Januar 2016 soll sie ihr heute 11-jähriges Patenmädchen betastet und mehrmals im Genitalbereich auf der nackten Haut gestreichelt haben.

Im Weiteren soll die Frau das Mädchen im Bereich der Brüste und am Gesäss unsittlich betastet haben. Ferner wird ihr zur Last gelegt, in der Zeit von circa 2013 bis circa Ende 2015 bei der heute neunjährigen Halbschwester des Mädchens den Oberkörper im Bereich der Brüste betastet und gestreichelt zu haben.

Nie sexuelle Absichten gehabt

«Ich weiss nicht, wer die beiden Mädchen dazu gebracht hat, ­diese Aussagen gegen mich zu machen», die sie als Lügen bezeichnete, sagte die Beschuldigte am Dienstag bei der Befragung durch Gerichtspräsident Jürg Santschi. Sie habe gegenüber ihnen nie sexuelle Absichten gehabt, bekräftigte sie.

Der als Zeuge einvernommene Vater des älteren Mädchens, ein langjähriger Bekannter der Beschuldigten, entlastete diese weitgehend. «Wie kann man ein Kind waschen, ohne es zu berühren?», führte er etwa ins Feld. Er glaube nicht, dass die Frau strafbare sexuelle Handlungen begangen habe.

Aussage gegen Aussage

«Wie vielfach in solchen Fällen steht hier Aussage gegen Aussage», begann die Anwältin der zwei Opfer, die sich als Privatklägerinnen konstituiert hatten, ihr Plädoyer. Sie stufte die Aussagen der beiden Mädchen als glaubwürdig ein. Diese seien sehr differenziert und konstant gewesen, was auch aus den Videoaufnahmen hervorgehe.

Die Anwältin erachtete deshalb die Straftatbestände gemäss Anklageschrift als erfüllt und ­beantragte dementsprechende Schuldsprüche. Im Weiteren forderte sie Genugtuungssummen von mindestens 8000 Franken für das ältere der Mädchen und eine solche von mindestens 2000 Franken für das jüngere Opfer.

Anders sah die Sache der amtliche Verteidiger der Beschuldigten. Dieser könnten keine sexuellen Motive unterstellt werden, führte er aus. Nachdem Aussage gegen Aussage bestehe, müsse der Grundsatz «in dubio pro reo» (im Zweifel für den Angeklagten) angewendet werden.

Er beantragte deshalb einen Freispruch und die Abweisung der Privatklagen. Einzelrichter Santschi war anderer Auffassung. Er stützte sich auf die Aussagen der ­Mädchen und verurteilte die Beschuldigte wegen sexueller Handlungen mit Kindern zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten bei einer Probezeit von zwei Jahren.

Zudem hat sie die Verfahrenskosten von 6252 Franken zu tragen und eine Parteientschädigung von 8400 Franken aus­zurichten. Den beiden Opfern muss sie eine Genugtuung in Höhe von total 10'000 Franken ­leisten.

Berner Oberländer

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