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Mal schauen, ob der Pilz essbar ist

Der Verein für Pilzkunde Bern feiert den 100. Geburtstag. Die Mitglieder treffen sich jeden Montag, bestimmen und diskutieren über das, was sie am Tag zuvor im Wald gefunden haben. Es geht ziemlich wissenschaftlich zu.

Am Abend kommen sie mit Körben voller Pilze und setzen sich im Restaurant Neubrück an lange Tische. Einmal in der Woche, immer montags, treffen sich 20 bis 30 Mitglieder des Vereins für Pilzkunde, um das Sammelgut gemeinsam zu begutachten, zu bestimmen und darüber zu fachsimpeln. Es ist kein bierseliger Stammtisch, wo Humpen gestemmt und doofe Witze erzählt werden. Hier geht es wissenschaftlich und ziemlich geräuschlos zu. Chemikalien werden bereitgestellt, Mikroskope justiert, Sachbücher konsultiert und die beschriebenen Pilze mit den mitgebrachten verglichen. Speisereste untersuchen Die Apothekerin Barbara Zoller und ihre Kollegin Monika Christen untersuchen Zellen und Sporen von Pilzen unter dem Mikroskop. Die beiden Klubmitglieder sind Spitaldiagnostikerinnen. «Wenn jemand nach einer Pilzmahlzeit ins Spital kommt, werden wir beigezogen», erklärt Monika Christen. Die Spezialistinnen untersuchen Essensreste, manchmal Erbrochenes, um herauszufinden, welche Pilze gegessen wurden. «Pro Saison werden wir rund fünfmal ins Inselspital gerufen», meint Christen. «Es gibt rund 5000 Pilzarten, davon 200 geniessbare und 30 giftige», sagt sie und nimmt einen kleinen Pilz zur Hand. «Das ist ein Tintling, aber die Frage ist, was für ein Tintling – das lässt sich nur unter dem Mikroskop beantworten.» Es gibt über ein Dutzend Arten dieser Spezies, und einige gleichen sich aufs Haar. Wie ein Ei dem anderen – und von Laien kaum zu unterscheiden – gleichen sich auch einige Korallen. Mit einem Exemplar Ramaria Pallida (Blasse Koralle) beschäftigt sich Beatrice Senn-Irlet. Die Biologin und Privatdozentin lehrt an der Uni Bern Mykologie, die Wissenschaft der Pilze. Also kennt sie alles, was im Wald zu finden ist – «nein, nein», winkt sie ab, «ich kenne nicht alle Pilze.» «Das Interesse genügt» Wer Mitglied im Verein für Pilzkunde werden will, muss kein Hochschulstudium absolviert haben. «Das Interesse genügt», sagt Pilzkontrolleur Alfred Balmer. «Wer sich für ein sicheres Erkennen von Pilzen interessiert, mit Wissenschaft aber nichts am Hut hat, ist im Verein willkommen.» Von den 83 Mitgliedern sind allerdings 31 ausgewiesene Pilzexpertinnen und -experten. 1910 reine Männersache Gegründet wurde der Verein vor 100 Jahren von einem Briefträger, einem Architekten, einem Wirt und einem Bähnler. Es ist schweizweit der älteste Pilzverein. 1910 war der Pilzensportverein Bern, wie er damals hiess, reine Männersache. Fünf Jahre später wurde der erste Pilzmarkt in Bern durchgeführt. Jener im Jahr 1935 ging in die Geschichte ein: Pilzrekordjahr mit 13,6 Tonnen Röhrlinge, 20 Tonnen Eierschwämme, 2,5 Tonnen Ritterlinge. Sieben Vereinsmitglieder kochten damals für sich einige knackige Ritterlinge, die sie selbst gesammelt hatten. Was nach dem Essen passierte, ist schriftlich festgehalten: «nach einer halben Stunde alle heftiges Erbrechen, nachher heftiger Durchfall» Es waren wohl giftige Riesenrötlinge. «Zu einer Verwechslung mit giftigen Pilzen ist es seither im Verein nie mehr gekommen», sagt Alfred Balmer. Urs WüthrichAm Samstag auf dem Waisenhausplatz: Ausstellungen, Infos und Verkaufsstände rund um Pilze, Kontrolle, Diagnostik, Literatur, Gastronomie. Erster Trüffelmarkt der Schweiz. www.pilzverein-bern.ch. >

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